Japan und Deutschland einig Merkel und Abe halten Freihandelsfahne hoch

Von Klaus Wieschemeyer

Shinzo Abe und Angela Merkel  in Hannover. Foto: dpaShinzo Abe und Angela Merkel in Hannover. Foto: dpa

Hannover. Die Regierungen von Deutschland und Japan stemmen sich gegen den weltweiten Trend zum Protektionismus. Nur mit freiem Handel könne man den Wohlstand mehren, erklären Kanzlerin Merkel und Premier Abe in Hannover.

Hannover. Und wieder steht ein ausländischer Spitzenpolitiker neben Angela Merkel in Hannover und preist die Vorzüge des internationalen Freihandels. Im März 2017 heißt der Gast Shinzo Abe und ist Premierminister Japans.

Im April 2016 war es der damalige US-Präsident Barack Obama. Und dessen Nachfolger bereitet Merkel und Abe gleichermaßen Sorgen. Den Namen Donald Trump nennen sie nicht, doch er ist gemeint, wenn beide von der Bedrohung durch protektionistische Tendenzen sprechen.

Merkel und Abe waren beide bereits bei Trump im Weißen Haus – und zelebrieren bei ihrem Gespräch am Montag in Hannover das Gegenteil der Atmosphäre in Washington. Der Händedruck fällt freundschaftlich und gleichberechtigt aus. Abe lobt die Bedeutung eines „starken Europa“ für Japan und die Welt. Merkel die Digitalisierung der japanischen Gesellschaft als „Anregung“ für Deutschland.

Man wolle „die Fahne des freien Handels hochhalten“, erklärt Abe nach dem gemeinsamen Rundgang über die IT-Messe Cebit. Gerade in Zeiten digitaler Umbrüche erscheine ihr Abschottung nicht sehr sinnvoll, sagt Merkel: „Wir können nicht weltweit die Dinge alle vernetzen, aber beim Handel bauen wir dann wieder Barrieren auf.“

Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen EU und Japan hätten die entscheidende Phase erreicht, frohlocken die beiden Politiker.

Es sei wichtig, die USA mit ins Boot zu holen, betont Abe gleich mehrfach. Protektionismus und Nabelschau seien keine Antwort auf die aktuellen internationalen Probleme. Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der internationalen Politik müssten die Vereinigten Staaten die Führungskraft sein, sagt der japanische Premier. Dass die USA diese Rolle wieder übernehmen könnten, hält Abe durchaus für denkbar. Bei seinem Besuch in Washington habe er eine gute Erfahrung gemacht. „Trump hat mir konzentriert zugehört“, lobt er.


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