Krisenjahre in der Milchbranche Zwei Jahre ohne Milchquote: So viele Bauern haben aufgegeben

Eine Milchkuh auf einem Hof bei Osnabrück. Foto: Michael GründelEine Milchkuh auf einem Hof bei Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mehr als 5600 Milchbauern haben in Deutschland seit Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015 aufgegeben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Frage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Der Bauernverband indes warnt: Die Krise ist noch nicht überall ausgestanden.

Besonders kleine Betriebe haben demnach die Produktion eingestellt: Während 6145 Bauernhöfe mit weniger als 100 Kühen seit dem Ende der Quote ausgestiegen sind, nahm die Zahl der Betriebe mit mehr als 100 Tieren sogar um fast 560 zu. Das Bundeslandwirtschaftsministerium beruft sich bei seiner Antwort auf die Zahlen der halbjährlichen sogenannten Viehbestandserhebung vom 3. Mai 2015 zum 3. November 2016. (Weiterlesen: Was der niedrige Milchpreis mit den Bauern macht)

Stärkster Rückgang in Süddeutschland

Der stärkste Rückgang war laut Ministerium in Süddeutschland zu verzeichnen: Im besagten Zeitraum gaben in Bayern 2353 Betriebe die Milchviehhaltung auf, in Baden-Württemberg fast 1000. Auf Platz drei folgt Niedersachsen mit 707 Bauernhöfen, vor Nordrhein-Westfalen mit 704 und Schleswig-Holstein mit 233. Die Zahl der Kühe in Deutschland sank in den anderthalb Jahren um fast 69.000 auf 4.217.700 Tiere.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Zahl der milchproduzierenden Betriebe weiterhin zurückgehen wird. Staatssekretär Peter Bleser schreibt in der Antwort: „Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung wird sich auch in Zukunft fortsetzen.“ Diesen langfristigen Trend habe die zum April 2015 nach 30 Jahren abgeschaffte Milchquote ebenso wenig verhindern können wie Preis- und Einkommensschwankungen. Zwischen Einführung der Quote im Jahr 1984 sank demnach die Zahl der Milcherzeuger von 369.000 auf 78.000. (Weiterlesen: Milchproduktion steigt an: Mit Vollgas durch die Krise)

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, bestätigte, dass ein Strukturwandel weitgehend unbeeindruckt von einer Milchquote oder den marktüblichen Preisschwankungen stattfinde. „Die heftige Preiskrise der vergangenen zwei Jahre hat den Strukturwandel aber sehr wohl beschleunigt und die Auswirkungen werden noch über längere Zeit zu spüren sein“, so Krüsken.

Bauernverband: Krise noch nicht ausgestanden

Nach Ansicht der Bundesregierung habe sich die Lage mittlerweile wieder konsolidiert, der Erzeugerpreis habe die 30-Cent-Marke überschritten. Der Bauernverband indes warnt: „In einigen Regionen ist die Krise noch nicht ausgestanden.“ Generalsekretär Krüsken verweist darauf, dass die Milchpreise im Süden tendenziell höher seien als im Norden. „Gerade nach den zwei Krisenjahren reicht ein Milchpreis von knapp über 30 Cent für viele Betriebe noch nicht aus“, so Krüsken. (Weiterlesen: Niedrige Milchpreise: Bauern in der Region besonders arm dran)

Ein Instrument gegen künftige Krisen könnte aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums unter anderem ein Milch-Branchenverband sein, dessen Gründung das Ministerium „fordert und unterstützt“. Ein solcher Verband soll beispielsweise bei Preisschwankungen die Milchmenge regulieren. Darüber wolle Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf einem Milch-Gipfel am 27. März mit Branchenvertretern sprechen. „Bundesminister Schmidt drängt die Wirtschaftsbeteiligten in ihrem eigenen Interesse, schnell zu Ergebnissen zu kommen“, so Staatssekretär Bleser.

Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff kritisierte, dass die Bundesregierung seit Wegfall der Quote und Ausbruch der Krise zu wenig unternommen habe, um Milchbauern zu stärken und den Markt krisenfest aufzustellen. „Die Bundesregierung verschließt die Augen und redet sich die Lage schön.“


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