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08.03.2017, 16:54 Uhr ÜBERSCHUSS TROTZ NULLZINSEN

Sparkassen: In Draghis Schraubstock

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


EZB-Chef Mario Draghi hat bisher noch keine Abkehr von seiner Politik des billigen Geldes angedeutet. Foto: dpaEZB-Chef Mario Draghi hat bisher noch keine Abkehr von seiner Politik des billigen Geldes angedeutet. Foto: dpa

Osnabrück. Noch trotzen die Sparkassen dem anhaltenden Zinstief. Doch wie lange schaffen sie das noch?

Die gute Nachricht: Das anhaltende Zinstief lässt die Sparkassen nicht gleich reihenweise umkippen. Die schlechte: Ihnen dürften noch viele schwierige Jahre bevorstehen.

Ebenso wie ihre Sparer stecken auch Deutschlands Sparkassen im Schraubstock von Mario Draghi. Der Chef der Europäischen Zentralbank hält an seiner Politik des billigen Geldes fest. Die Folge: Die wichtigste Einnahmequelle der Sparkassen, der Zinsüberschuss aus dem Kredit- und Einlagengeschäft, schmilzt dahin, allein 2016 um 840 Millionen Euro.

Bisher ist es den Instituten gelungen, mit höheren Gebühren, Jobabbau und Filialschließungen gegenzusteuern. Doch sie werden bald an Grenzen stoßen. Die Konditionen für die Kunden lassen sich nicht beliebig verschlechtern. Denn erstens haben die Sparkassen einen gesetzlichen Auftrag: Sparsinn und Vermögensbildung der Bürger zu pflegen. Negativzinsen für Privatkunden würden da schlecht ins Bild passen. Zweitens sitzt ihnen die Konkurrenz vor allem der schlankeren Direktbanken im Nacken.

Wie geht es weiter? Eine Zinswende im Euroraum zeichnet sich nicht ab. Viele Sparkassen werden bald massive Probleme bekommen, im Kerngeschäft Gewinne zu erwirtschaften. Sie müssen weiter Reserven bilden – und im Zweifel weniger Geld an die kommunalen Träger ausschütten.


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