Exporte nehmen zu Spanien verbessert Handelsbilanz

Von Heinz Krieger

Noch immer importiert Spanien mehr, als es ausführt, aber die Exporte nehmen zu. Sie erreichten 2016 das Rekordvolumen von 254 Milliarden Euro. Foto: Patrick PleulNoch immer importiert Spanien mehr, als es ausführt, aber die Exporte nehmen zu. Sie erreichten 2016 das Rekordvolumen von 254 Milliarden Euro. Foto: Patrick Pleul

Valencia. Noch immer importiert Spanien mehr, als es ausführt, aber die Exporte nehmen zu. Sie erreichten 2016 das Rekordvolumen von 254 Milliarden Euro. Das Handelsbilanzdefizit ist im vergangenen Jahr um rund 22 Prozent verringert worden.

Rafael Ansón ist verärgert. Die „Marca España“, das spanische Pendant zum Made in Germany, kommt nach seiner Meinung bei den Exporten zu kurz. Vor allem im Bereich Lebensmittel und Getränke. „Freixenet hat zwei Sekte, die besser sind als Moët Chandon. Doch wenn man sie für mehr als sechs Dollar verkaufen will, geht das nicht. Aber der schlechte französische Champagner wird für 40 Dollar verkauft“, bedauert der Leiter der spanischen Königlichen Akademie für Gastronomie.

Spitze in Europa

Ansonsten aber geht es gut mit den spanischen Exporten. Die haben im vergangenen Jahr alle bisherigen Rekorde eingestellt und wurden zum Motor des spanischen Wirtschaftswachstums von 3,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), dem Spitzenwert in Europa. Die Exporte sind nach guten Vorjahren 2016 um weitere 1,7 Prozent angewachsen auf 254,53 Milliarden Euro (271 Milliarden Franken), wie Handelsstaatssekretärin Marisa Poncela bekannt gab.

Wie beim BIP-Wachstum liegt Spanien auch bei der Exportsteigerung in Europa an der Spitze mit 1,7 Prozent. In der gesamten Eurozone steigen die Exporte um 0,7 Prozent, in Deutschland um 1,2 Prozent, in Italien – das wegen seiner Wein- und Olivenölexporte gern mit Spanien verglichen wird – um 1,1 Prozent. In Frankreich gingen die Exporte gar um 0,9 Prozent zurück und im austrittswilligen Großbritannien um 0,2 Prozent.

Handelsbilanzdefizit nimmt ab

„Das Wachstum ist ausgeglichener als vor der Krise und stützt sich sowohl auf die Binnennachfrage wie auf die aus dem Ausland“, kommentierte die Staatssekretärin. Die Ausfuhren machten 33,2 Prozent des BIP aus gegenüber nur 25 Prozent, die Spanien vor der Wirtschaftskrise verzeichnete. Die Einfuhren hatten im vergangenen Jahr ein Volumen von 273, 28 Milliarden Euro, um 18,7 Milliarden Euro mehr als exportiert wurde. Das Defizit sank damit gegenüber 2015 um 22,4 Prozent. Zu dem hohen Wirtschaftswachstum trug auch die Steigerung der Binnennachfrage um drei Prozent im vergangenen Jahr bei.

Die stärksten Exportsektoren Spaniens waren 2016 die Ausrüstungsgüter mit einem Plus von 2,5 Prozent, der Automobilbereich mit plus 5,9 Prozent und der Bereich Lebensmittel, Getränke und Tabak mit dem rekordverdächtigen Zuwachs von 6,2 Prozent. Übertroffen wurde das nur noch von den langlebigen Konsumgütern (8,8 Prozent) und darunter der Verbrauchselektronik mit einem Zuwachs der Auslandsverkäufe um 24,7 Prozent.

Waren in den zurückliegenden Jahren die Auslandsverkäufe vor allem in den Schwellenländern gestiegen, richtete sich der Fokus 2016 wieder auf die Länder der Europäischen Union. Die Exporte in die EU stiegen um 4,1 Prozent. Sie machen jetzt 66,3 Prozent aller spanischen Auslandsverkäufe aus, die Exporte in die Eurozone 51,8 Prozent.

Wermutstropfen Energiepreise

Sorgen macht in Spanien allerdings die Entwicklung der Ölpreise. Steigen die weiter, so wird sich das negativ auf die Handelsbilanz auswirken. Die Zahlen vom Dezember 2016 machen das deutlich. Wegen des zuvor stark gesunkenen Ölpreises hatte sich die Handelsbilanz im Energiebereich auf das ganze Jahr 2016 gesehen um 37,8 Prozent zugunsten Spaniens verbessert. Im Dezember setzte eine entgegengesetzte Entwicklung ein. Das (Monats-) Defizit nahm um 36,4 Prozent zu. Denn die Importe stiegen im Dezember um 5,6 Prozent. Das Einkaufsvolumen im Ausland stieg im Dezember beim Erdgas um 28,7 Prozent und beim Erdöl um 15,2 Prozent.


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