Tiefkühl-Gemüse als Alternative Preisschock am Gemüseregal wegen Ernteausfällen

Knapp und teuer: Für Gemüse aus Spanien und Italien müssen Kunden derzeit tief in die Tasche greifen. Foto: Jörn MartensKnapp und teuer: Für Gemüse aus Spanien und Italien müssen Kunden derzeit tief in die Tasche greifen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Wer sich gesund ernähren will, muss derzeit tief in die Tasche greifen: Weil Stürme und Kälte zu Ernteeinbußen in Spanien und Italien geführt haben, sind die Preise für Gemüse zum Teil drastisch gestiegen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Auf den Kälteschock im Süden folgt der Preisschock in Mitteileuropa: 7,99 Euro für das Kilogramm Auberginen, 6,99 Euro sind es bei Paprika und Zucchini und der Kopf Eisbergsalat schlägt mit 1,99 Euro zu Buche. Verbraucher müssen sich beim Gang in die Gemüseabteilung im Supermarkt derzeit auf drastisch gestiegene Preise einstellen.

Nach Angaben der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zahlen Verbraucher derzeit 30 Prozent mehr für Frucht- und Kohlgemüse, 37 Prozent mehr sind es für Salat. Verglichen mit dem Vorjahr hätten die Gemüsepreise in den ersten drei Januarwochen im Schnitt um 24 Prozent zugelegt.

Keine schnelle Besserung in Sicht

Grund sind massive Ernteausfälle in Spanien und Italien. „Unwetter haben in Spanien bereits Anfang Dezember zu Ernteschäden geführt, der Kälteeinbruch im Januar hat die Situation noch verschärft“, sagt AMI-Expertin Birgit Rogge. Und so schnell werde sich an der Situation nichts ändern. „Was jetzt fehlt, wächst nicht so schnell nach.“

Schwankungen bei der Ernte und damit beim Preis gehören zwar zum Einzelhandelsgeschäft, sagt Mechthild Möllenkamp, Präsidentin des Handels- und Dienstleistungsverbands Osnabrück-Emsland, doch dieses Jahr sei es „schon sehr extrem“. Sie betreibt mehrere Edeka-Märkte in Osnabrück. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel bestellen: Zucchini für acht Euro das Kilo, das kauft doch keiner. Das wird dann nicht bestellt oder mehrere Märkte teilen sich eine Kiste“. Sie rät preisbewussten Kunden, Tiefkühl-Gemüse als Alternative ins Auge zu fassen, bis sich die Situation entspannt habe – etwa, wenn die Ernte aus den Niederlanden bereitsteht.

Marktsituation als Chance

Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverband, sieht in der aktuellen Gemüse-Hochpreisphase auch eine Chance: „In kaum einem anderen europäischen Land geben Verbraucherinnen und Verbraucher so wenig für Lebensmittel aus wie in Deutschland, nämlich rund zehn Prozent. Vielleicht sollten wir die aktuelle Marktsituation zum Anlass nehmen, noch einmal bewusst über den Wert einer gesicherten Nahrungsmittelversorgung nachzudenken“.

Verteuert hat sich nicht nur Gemüse: Auch insgesamt ziehen die Verbraucherpreise an. Mit 1,9 Prozent erreichte die Inflationsrate im Januar den höchsten Wert seit Juli 2013.


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