„Landwirtschaft kommt uns teuer zu stehen“ Nitrat im Grundwasser: Deutschland macht keine Fortschritte

Von Dirk Fisser

Ein Landwirt bringt bei Bissendorf im Landkreis Osnabrück Gülle auf Felder auf. Zu viel Dünger schadet der Umwelt. Foto: Michael Gründel.Ein Landwirt bringt bei Bissendorf im Landkreis Osnabrück Gülle auf Felder auf. Zu viel Dünger schadet der Umwelt. Foto: Michael Gründel.

Osnabrück. Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums gefährdet die Landwirtschaft durch Ausbringen von Gülle und Kunstdünger nach wie vor die Gewässerqualität in Deutschland.

Zu diesem Schluss kommt das Ministerium auf Basis des sogenannten Nitratberichtes, den die Bundesregierung jetzt an die EU-Kommission übermittelt hat und der unserer Redaktion vorliegt. Demnach hat sich der Grundwasserzustand in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert. 28 Prozent der Messstellen weisen eine Nitratkonzentration über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter auf.

Große Probleme bereitet laut Bericht auch Phosphor, das ebenfalls im Zuge von Düngung in die Umwelt gelangen kann. An 65 Prozent der Messstellen an Seen oder Flüssen sei der Zielwert überschritten. Dies wirke sich auf Nord- und Ostsee aus: Über Flüsse gelangen die Nährstoffe ins Meer und förderten hier das Algenwachstum. (Weiterlesen: Problemfluss Ems: Zu viele Nährstoffe gelangen in die Nordsee=

Hendricks: Landwirtschaft kommt uns teuer zu stehen

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte unserer Redaktion: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen.“ Über die Düngung gelangten die Nährstoffe in die Umwelt und würden hier die Artenvielfalt beeinträchtigen. Zusätzliche Kosten für die Trinkwasserversorgung seien nicht ausgeschlossen, auch wenn hier bislang keine Beeinträchtigung festzustellen sei. Hendricks: „Es ist also nur im Sinne unseres Gemeinwohls, wenn wir hier stärker als bisher gegensteuern. Das geht nur mit verschärften Düngeregeln.“ Die SPD-Politikerin verwies auf die 2016 fertiggestellte Novelle des Düngerechts, die bislang aber noch nicht in Kraft getreten ist.

Wie aus dem Nitrat-Bericht hervorgeht, speisen sich die Ergebnisse aus dem neu geschaffenen EU-Nitratmessnetz. Das umfasst in Deutschland 697 Grundwasser-Messstellen, die sich in der Nähe landwirtschaftlich genutzter Flächen befinden. In 28 Prozent der Fälle lagen die Nitratwerte über dem Schwellenwert von 50 mg/l. Knapp die Hälfte der Messpunkte erzielte Werte von weniger als 25mg/l. (Weiterlesen: Noch keine Trendwende bei Gülle)

Nitratbericht: Keine wesentlichen Veränderung

Der Bericht kommt zu dem Schluss: „Die Nitratkonzentrationen zeigen zwischen dem letzten und dem aktuellen Überwachungszeitraum keine wesentliche Veränderung.“ Es sei also keine Verschlechterung festzustellen, die nach der EU-Nitratrichtlinie verboten ist. Aber: „Verbesserung hin zu niedrigeren Nitratgehalten sind bisher nur in sehr geringem Umfang eingetreten.“

Wegen des Gewässerzustandes hatte die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Noch im Januar muss die Bundesregierung eine Stellungnahme zu der Anklage übermitteln. Es drohen hohe Geldstrafen. (Weiterlesen: EU reicht angekündigte Nitrat-Klage gegen Deutschland ein)

Die Datenerhebung hatte gerade seitens der Landwirtschaft wieder für Kritik gesorgt. Grundlage der Meldung aus dem Jahr 2012 waren die Ergebnisse von 162 Messstellen. Dies sei nicht repräsentativ für die Grundwasserqualität in Gesamtdeutschland, hieß es.

Neben dem jetzt neu geschaffenen EU-Nitratnetz mit 697 Messstellen gibt es laut Bericht auch das größere EUA-Messnetz. Dies umfasst 1215 Punkte und konzentriert sich nicht ausschließlich auf landwirtschaftliche Flächen. Laut Auswertung lagen hier 18 Prozent der Grundwasser über dem Schwellenwert von 50mg/l – 64,5 lagen deutlich darunter. Im Vergleich zum Bericht von 2012 haben sich auch hier keine wesentlichen Veränderungen ergeben. (Weiterlesen: Gülle-Krieg in Niedersachsen: Dauerzoff um Nachweispflichten)