Deutsche Bäume für den Kreml Pflanzen aus unserer Region schmücken Wahrzeichen in Europa


Osnabrück. Bäume aus Deutschland sind ein echter Exportschlager. An zahlreichen Wahrzeichen in Europa haben deutsche Landschaftsgärtner ihre Bäume und Sträucher eingepflanzt. Auch Baumschulen und Pflanzenproduzenten aus unserer Region machen teilweise einen großen Teil ihres Umsatzes im Ausland.

„Nur ganz wenige Anbieter in Europa haben solch eine Qualität im Programm wie die deutschen Spitzenbaumschulen“, sagt Walter Dirksmeyer vom Thünen-Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Etwa 20 Prozent ihres Umsatzes von rund einer Milliarde Euro machen die deutschen Baumschulen im Ausland.

„Deutsche Baumschulen genießen einen sehr guten Ruf im Ausland. Einige Baumschulen sind spezialisiert auf besonders große Bäume und können den Kunden im Ausland Waren anbieten, die sonst nicht leicht zu bekommen sind“, sagt Martin Müller, Geschäftsführer der Amo-Baumschulen mit Sitz in Quakenbrück auf Anfrage unserer Redaktion.

Einer der Hauptmärkte ist Russland – trotz der dortigen Wirtschaftskrise und des Rubel-Einbruchs, was auch die deutschen Betriebe zu spüren bekamen. So sackten die Erlöse der größten Baumschule in der EU, Bruns-Pflanzen in Bad Zwischenahn, in Russland um 25 Prozent ab. Kunden sind oft Oligarchen, die ihre Privatgärten mit deutscher Ware bestücken lassen. „Wenn wir diese großen Projekte in Osteuropa nicht hätten, wären wir noch stärker eingebrochen“, sagt Geschäftsführer Jan-Dieter Bruns.

Vor allem Apfelbäume beliebt

Auch die Amo-Baumschulen machen 20 Prozent ihres Umsatzes mit dem Geschäft im Ausland. Das bestätigt Müller. Seine Kunden sitzen in Polen, Österreich und der Schweiz. Über Händler oder beispielsweise Baumschulen aus dem Ammerland beliefert sein Unternehmen auch Kunden in Frankreich und Skandinavien. Gerade eben hat Müller erst 10.000 Obstbäume nach Armenien verkauft.

Zurzeit verhandelt er über eine mögliche Lieferung nach Russland. „Wir verkaufen jegliche Art von Obstgehölzen wie zum Beispiel Äpfel, Birnen, Pflaumen und Johannisbeeren“, sagt Müller. Auch Wallnuss- und Esskastanienbäume sowie Haselnusssträucher gehören zu seinem Sortiment. Transportiert werden die Bäume in großen Töpfen.

Amo-Baumschulen beliefern hauptsächlich Unternehmen also zum Beispiel Gartencenter im Ausland. Vor allem Apfelbäume sind gefragt. „Äpfel werden am meisten angebaut und es gibt sehr viele Apfelsorten. Außerdem sind Äpfel bei Kunden sehr beliebt, weil sie sich gut transportieren lassen und nicht so anspruchsvoll sind wie zum Beispiel Birnen“, erklärt Müller. Apfelbäume machen ein Drittel der Bäume aus, die die Amo-Baumschulen verkaufen.

Doch warum kaufen Unternehmen die Bäume in Deutschland und nicht vor Ort? Vor allem in osteuropäischen Ländern hätten Gartencentern keine Tradition, sagt Müller. Aus diesem Grund könnten viele Unternehmen die gewünschten Pflanzen nicht vor Ort kaufen.

Basilikum und Schnittlauch aus dem Emsland

Auch beim Konkurrenten Lorberg aus Brandenburg beträgt allein der Russland-Anteil 25 Prozent. Von den Brandenburgern stammen etwa die mehr als 100 Fichten, auf die der russische Präsident Wladimir Putin von seinem Amtssitz im Herzen Moskaus aus schaut. Traditionell wird Picea pungens Glauca am Kreml gepflanzt. Die Bäume gelten als anpassungsfähig an das scharfe Winterwetter und als widerstandsfähig gegen den notorischen Smog in der russischen Hauptstadt – und sorgen für Farbtupfer.

Doch nicht nur Bäume, sondern auch Pflanzen und Kräuter aus Deutschland sind im Ausland beliebt.

Der Beet- und Balkonpflanzenproduzent Emsflower aus Emsbüren zum Beispiel verkauft nach eigenen Angaben über niederländische Exporteure und deutsche Discount-Unternehmen in nahezu alle Länder Europas. Dabei liege der Fokus bei Pflanzen, die im Garten oder auf dem Balkon gepflanzt werden. Circa 30 Prozent des gesamten Umsatzes mache das Exportgeschäft aus.

Auch die Gartenbauzentrale mit Sitz in Papenburg liefert ihre Ware ins europäische Ausland – unter anderem nach Belgien, Frankreich, Ungarn, Niederlande, Schweden und Polen. Der Topseller ist Basilikum, dann folgen Petersilie, Schnittlauch und Minze. Ferne Länder wie Russland können nicht beliefert werden, da der Transport zu lange dauern würde und die Kräuter bereits welk wären. Das Exportgeschäft macht fünf Prozent des Umsatzes der Gartenbauzentrale aus.

Stimmung in der Baumschulbranche zurzeit mau

Obwohl Pflanzen und Bäume aus Deutschland einen guten Ruf genießen, sei die Stimmung in der Baumschulbranche in den letzten drei bis vier Jahren eher mau gewesen, sagt Müller.

Das Angebot aus dem Internet mache dem stationären Handel Probleme, zu dem auch die Baumschulen gehören. Doch Müller betont: „Vergleichbar gute Qualität, wie es Baumschulen anbieten, findet man auch im Internet nicht billiger.“

Händler im Internet könnten allerdings mehr Sorten anbieten. „Wenn man eine exotische Pflanze kaufen möchte, findet man sie im Internet natürlich leichter“, sagt Müller. Der stationäre Handel könne keine unendliche Menge an Pflanzen bereithalten.

Müller blickt dennoch positiv in die Zukunft: „Der Bedarf an Bäumen ist eigentlich immer da. Mit den Bäumen ist es wie mit Autos. Wenn man gerade kein Geld hat für ein neues Auto, dann wartet man ab und kauft es einfach später. Es wird bald besser.“

Ausgefallenes Sortiment gefragt

Der Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen, Markus Guhl, formuliert es folgendermaßen: „Das Marktumfeld der deutschen Baumschulen ist anspruchsvoll und herausfordernd. Der Wettbewerb um den heimischen Markt ist intensiv.“ Grund seien unter anderem ausländische Konkurrenten, aber auch sich verändernde Kaufgewohnheiten der Kunden. Einerseits würden öffentliche Auftraggeber in den vergangenen Jahren weniger kaufen. Andererseits hätten private Investitionen für Gehölze an Bedeutung gewonnen.

„Natürlich sind die Wünsche vieler Privatkunden speziell und nicht von der Stange. Es bedarf eines guten und vielfach auch ausgefallenen Sortiments, um hier im Wettbewerb zu bestehen“, sagt Guhl. Der Geschäftsführer setzt vor allem auf Innovation wie zum Beispiel schönere und üppigere Gehölze, neue Absatzwege wie der Internethandel oder „platzsparende Allrounder“, die schön aussehen und zusätzlich Früchte tragen.

Mit dpa


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