Forscher diskutieren Bedingungsloses Grundeinkommen: Irrweg oder Königsweg?

Von Joachim Göres

Bedingungsloses Grundeinkommen könnte zu wachsender Ungleichheit führen, warnen Forscher. Foto: dpaBedingungsloses Grundeinkommen könnte zu wachsender Ungleichheit führen, warnen Forscher. Foto: dpa

Hannover. 1000 Euro im Monat als bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann – eine Idee, die Götz Werner, Gründer der Drogerie DM, populär gemacht hat. Doch was wären eigentlich die Auswirkungen?

Inzwischen sprechen sich immer mehr Industrievertreter für ein Grundeinkommen aus, kürzlich Siemens-Chef Joe Kaeser. Damit sollten Menschen, die durch die fortschreitende Digitalisierung ihre Arbeit verlieren, ein vernünftiges Leben führen können. Über das Für und Wider stritten Wissenschaftler am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Volkswagenstiftung in Hannover.

Ausgaben von einer Billion Euro

„Die Diskussion bewegt sich in Deutschland zwischen dem Hartz IV-Satz und 1400 Euro, wie die Linke es vorschlägt“, sagt Michael Opielka, Geschäftsführer des Instituts für Sozialökologie aus Siegburg. Nach seiner Überzeugung verringere das Grundeinkommen die Spaltung der Gesellschaft, gerade ältere Menschen mit einer niedrigen Rente würden davon profitieren. „Wer viel einzahlt, soll viel rausbekommen – das ist eine in Deutschland weit verbreitete Gerechtigkeitsvorstellung. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist deshalb für viele Menschen gewöhnungsbedürftig“, sagt der Soziologe Stephan Lessenich von der Uni München. Nach Schätzungen würde ein staatlich finanziertes Grundeinkommen in Deutschland Ausgaben von einer Billion Euro im Jahr erfordern, gleichzeitig könnten 850 Milliarden Euro an Sozialausgaben eingespart werden.

Warnung vor wachsender Ungleichheit

Laut Jutta Allmendinger ein, Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, werde ein Grundeinkommen zu einer wachsenden Ungleichheit führen. „Es gibt die Vorstellung ‚Gebt den Leuten Geld, dann sind sie zufrieden‘. Aber das stimmt nicht. Sie wollen arbeiten und an der Gesellschaft teilhaben“, sagt Allmendinger. Sie plädiert dafür, lieber in die Weiterbildung von Menschen zu investieren, und verweist auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Danach gehen bis 2025 in Deutschland durch die Digitalisierung 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren, genauso viele neue Stellen mit höheren Anforderungen würden gleichzeitig entstehen.

Das bedingungslose Grundeinkommen haben die Schweizer im Juni in einer Volksabstimmung mit 77 Prozent abgelehnt. Die Initiatoren hatten rund 2250 Euro im Monat empfohlen. In Finnland erhalten im kommenden Jahr 2000 zufällig ausgewählte Sozialhilfeempfänger 560 Euro als Grundeinkommen. Diese Summe entspricht dem Arbeitslosengeld. (Weiterlesen: Schweizer lehnen Grundeinkommen klar ab)


1 Kommentar