Nachhaltigkeits-Offensive gestartet Bauern wollen schlechtes Ansehen der Landwirtschaft verbessern

Blick in den Schweinestall: Der westfälisch-lippische Landwirtschaftsverband hat eine „Offensive Nachhaltigkeit“ gestartet. Dadurch soll auch die Akzeptanz der Tierhaltung gesteigert werden. Foto: dpaBlick in den Schweinestall: Der westfälisch-lippische Landwirtschaftsverband hat eine „Offensive Nachhaltigkeit“ gestartet. Dadurch soll auch die Akzeptanz der Tierhaltung gesteigert werden. Foto: dpa

Münster. Fleisch-Gürtel werden die Regionen Weser-Ems und Westfalen-Lippe manchmal auch genannt. Es sind die Landstriche mit der höchsten Viehdichte in Deutschland, vielleicht sogar in Europa. Nirgendwo stehen so viele Schweine, Masthähnchen und Kühe in Ställen wie hier. Und genau von hier aus soll jetzt die Akzeptanz der in die Kritik geratenen Landwirtschaft gestärkt werden. „Offensive Nachhaltigkeit“ haben die Verantwortlichen ihr Projekt getauft.

Ja, er rechne auch mit Widerstand in den eigenen Reihen, sagte Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) bei der Vorstellung am Montag in Münster. 40.000 angeschlossene Mitglieder will er in den kommenden Wochen überzeugen, gemeinsam mit ihrem Dachverband in die Offensive zu gesehen. „Wir müssen bereit sein, uns zu verändern“, so Röring.

Sehnsucht nach Akzeptanz

Es gebe in der Branche eine „große Sehnsucht“ nach gesellschaftlicher Akzeptanz. Die aber sei in weiten Teilen der Bevölkerung verloren gegangen und müsse zurückerkämpft werden. Nicht zuletzt, um den eigenen Berufsstand nicht abzuschaffen, so Röring, der im Hauptberuf für die CDU im Bundestag sitzt. Wer nämlich ein Problem sehe, aber nichts zu dessen Lösung beitrage, der werde selbst zum Teil des Problems.

In der Offensive sollen Kritikpunkte an der intensiven Tierhaltung angesprochen und möglichst behoben werden. Konkrete Projekte sind aus der jahrelangen Debatte um Art und Weise der Tierhaltung bekannt: Bis spätestens 2030 sollen Ferkel beispielsweise ihren Ringelschwanz behalten dürfen, der ihnen bislang routinemäßig abgeschnitten wird, um Kannibalismus im engen Maststall zu unterdrücken. (Weiterlesen: Agrarprofessorin: Missstände in Ställen nie ganz zu vermeiden)

Verzicht auf Enthornen

Bei Kälbern soll ebenfalls bis 2030 auf das Enthornen verzichtet werden. Dazu soll der Anteil an Rindern erhöht werden, die genetisch bedingt hornlos zur Welt kommen. Beim Thema Pflanzenbau gibt der Verband das Ziel sauberer Oberflächengewässer aus, die beispielsweise Nitratwerte nicht überschreiten. Und auch nach innen hin hat man sich einiges vorgenommen: Bis 2030 soll entgegen des allgemeinen Fachkräftemangels für jeden Hof ein qualifizierter Nachfolger parat stehen.

WLV-Vizepräsident Henner Braach sagte: „Unsere Glaubwürdigkeit wird davon abhängen, ob wir liefern.“ In den kommenden Wochen soll die Offensive den Mitgliedern in Workshops vorgestellt werden. Ob das nicht Berufskollegen in anderen Regionen, beispielsweise im Raum Weser-Ems, unter Druck setze? „Wenn wir auf den letzten warten wollen, würde nichts passieren“, verdeutlichte Braach den Tatendrang des WLV. Friedrich Ostendorff, Landwirt und agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte: „Es ist zu begrüßen, dass die gesellschaftliche Kritik aufgenommen wird. Besser spät als nie.“ Allerdings werde man am Ende dann auch überprüfen, ob die Absichtserklärungen umgesetzt worden seien.

Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) verwies auf die ihrer Ansicht nach teils langen Zeitfenster, die der WVL zur Erfüllung seiner Ziele anpeilt. AbL-Vizebundesvorsitzender Ottmar Ilchmann sagte, es sei fraglich ob Staat und Handel den Landwirten so viel Zeit ließen oder nicht vorher Anforderungen per Gesetz oder Lieferbedingungen diktiert würden. Gänzlich ausgeklammert werde in der Offensive zudem die Frage nach der Größe landwirtschaftlicher Betriebe. Dabei hätten Tieranlagen ab einer bestimmten Größe schlichtweg keine Chance mehr auf eine gesellschaftliche Akzeptanz, so Ilchmann.

Feste Ziele und Vorgaben hat das Landvolk Niedersachsen nicht. Eine Sprecherin verweist darauf, dass 2015 Nachhaltigkeitskriterien erarbeitet worden seien, auf die Landwirte zurückgreifen könnten.

Die Ziele des WLV sind auf der Verbandsinternetseite nachzulesen. (hier klicken)


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