Neue Halle, 500 neue Stellen Coppenrath & Wiese investiert Millionen in Mettingen

Gute Stimmung herrscht bei Coppenrath & Wiese-Geschäftsführer Andreas Wallmeier – ein Jahr nach der Übernahme durch Dr. Oetker. Foto: Michael GründelGute Stimmung herrscht bei Coppenrath & Wiese-Geschäftsführer Andreas Wallmeier – ein Jahr nach der Übernahme durch Dr. Oetker. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Bei Coppenrath & Wiese stehen die Zeichen auf massivem Wachstum. Gut ein Jahr nach der Übernahme durch Dr. Oetker vermeldet der Osnabrücker Tortenbäcker ein Plus beim Umsatz und der Zahl der Mitarbeiter. Zugleich kündigt das Unternehmen neue Investitionen im Millionenbereich an.

Innerhalb der kommenden vier Jahre will Coppenrath & Wiese am Hauptstandort Mettingen etwa 500 neue Mitarbeiter einstellen. Zudem soll dort bis 2019 eine dritte Produktionshalle für die Tiefkühl-Erzeugnisse der Großkonditorei entstehen. Geschäftsführer Andreas Wallmeier sprach am Vormittag von einem Bauvolumen von 60 bis 80 Millionen Euro – die Kosten für neue Maschinen noch nicht eingerechnet.

Als Hauptgrund nannten Wallmeier und sein von Dr. Oetker gekommener Ko-Geschäftsführer Peter Schmidt den starken Ausbau des internationalen Geschäfts – bedingt durch die Türen, die der neue Mutterkonzern dem Unternehmen öffne. In Italien, Spanien und Belgien gibt es Torten und Desserts aus Mettingen bereits seit einigen Monaten zu kaufen – allerdings unter dem dort eingeführten Markennamen Dr. Oetker.

Torten für den hohen Norden

Für Mitte des nächsten Jahres peile Coppenrath & Wiese die Expansion nach Dänemark und Finnland an, so Schmidt. Und damit soll noch nicht das Ende erreicht sein: „Derzeit denken wir über Kanada und Osteuropa nach.“ Segen wie Fluch in diesen Ländern: Eine „Kaffee-und-Kuchen-Kultur“ wie in Deutschland gibt es dort kaum. Das heißt: wenige Mitbewerber – aber auch eine Nachfrage, die erst einmal geweckt werden muss.

Anders sieht es in Großbritannien aus, wo Coppenrath & Wiese seit Jahren Marktführer ist und etwa 20 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. Die brandneue, 16 Millionen Euro teure Produktionslinie, auf der eigens für die Insel entwickelte Neuigkeiten wie Pies und Tarts hergestellt werden, ist gerade angelaufen. Allein hierfür, so Wallmeier, habe man in Mettingen rund 130 neue Kräfte eingestellt.

Mit der neuen Tochter auf kräftigem Wachstumskurs: Konzernchef Richard Oetker – hier im Februar 2016 bei der Betriebsversammlung von Coppenrath & Wiese. Foto: David Ebener

400 Millionen Euro Umsatz angepeilt

Für den Gesamtumsatz des Unternehmens, der 2015 bei 389 Millionen Euro lag, erwartet Wallmeier zum Ende dieses Geschäftsjahres eine Steigerung auf über 400 Millionen Euro. Auch die Zahl der Mitarbeiter sei stärker als erwartet angewachsen – auf derzeit 2350. Falls die Eroberung der internationalen Märkte läuft wie geplant, rechnen die Geschäftsführer mittelfristig mit einem Umsatzplus von 20 Prozent.

Produziert werden soll aber weiterhin ausschließlich in Mettingen, so Wallmeier: „Wir haben hier alles, was wir brauchen.“ Mit Fertigstellung der dritten Halle werde sich die Produktionskapazität für Sahnetorten verdoppeln, die für Tiefkühlbrötchen (derzeitiger Ausstoß: 3,3 Millionen Stück pro Tag) ebenfalls stark zulegen. Letzteres übrigens ein Segment, in dem Mutterkonzern Dr. Oetker noch enormes Wachstumspotenzial sieht.

Osnabrück wird Logistik-Zentrum

Auch der zweite Standort von Coppenrath & Wiese in Osnabrück-Atter werde vom starken Expansionskurs profitieren, versicherte der Geschäftsführer. Zwar zieht die Hauptverwaltung kommendes Jahr nach Mettingen um. Als reiner Logistik-Standort – mit dem zentralen Tiefkühllager und der hauseigenen Spedition Overnight sowie externen Dienstleistungen – solle Atter aber weiter wachsen: So sei der langfristige Vertrag mit dem Ankermieter, der Spedition RTS, jüngst verlängert worden. Und auch mit dem Tiefkühlkost-Anbieter Apetito aus Rheine werde man weiter zusammenarbeiten.

Bald neue Firmenadresse?

Dass der Hauptsitz des Unternehmens auf Dauer offiziell in Osnabrück bleibt, ist dagegen zumindest zweifelhaft. „Eigentlich müssten wir auch rechtlich nach Mettingen umziehen“, sagte Wallmeier. Schmerzhaft für Osnabrück: Dann würden nicht nur die rund 70 Mitarbeiter der Verwaltung, sondern auch das Gewerbesteuer-Aufkommen über die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen wechseln.

Die Zusammenarbeit mit dem Bielefelder Eigentümer lobte Wallmeier in den höchsten Tönen. Dr. Oetker habe dem Unternehmen einen hohen Grad an Selbstständigkeit erhalten und zugleich neue Chancen in neuen Märkten eröffnet. Auch wenn Wallmeier einräumte, der Mittelständler und der Weltkonzern hätten ein gutes Jahr gebraucht, um sich zu verstehen: „Jetzt haben wir das Szenario, das wir uns für die Firma immer gewünscht haben.“


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