800 Millionen Euro für neues Werk VW-Signale in Polen stehen auf Wachstum

Von Uwe Westdörp | 04.07.2014, 19:21 Uhr

26 Hochschulen, 8000 wissenschaftliche Mitarbeiter, 130000 Studenten: Die polnische Metropole Posen an der Warthe ist ein Magnet für junge Leute, die etwas lernen und werden wollen – und für Unternehmen, die gut ausgebildete Fachkräfte suchen.

Auch deutsche Produzenten haben das erkannt, allen voran Volkswagen. Während andere VW-Standorte wie Osnabrück gerade Auslastungssorgen haben, stehen die Signale in der boomenden Region Großpolen auf Wachstum.

Seit 1993 gibt es das VW-Werk Poznan, zunächst als Joint Venture mit dem polnischen Automobilhersteller Tarpan, seit 1996 als hundertprozentige Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns. „Es ist ein Musterbeispiel für exzellente industrielle Zusammenarbeit“, so Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der die Region gerade in seiner Eigenschaft als amtierender Bundesratspräsident besucht. Ebenso sieht das der Volkswagen-Konzern, der natürlich auch wegen vergleichsweise niedriger Lohnkosten in Polen investiert. Er hat im Mai in Wrzesnia ungefähr 50 Kilometer östlich von Posen das Gelände für ein neues Werk erworben. Auf den 220 Hektar großen Flächen arbeiten bereits Bagger und Planierraupen.

Im September 2016 sollen in Wrzesnia die ersten Autos vom Band rollen: die Nachfolger des Transporters Crafter, der bisher in den Fabrikhallen von Daimler in Ludwigsfelde und in Düsseldorf produziert wird. Der Crafter ist baugleich mit dem Sprinter von Mercedes-Benz. 2016 läuft die langjährige Partnerschaft aus und wird von VW-Seite nicht verlängert. Davon profitiert nun Polen. In Wrzesnia entstehen 2300 neue Arbeitsplätze. VW investiert 800 Millionen Euro in das neue Werk.

Gute Ausbildung

Der Großraum Posen mit seinen 880000 Einwohnern rückt damit endgültig zum großen VW-Standort auf: 6800 Beschäftigte fertigten hier im vergangenen Jahr 170875 Leichttransporter vom Typ T5 und Caddy. Außerdem wurden 3,8 Millionen Gussteile produziert, unter anderem Saugrohre und Zylinderköpfe.

Eckhard Scholz, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge, ist voll des Lobes für die polnische Belegschaft und die gute Ausbildung in der Region. 50 Prozent der Beschäftigten im Werk Poznan haben nach seinen Angaben eine technische Ausbildung, mit drei Universitäten, darunter die aufstrebende Technische Hochschule, pflegt Volkswagen Kooperationen.

Seit dem September 2013 wird auch ein duales Studium angeboten, also eine Kombination aus betrieblicher und universitärer Ausbildung. „Studenten aus Deutschland werden hier gerne aufgenommen und auf hohem Niveau ausgebildet“, so eine Sprecherin der Technischen Hochschule, die auch mit weiteren großen Unternehmen eng zusammenarbeitet, ebenso wie mit der Leibniz-Universität in Hannover und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften (u. a, Wolfsburg und Salzgitter).

Auch die weiteren Aussichten sind nach Einschätzung von Weil gut. Er warb in Warschau im Gespräch mit Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski für eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit : „Es gibt gute Perspektiven, nicht nur im Automobilbau, sondern auch in der Ernährungswirtschaft, der Logistik und der maritimen Wirtschaft“, sagte Weil auch mit Blick auf den bisher wenig ausgelasteten Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Polen hat drei Seehäfen: Stettin, Danzig und Gdingen. Trotzdem werden 30 Prozent des Imports durch die westeuropäischen Häfen abgefertigt. In Branchenkreisen kursiert deshalb ein Witz: „Wie heißt der größte polnische Hafen? Antwort: Hamburg.“