Kritik am EKD-Ratsvorsitzenden Mehr Feiertage? Kirche und Arbeitgeber im Clinch

Will mehr „Freiraum für das Miteinander“: Niedersachsens Arbeitgeber sind empört über die Feiertagsforderung des EKD-Chefs Bedford-Strohm. Foto: epdWill mehr „Freiraum für das Miteinander“: Niedersachsens Arbeitgeber sind empört über die Feiertagsforderung des EKD-Chefs Bedford-Strohm. Foto: epd

Osnabrück. „Nicht von dieser Welt“: Mit scharfer Kritik haben die niedersächsischen Arbeitgeber die Forderung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach zwei zusätzlichen Feiertagen zurückgewiesen. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes NiedersachsenMetall, sagte angesichts eines entsprechenden Aufrufs des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm: „Mit Verlaub: diese Forderung ist nicht von dieser Welt. Sie passt nicht in die Zeit.“

Kirche und Arbeitgeber liegen im Clinch. Deutschland befinde sich bereits heute weltweit unter den Länder mit den kürzesten Arbeitszeiten, den meisten Feiertagen, den meisten Urlaubstagen und dem größten Fachkräfteengpass. „Ein zusätzlicher Feiertag würde allein die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie über 80 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen gerade hier im Norden die großen Probleme unserer Firmen, noch qualifizierte Fachkräfte zu finden.“ Aufträge würden schließlich nicht von selbst abgearbeitet, sagte der Spitzenvertreter des größten norddeutschen Arbeitgeberverbandes.

Im Übrigen sei ihm völlig schleierhaft, wie ein oder zwei zusätzliche Feiertage den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken sollen. „Wir stehen doch derzeit vor ganz anderen gesellschaftlichen Herausforderungen“, erinnerte Schmidt: „Ich denke da nur an die Integration der Millionen nach Deutschland geflüchteten Menschen in unsere Gesellschaft - und eben auch in unsere Wirtschaft.“

Bedford-Strohm hatte zuvor in einem Interview mit der Funke-Gruppe gesagt, „sowohl der Reformationstag als auch der Buß- und Bettag sind Tage, an denen ein Land zur Besinnung kommen kann“. Mindestens einen, besser beide Tage zum dauerhaften und arbeitsfreien Feiertag zu machen, würde Deutschland gut tun. „Es wäre ein tolles Zeichen, wenn die Politik einmal nicht allein für die Ökonomie, sondern für das Miteinander der Menschen neuen Freiraum schaffen könnte“, so Bedford-Strohm.

Der Buß- und Bettag war bis 1994 bundesweiter gesetzlicher Feiertag. Mit dem Jahr 1995 wurde er gestrichen. Der Tag Mehrarbeit sollte die Belastung der Arbeitgeber durch die neue Pflegeversicherung ausgleichen. Bedford-Strohm nannte dies nun „kurzsichtig“.


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