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25.09.2016, 17:00 Uhr KOMMENTAR

VW-Abgasaffäre: Das Schweigen der Männer

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Als die Abgasmanipulationen bei VW ans Licht kamen, war er Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG:  Martin Winterkorn. Die Frage, was der Manager wann von den Tricksereien wusste, ist weiter ungelöst. Foto: dpaAls die Abgasmanipulationen bei VW ans Licht kamen, war er Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG: Martin Winterkorn. Die Frage, was der Manager wann von den Tricksereien wusste, ist weiter ungelöst. Foto: dpa

Osnabrück. Was wusste Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wann über die Abgasmanipulationen in seinem Konzern? Diese Frage ist eine der vielen ungelösten des Skandals. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen Winterkorn. Aber ist es wirklich so wichtig, was er wann wusste?

Im Schwäbischen würde man sagen: Das hat ein Geschmäckle. In der Tat scheint es verwunderlich, dass ausgerechnet Martin Winterkorn, ehemaliger VW-Chef und erwiesener Autotechnik-Experte, nichts von den Manipulationen in seinem Konzern gewusst haben soll. Doch Belege dafür, dass er persönlich darin verstrickt war, fehlen. Auch das jetzt bekannt gewordene Dokument, nach dem Winterkorn die Vertuschung der Tricksereien gebilligt haben könnte, bietet Hinweise, aber keinen Beweis. Und Winterkorn selbst, der alles aufklären könnte, hält sich bedeckt. Schließlich gilt auch für noch so verdächtig wirkende Topmanager die Unschuldsvermutung.

Die Winterkorn-Taktik ist symptomatisch für die ganze schmutzige VW-Affäre: Statt zur Aufklärung beizutragen, schweigen die Männer der Top-Etage. Zugegeben wird nur das, was schon bewiesen ist. Angesichts der größten Krise der Konzerngeschichte ist diese Salamitaktik jedoch unwürdig. Und eine Frechheit: denen gegenüber, die zur Aufklärung beitragen wollen, gegenüber der Belegschaft, die um ihre Jobs fürchtet, und gegenüber enttäuschten Kunden in aller Welt.

Klar ist: Volkswagen hat millionenfach manipuliert und betrogen. Branchenkenner fürchten, dass der Skandal den Konzern existenziell gefährdet. Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe stehen im Raum. Die Verantwortlichen des Skandals wären daher gut beraten, ihr Schweigen zu brechen. Wegducken löst nicht das Problem, sondern macht es nur schlimmer.


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