Überfüllt, verletzt, tot Drastisch mehr Verstöße bei Tiertransporten



Osnabrück. Wie schlecht werden Nutztiere auf ihrem Weg zum Schlachthof behandelt? Die Zahl der amtlich festgestellten Verstöße ist stark gestiegen. Überladung, Verletzungen und selbst tote Tiere werden auf den Ladeflächen festgestellt.

Ein Kontrolltag Ende August im Landkreis Cloppenburg. Täglich sind in der Region zahllose Tiertransporte unterwegs. Sie holen Schweine aus Ställen ab oder sind auf dem Weg zu einem der Schlachthöfe der Region. Polizei und Veterinäramt ziehen einige Lkw aus dem Verkehr, die Bilanz: bei 28 gestoppten Tiertransporten gab es in 20 Fällen Grund zur Beanstandung. Achtmal seien zu viele Tiere an Bord gewesen, in zwei Fällen verletzte und in einem ein totes Schwein festgestellt worden.

„Sie lagen röchelnd am Boden“

Fast zur selben Zeit kontrolliert die Polizei in Sachsen an einer Autobahn. Auch hier treffen die Kontrolleure auf teils gravierende Missstände: Schwer verletzte Kühe, die eingeschläfert werden müssen. Ein totes Rind. Und Tiere, die vor dem Transport zum Schlachthof nicht mehr gemolken wurden. Bei insgesamt 14 kontrollierten Transporten sind am Ende 22 Bußgeldanzeigen wegen unterschiedlicher Verstöße geschrieben worden.

Erst wenige Wochen zuvor hatten die Beamten auf derselben Autobahn Viehtransporter gestoppt. Der Transport war nicht nur überladen, zudem waren trotz des sommerlichen Wetters die Lüftung abgestellt und Luftschlitze geschlossen. „Mehrere auf der Ladefläche befindliche Tiere lagen zum Zeitpunkt der Kontrolle bereits röchelnd am Boden“, heißt es im Polizeibericht.

Drastisch mehr Verstöße

Sind solche Missstände die Ausnahme? Die Grünen im Bundestag haben die jährlichen Meldungen der Bundesregierung hinsichtlich Transportkontrollen ausgewertet. Demnach nahm die Zahl der festgestellten Verstöße von 2014 auf 2015 bei Rindern um 312 und bei Schweinen um 230 Prozent zu – und das obwohl deutlich weniger Schweinetransporte kontrolliert wurden. Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sagt: „Das zeigt, dass wir uns mehr anstrengen müssen, um die Tiere auf ihrem letzten Weg zu schützen.“

Verena Schütz vom Raiffeisenverband verweist darauf, dass ein großer Teil der festgestellten Verstöße nichts mit dem Tierschutz zu tun gehabt habe. So hätten Fahrer in vielen Fällen etwa Fahrtzeiten nicht ordnungsgemäß dokumentiert. Schütz räumt aber auch ein: „Wie in jedem Beruf gibt es auch hier Menschen, die mehr oder weniger gut mit ihrer Verantwortung umgehen können.“ Verstöße wie die in Sachsen oder Cloppenburg seien in keinster Weise zu tolerieren. Schütz betont aber auch, dass im Vergleich zu der Gesamtzahl der Transporte die festgestellten Probleme hinsichtlich Tierschutz „minimal“ seien.

Rangkämpfe unter Schweinen

Wie kann es überhaupt passieren, dass Tiere während des Transports sterben? Bei dem toten Schwein, das die Behörden in Cloppenburg fanden, geht das Veterinäramt von einem Kreislaufversagen aus. Schlechte Luft, hohe Temperaturen und der hohe Stressfaktor könnten dazu führen, dass vereinzelt Tiere auf Transporten verenden. Zudem könne es zu Verletzungen infolge von Rangordnungskämpfen auf der Ladefläche kommen. Hier würden häufig Schweine aus verschiedenen Betrieben untergebracht, das sorge für zusätzlichen Stress.

Dass Tiere dicht gedrängt in den Transportern stünden, sei aber nicht zwangsläufig ein Tierschutzverstoß, sagt Verena Schütz. Es sei sogar vorgeschrieben. „Durch die Enge wird verhindert, dass Tiere während des Transportes stürzen und sich verletzen.“

Bereits 2013 hat der „Deutsche Raiffeisenverband“ eine Art Gegenoffensive zum schlechten Image der Viehtransporteure gestartet. Unter dem Titel „Wir transportieren Tierschutz“ soll die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Bedingungen von Tiertransporten aufgeklärt werden.

In einem Imagefilm wird gezeigt, wie Tiere eigentlich rechtskonform transportiert werden sollten. (Weiterlesen: Ein Tiertransporteur aus dem Osnabrücker Land )



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