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08.09.2016, 17:52 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Ministerin plant neues Öko-Etikett: Traumtänzerin

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Umweltministerin Barbara Hendricks will Lebensmitteln ein Etikett verpassen, auf dem steht, wie umweltschädlich diese sind. Symbolfoto: David EbenerUmweltministerin Barbara Hendricks will Lebensmitteln ein Etikett verpassen, auf dem steht, wie umweltschädlich diese sind. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück. Ein zweites Preisschild, das an Lebensmitteln oder Elektrogeräten zeigt, wie umweltschädlich das Produkt ist? Welch eine gute Idee, die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in ihr Umweltprogramm 2030 aufgenommen hat. Doch an der Umsetzung könnte dieser Vorstoß allzuleicht scheitern.

Ministerin Barbara Hendricks ist eine erstaunliche Frau: Obwohl die SPD-Politikerin immer wieder abgekanzelt wird, gibt sie nicht auf. Am Dienstag musste sie mit ansehen, wie ihre ambitionierten Klimaschutzforderungen zu einem Nichts zerstoben. Doch statt sich waidwund zurückzuziehen legt sie nach. Allerdings lauern auch in ihrem Umweltprogramm 2030 Fußangeln.

Zum Beispiel das Öko-Etikett, mit dem Lebensmittel und Elektrogeräte ausgezeichnet werden sollen, die schädliche oder unter zweifelhaften Bedingungen hergestellte Stoffe enthalten. Das Label ist ein Paradebeispiel für Hendricks wenig erfolgreichen Stil: An erster Stelle steht eine meist lobenswerte Erkenntnis – in diesem Fall die, dass der Verbraucher es wissen muss, sollte er mit dem Kauf eines Telefons oder Steaks die Umwelt schädigen. Leider scheitert die Ministerin stets an der Umsetzung ihrer Ideen. Auch das Öko-Label wird es so nie geben.

Schon deswegen nicht, weil es keinen Kriterienkatalog gibt. Ist nur Rindfleisch aus Massentierhaltung ein Klimakiller? Oder Rindfleisch im Allgemeinen? Schließlich schädigen auch Bio-Rinder die Atmosphäre, wenn es zu viele von ihnen gibt und für ihre Weiden Wälder gerodet wurden. Ähnlich knifflig wird es bei Elektrogeräten: Stammen deren Rohstoffe aus Minen, in denen Kinder schuften? Oder aus Werken, die korrekt arbeiten? Wer prüft das? Wir reden hier von Millionen von Einzelteilen. Nein, die Idee wird ein Traum bleiben.

Ebenso diese: Der Ministerin schwebt es vor, über Ressortgrenzen hinweg Gesetze vorzuschlagen. So möchte sie etwa Infrastrukturprojekte – eigentlich Sache des Verkehrsministers – auf Umweltstandards hin prüfen. Klingt sinnvoll? Im Prinzip ja. Allerdings werden Hendricks Ministerkollegen wohl auch diesen Vorschlag zu Kleinholz verarbeiten.

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