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30.08.2016, 15:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Unbewegte Konten: Wo die Milliarden schlummern

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Wenn sich im Nachlass Bargeld oder ein Kontobuch findet, ist die Sache klar. Wenn aber der Verstorbene ein gefülltes Konto hatte, ohne dass die Erben davon ahnen, wird es knifflig. NRW-Minister Walter-Borjans will diese sogenannten unbewegten Konten künftig in einer Datenbank auflisten. Foto: dpaWenn sich im Nachlass Bargeld oder ein Kontobuch findet, ist die Sache klar. Wenn aber der Verstorbene ein gefülltes Konto hatte, ohne dass die Erben davon ahnen, wird es knifflig. NRW-Minister Walter-Borjans will diese sogenannten unbewegten Konten künftig in einer Datenbank auflisten. Foto: dpa

Osnabrück. NRW-Minister Norbert Walter-Borjans (SPD) will Erben helfen. Seine Idee: Banken sollen künftig Konten von Verstorbenen in einer Datenbank auflisten, damit Erben, die vielfach gar nichts von ihrem Glück ahnen, leichter an ihr Geld kommen. Ein guter Vorschlag, der allerdings nicht selbstlos ist. Und Gegenwind gibt es auch.

Es ist ein schöner Batzen Geld: Schätzungsweise zwei Milliarden Euro ruhen derzeit in Deutschland auf sogenannten unbewegten Konten. Meist gehören sie Verstorbenen, deren Erben nichts von dem Guthaben ahnen. Auf den ersten Blick wirkt der Vorschlag von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, diesen Menschen zu helfen, an ihr Vermögen zu kommen, geradezu selbstlos. Ist er aber nicht. Schließlich verdienen die Länder an jeder ausgezahlten Erbschaft kräftig mit, denn die Erbschaftssteuer ist eine Ländersteuer. Und was Walter-Borjans ebenfalls nicht so gern in den Vordergrund gerückt sehen will: Sollte bei einem herrenlosen Konto kein Erbe ermittelt werden können, fällt das Geld komplett der Länderkasse zu. Ihm gehe es nicht um ein Plus im Säckel, sondern um die Beseitigung eines Missstands, beteuert der Minister – und spricht damit aber nur die halbe Wahrheit aus.

Die Idee, dass die Banken solche Konten in einer Datenbank auflisten, ist dennoch sinnvoll. Allerdings auch nicht neu: Mehrere EU-Länder haben ähnliche Meldesysteme bereits eingerichtet, Deutschland hinkt also hinterher. Dabei wird es Zeit, aktiv zu werden. Experten erwarten, dass sich das Problem ausweitet. Noch tauchen im Nachlass Verstorbener unerwartet Kontobücher auf. Im Zeitalter von Online-Banking aber werden solche handfesten Hinweise auf ein gefülltes Konto seltener. Ein transparentes Meldesystem könnte hier wertvolle Hilfe leisten.

Die Umsetzung allerdings müssen die Länderminister gemeinsam angehen. Denn die Bankenlobby, die den Vorstoß aus NRW ablehnt und die Vermögen weiterhin „für den Kunden“ erhalten will, ist ein mächtiger Gegner.


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