Schlachter-Fehde eskaliert weiter Tönnies-Streit: Pläne für Wurstfabrik in Meppen gescheitert


Osnabrück. Der Streit innerhalb der Familie Tönnies eskaliert immer weiter. Zwischen die Fronten der Schlachterfehde ist jetzt eine Wurstfabrik in Meppen geraten. Für 130 Arbeitnehmer stellt sich die Frage, ob der Familienzwist sie die Jobs kostet.

Schon im April wurde gemunkelt, was dieser Deal denn wohl solle: Überraschend kaufte Maximilian Tönnies, Sohn von Schalke-Boss und Schlachtergröße Clemens, eine Wurstfabrik im Emsland. Die Molkerei Hochwald wollte den Standort in Meppen loswerden und war nach längerer Suche fündig geworden. Maximilian Tönnies, selbst im Wurstgeschäft tätig, schlug zu. Die Zukunft des Standortes schien gesichert, die 130 Jobs zumindest zum großen Teil auch. (Weiterlesen: Tönnies-Junior kauft Hochwald-Wurstfabrik in Meppen)

Doch spätestens mit einer Veröffentlichung in der „Wirtschaftswoche“ vom Freitag sind die ruhigen Zeiten in der Wurstfabrik vorbei. In dem Artikel konnten nicht nur die Mitarbeiter in Meppen, sondern auch Clemens Tönnies und sein Sohn nachlesen, dass Neffe und Tönnies-Mitgesellschafter Robert Pläne zur Weiterentwicklung des Standorts ablehnt.

Tiernahrung statt Brühwürstchen

Angedacht war wohl, dass Maximilian Tönnies den Standort Meppen an die Tönnies-Gruppe weiterverkauft und diese eine Produktion für Tiernahrung aufzieht. Wie und warum es dann scheiterte, darüber gehen die Meinungen der beiden Parteien auseinander. Beide argwöhnen, der eine wolle dem jeweils anderen schaden und habe nicht das Gesamtwohl des Unternehmens im Blick. (Weiterlesen: Doppeltes Stimmrecht von Clemens Tönnies ist Geschichte)

Jedenfalls sind die Pläne Geschichte. Und wie geht es jetzt in Meppen weiter, wo sich das Wurstgeschäft angeblich nicht lohnt? „Es ist eine sehr, sehr gute Option weggefallen, den Standort weiterzuentwickeln. Das ist natürlich keine gute Nachricht für die Mitarbeiter“, sagte ein Sprecher von Clemens und Maximilian Tönnies. Unmittelbare Auswirkungen auf die Belegschaft werde das aber nicht haben.

Der Streit geht weiter

Quasi über deren Köpfe hinweg geht die Familienfehde bei Tönnies weiter: Auf der einen Seite Clemens und Sohn Maximilian, die außerhalb des Tönnies-Konzerns ein riesiges Wurst-Imperium mit der Zur-Mühlen- und der Nölke-Gruppe aufgebaut haben. Produktionsstandorte gibt es in Dissen, Delmenhorst und Versmold. Auf der anderen Seite Neffe Robert, der als Mitgesellschafter des Tönnies-Schlachtkonzerns Entscheidungen blockieren kann und vor Gericht gegen seinen Onkel Clemens um die Vormachtstellung kämpft. Beide halten jeweils 50 Prozent an Deutschlands größtem Fleischkonzern mit Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück und weiteren Standorten, etwa in Sögel im Landkreis Emsland. (Weiterlesen: Weidemark in Sögel: Aufstockung laut Tönnies denkbar)

Die Mitarbeiter in Meppen sind jetzt zwischen die Fronten des Familienstreits geraten. Dessen Ausgang ist ebenso offen, wie allem Anschein nach auch die Zukunft der Wurstfabrik. (Weiterlesen: Tönnies: Umsatz stagniert, Schlachtzahlen gesteigert)


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