Neuer Mann an der Spitze Logistiker Hellmann soll profitabler werden

Von Christian Schaudwet


Osnabrück. Die Gesellschafter der Osnabrücker Logistikgruppe Hellmann setzen den früheren Roland-Berger-Partner Thomas Knecht an die Unternehmensspitze. Knecht widerspricht negativer Presseberichterstattung über das Unternehmen.

Kollegin „Susana1179“ hat beim EM-Tippspiel ihres Arbeitgebers ein Wochenende in Paris gewonnen, „Gandalf 15“ ein Picknickkorb-Set und „MerryT“ einen Kugelgrill. Hellmanns Website verrät auch, dass das Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle und reichlich Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Es entwickelt für seine 12500 Beschäftigten ein globales Gesundheitskonzept, das bis zur Ausbildung betriebsinterner Suchtkrankenhelfer reicht. Viele Details zeigen: Hellmann Worldwide Logistics kümmert sich um seine Leute – damit sie mitgehen auf dem „Way forward“ (Weg nach vorn), den das Management ausgerufen hat.

Doch wie sieht die wirtschaftliche Situation des Unternehmens aus? Hellmann lebe „von der Substanz“, schrieb kürzlich das „Manager Magazin“, sei zuletzt immer wieder in die roten Zahlen gerutscht und habe deshalb Ende 2015 mit einer umfassenden Sanierung begonnen. Das „Manager Magazin“ weiter: Die Eigentümer Klaus Hellmann (67) und Jost Hellmann (63) seien „sich spinnefeind“, fuhr das Magazin fort. Der Zwist habe zu „Lagerdenken“ geführt, was sich im schwieriger gewordenen Frachtgeschäft nun räche.

Geschäftsbereiche sollen neu strukturiert werden

Falls an den Thesen etwas dran ist, könnte der im Juli verkündete Führungswechsel in anderem Licht erscheinen. Da beriefen die Gesellschafter Klaus und Jost Hellmann den früheren Roland-Berger-Partner Thomas Knecht (42) zum Vorsitzenden der Geschäftsführung und kommentierten, „nach 40 Jahren der aktiven und erfolgreichen Zusammenarbeit“ sei es an der Zeit, „ein jüngeres Managementteam einzuführen und die Leitung zu übergeben“.

In der Unternehmensmitteilung zum Führungswechsel ist zu lesen, man habe sich neu aufgestellt, um die Geschäftsbereiche Luft- und Seefracht, Landverkehre und Kontraktlogistik neu zu strukturieren, die Kunden- und Lieferprozesse zu verbessern und das Ergebnis nachhaltig zu steigern.

Das „Manager Magazin“ will als Symptom für den Handlungsbedarf „Schulden von mehreren Hundert Millionen Euro“ ausgemacht haben. Die Hellmann-Gruppe habe mehrmals Covenants – Kreditbedingungen – der Banken nicht erfüllt. Anfang 2016 sei die bestehende Finanzierung durch eine mit günstigeren Konditionen abgelöst worden.

Neue Bankenfinanzierung

Der neue Mann an der Hellmann-Spitze widerspricht vielen Darstellungen des Magazins mit Nachdruck. Das Geschäftsmodell sei „in bester Ordnung“, sagt Thomas Knecht auf Anfrage unserer Redaktion. Bei der entscheidenden Kennzahl, dem „Gross Profit“ (Rohertrag) etwa, habe Hellmann zugelegt – auch wenn man beim Nachsteuerergebnis derzeit „Herausforderungen“ sehe. Dass in der Vergangenheit Covenants gerissen wurden, räumt er ein. Mit einer neuen Bar-Linie von deutlich weniger als hundert Millionen Euro werde Hellmann sich aber „planungskonform entwickeln“, so Knecht. Die neue Finanzierung stehe auf dem Konzept für die Neuausrichtung und solle ein Umsatzwachstum von mehreren Hundert Millionen Euro ermöglichen.

Die Aussage, Klaus und Jost Hellmann seien zerstritten, weist Knecht zurück: „So einen Global Player schafft man nicht, wenn man sich ‚spinnefeind‘ ist.“ Die beiden Gesellschafter hätten gerade Einigkeit bei der Neuaufstellung gezeigt. „Das dokumentiert doch, dass beide sehr stark im Interesse der Gesellschaft arbeiten und an einer erfolgreichen Übergabe an die nächste Generation Hellmann höchst interessiert sind.“

„We agree to disagree“

Meinungsverschiedenheiten, so lässt sich Knechts Antwort auf die Nachfrage unserer Redaktion deuten, könnte es zwischen den Vettern aber durchaus geben. Beide hätten es mit sehr unterschiedlichen Zielvorgaben zu tun – Klaus Hellmann in Osnabrück im Bereich „Truck & Rail“, Jost Hellmann in Hamburg bei „Air & Sea“. Da seien schon mal unterschiedliche Auffassungen über Zielrichtungen möglich, was sich, so Knecht, mit der Redewendung „we agree to disagree“ –wir sind uns einig, uneins zu sein – umschreiben lasse. „Wachstum kann doch nur durch Reibung entstehen“, resümiert Knecht.

Das Osnabrücker Vorzeigeunternehmen machte in den vergangenen Jahren meist mit Erfolgsmeldungen von sich reden: Hellmann eröffnete Standort um Standort, ließ Frachtzüge zwischen Deutschland und China pendeln und ist in seinem Hauptquartier im Osnabrücker Hafen Vorreiter bei moderner Bürogestaltung.

Knecht: Gesellschafter weiter operativ

Anfang 2015 aber kratzten Probleme bei der Bekleidungsgesellschaft der Bundeswehr (LHBw) am Erfolgsimage des 1871 gegründeten Familienunternehmens. Hellmann und das amerikanische Textilunternehmen Lion waren damals zu jeweils 37 Prozent an dem Kleidungslieferanten beteiligt. Als der Uniformenbedarf der Bundeswehr nach dem Ende der Wehrpflicht drastisch sank, geriet das Unternehmen ins Trudeln. Der von Hellmann gestellte LHBw-Aufsichtsratschef Karl Engelhard bestritt damals, dass LHBw der Bankrott drohe, räumte aber ein: „Im Drittgeschäft ist es definitiv zu Managementfehlern gekommen.“ Der Auslandsgeschäftszweig der LHBw war defizitär. „Bild am Sonntag“ berichtete von 12,8 Millionen Euro Verlust im Jahr 2014. Vor einem Jahr übernahm der Bund LHBw dann wieder komplett.

Knecht sagt heute, dem Bund hätten die Jahre der LHBw in öffentlich-privater Hand einen Wirtschaftlichkeitsvorteil von 400 Millionen Euro verschafft. Ob künftig noch in Konstrukten gemeinsam mit dem Staat oder nicht – Hellmann soll wachsen, sich besser aufstellen und sein Ergebnis dauerhaft steigern. Laut Knecht auch weiterhin mit Klaus und Jost Hellmann operativ in der Geschäftsführung.

Dieser Bericht erscheint auch in „Die Wirtschaft“.Die NOZ-Wirtschaftszeitung ist ab dem 25. August im Presseeinzelhandel erhältlich , ab dem 27. August auch in der App nozPlus.