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21.08.2016, 18:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Zoff mit VW-Zulieferern: VW ist in der Pflicht

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Bis Samstag unterbricht VW in Wolfsburg die Produktion des Topmodells Golf. Wichtige Bauteile fehlen. Foto: AFPBis Samstag unterbricht VW in Wolfsburg die Produktion des Topmodells Golf. Wichtige Bauteile fehlen. Foto: AFP

Osnabrück. Der Konflikt zwischen Volkswagen und zwei Zulieferern wird zum ernsthaften Problem für Europas größten Autobauer: Ab diesen Montag steht in Wolfsburg die Golf-Produktion still, Tausende müssen in Kurzarbeit. Die Kosten dürften in die Millionen gehen. Eine Lösung muss her, und zwar schnell.

Sind wir im Kindergarten? Wäre die Lage bei VW nicht so ernst, könnte man es fast glauben. 20000 Mitarbeiter sind als Folge des Streits mit den Zulieferern von Kurzarbeit betroffen. Angesichts dessen muss sich das Management in Wolfsburg fragen lassen, weshalb nicht auch am Wochenende Gespräche mit den erzürnten Partnern stattfanden. In nahezu jeder Tarifrunde wird Tag und Nacht verhandelt, um rasch eine Lösung zu finden. Durch Abwarten bekommt man die Kuh kaum vom Eis.

Dabei geht es um Millionen: Zum einen wird VW der Produktionsstopp teuer zu stehen kommen. Hier zählt jeder Tag. Zudem verlangt ein Zulieferer, Car Trim aus Sachsen, von VW offenbar einen zweistelligen Millionenbetrag. Um Kosten zu senken, hatte der Konzern eine Kooperation gekündigt. Car Trim pocht auf Ausgleichszahlungen, VW stellt sich quer – und schon liegt die Produktion des Golfs darnieder, weil Car Trim wichtige Teile nicht liefert.

Auch wenn es so anmutet: Die Autobranche ist kein Kinderspiel. Eine Lösung muss her, und zwar schnell. Das ist VW seinen Mitarbeitern, Partnern, Aktionären und Kunden schuldig. Und dem Steuerzahler, der über das Kurzarbeitergeld für das Problem zur Kasse gebeten wird. Ein Problem, das VW durch alternative Zulieferer hätte verhindern können. Einen solchen Plan B aber hätte der Konzern schon vor Jahren anstrengen müssen.


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