2016 bis zu 34 Millionen Besucher Zu viele Touristen: Thailand schließt Inseln für Urlauber

Von Mathias Peer

Noch nie haben so viele Menschen Thailand besucht wie in diesem Jahr. Doch der Erfolg ist für das Urlaubsland auch ein Problem. Foto: Andrea Warnecke/dpaNoch nie haben so viele Menschen Thailand besucht wie in diesem Jahr. Doch der Erfolg ist für das Urlaubsland auch ein Problem. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Bangkok. Noch nie haben so viele Menschen Thailand besucht wie in diesem Jahr. Doch der Erfolg ist für das Urlaubsland auch ein Problem: Besonders beliebte Inseln sind dem Ansturm nicht länger gewachsen. Sie schließen nun die Tore für Touristen komplett.

Tunya Netithammakul schlägt Alarm. „Es kommen so viele Menschen auf die Insel. Sie ist einfach überfüllt“, erklärte der Chef der thailändischen Nationalparkverwaltung vor wenigen Wochen. Er spricht über Koh Tachai, eine Insel in der thailändischen Andamanensee. Ein Reiseportal erklärte sie erst vor einem Jahr zu der schönsten Insel von ganz Thailand. Doch ab Oktober wird Touristen der Zugang verwehrt bleiben. Behördenleiter Tunya erklärte Koh Tachai zur Sperrzone. „Wir müssen die Insel schließen, damit sie sich von den Touristen erholen kann. Ansonsten droht enormer Schaden.“

20 Millionen Besucher mehr als vor zehn Jahren

Der Besucheransturm auf Thailand ist groß: Die Behörden erwarten bis zum Jahresende 34 Millionen Besucher – so viele wie noch nie. Allein in den vergangenen zehn Jahren stieg die Touristenzahl damit um 20 Millionen. Während sich Hoteliers und Gastwirte darüber freuen, warnen Meeresbiologen und Umweltaktivisten aber vor den Konsequenzen für die Natur.

Auf dem Strand von Koh Tachai haben eigentlich unter normalen Umständen nur etwa 70 Menschen Platz. Zuletzt kamen jedoch bis zu 1000 Menschen gleichzeitig. „Es ist zu viel, das kann die Insel nicht aushalten“, sagte Nationalparkaufseher Tunya. Die Insel ist nicht der einzige Ort, der am Besucheransturm leidet. Thailands Marinebehörde untersagte Ende Mai Touristenausflüge zu drei populären Korallengebieten in der Nähe der Urlauberdestination Phuket. Mindestens 60 Schnellboote mit Schnorchlergruppen hätten die Gegend zuletzt jeden Tag angesteuert. Das habe das Ökosystem im Meer massiv beschädigt, erklärte die Behörde.

Milliardengeschäft mit den Touristen

Während sich der Tourismus in Thailand für die Natur immer mehr zum Problem entwickelt, ist er für die Wirtschaft unverzichtbar. Bereits im vergangenen Jahr setzte die Branche laut der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) 44,6 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro/44 Milliarden Franken) um – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit diesen Einnahmen, die mehr als 10 Prozent des thailändischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen, lag das Land 2015 auf Rang sechs der umsatzstärksten Tourismusziele der Welt – hinter den deutlich größeren Volkswirtschaften USA, China, Spanien, Frankreich und Großbritannien.

Vor allem chinesische Besucher treiben den Tourismusaufschwung an: Erstmals sollen in diesem Jahr mehr als 10 Millionen von ihnen nach Thailand kommen. Thailands Infrastruktur hat aber schon jetzt Probleme, mit den vielen Gästen zurechtzukommen. Der Flughafen in Phuket ist heillos überlastet: Er ist lediglich für 6,5 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt. Fast die doppelte Menge musste zuletzt abgefertigt werden. Nach Verzögerungen soll nun zum Jahresende die Eröffnung eines neuen Terminals Abhilfe schaffen.

Weitere Zuwächse erwartet

Die Entspannung könnte aber nur von kurzer Dauer sein. Die Pacific Asia Travel Association, eine Organisation, die sich für verantwortungsbewussten Tourismus einsetzt, geht davon aus, dass Thailands Besucherzahl bis 2020 auf 50 Millionen wachsen könnte – das wäre ein weiteres Plus um 50 Prozent.

Der Meeresbiologe Thon Thamrongnawasawat zweifelt daran, ob diese Menschenmassen dem Land wirklich helfen. Er beobachtete überfüllte Strände jüngst auf der Insel Koh Phi Phi, die durch den Leonardo-DiCaprio-Film „The Beach“ weltbekannt wurde. „Die Einnahmen sind zwar hoch“, sagte er nach seiner Rückkehr nach Bangkok. „Aber ich glaube nicht, dass sie es wert sind, wenn man bedenkt, was von den Inseln übrig bleibt.“


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