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Natursteine werden in Deutschland zu Grabsteinen verarbeitet Gefährliche Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen

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Offiziell verboten, dennoch Praxis: Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen.Foto: ArchivOffiziell verboten, dennoch Praxis: Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen.Foto: Archiv

Osnabrück. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist heiß, mehr als 40 Grad im Schatten. Drei Jungen umklammern einen rund 45 Kilo schweren Presslufthammer, der ihren Körper vibrieren lässt. Ohne Mund- und Ohrenschutz bearbeiten sie Steinwände. Ihre Gesichter haben sich weiß gefärbt vom Staub, der ihre Lunge ruiniert. Andere Kinder bringen im Stein Sprengpulver an, verdichten es mit einem Eisenstab. Eine höchst gefährliche Tätigkeit, denn wenn Funken fliegen, kann auch schon mal die halbe Hand weggesprengt werden.

Schuften für einen Hungerlohn, um dem Rohstoff Naturstein für Grabsteine, Tischplatten und Gartenfliesen zu gewinnen: So sehen die Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen in Indien aus, die Benjamin Pütter beobachtet hat. Als Großhändler getarnt, suchte der Kinderarbeitsexperte des katholischen Hilfswerks Misereor die Granitsteinbrüche auf. Dabei kam ihm zugute, dass er fließend Hindi spricht.

Nach indischen Gesetzen ist Kinderarbeit verboten, es drohen sogar Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten. Doch die illegalen Steinbrüche liegen abgelegen und werden bewacht, sodass unerwünschte Zuschauer nur selten hereinkommen.

Viele dieser Natursteine gelangen nach Deutschland, wo Steinmetze sie beispielsweise zu Grabsteinen verarbeiten. Pütter kämpft dafür, dass Kinder in den Steinbrüchen nicht länger ausgebeutet werden. Aus Indien hat er bereits Morddrohungen wegen seines Engagements erhalten.

Aufgrund der Beobachtungen entstand die Idee von Xertifix. Der 2005 gegründete Verein setzt sich für den Import von Natursteinen aus Indien ein, die garantiert ohne Kinder- und Sklavenarbeit hergestellt sind. Zudem fördert Xertifix soziale Projekte wie den Bau von Schulen.

Auch die Osnabrücker Organisation terre des hommes kämpft gegen die Schufterei von Kindern in Steinbrüchen. „Grabsteine aus Kinderarbeit stören Friedhofsruhe“, meint das Kinderhilfswerk. „Viele Trauernde ahnen nichts von der problematischen Herkunft der Grabsteine“, meint terre-des-hommes-Geschäftsführerin Danuta Sacher. Das Hilfswerk plädiert dafür, Kinderarbeit nicht generell zu bekämpfen, wohl aber Ausbeutung. terre des hommes fordert auch die Selbstorganisation arbeitender Jungen und Mädchen, die für bessere Arbeitsbedingungen und das Recht auf Gesundheit kämpfen.

Kinder unter 14 Jahren haben vermutlich nicht nur in Steinbrüchen mit Rohstoffen zu tun. Nach Angaben Pütters werden sie ebenfalls in Diamantschleifereien in der Region Guscharat im Nordwesten Indiens eingesetzt. Pütter hält es für sehrwahrscheinlich, dass auch bei der Förderung von Metallen der Seltenen Erden in China unter 14-Jährige arbeiten müssen und nicht zur Schule gehen können. Doch anders als in Indien lasse sich das in China nicht kontrollieren.

Und morgen: Unter der Erde liegt noch das Gold


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