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Experten beim Finanztag einig Basel III hat Folgen für Mittelstand in der Region

<em>Finanz-Experten</em> unter sich: Torsten Arnsfeld, Carl-Ludwig Thiele und Bernd-Joachim Kruth. Foto Jörn MartensFinanz-Experten unter sich: Torsten Arnsfeld, Carl-Ludwig Thiele und Bernd-Joachim Kruth. Foto Jörn Martens

mey Osnabrück. Wie wirken sich die erhöhten Eigenkapitalanforderungen an Banken im Zuge der Basel-III-Reform auf die Kreditvergabe an den regionalen Mittelstand aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich gestern der seit acht Jahren regelmäßig im Herbst stattfindende Finanztag, den die Hochschule Osnabrück unter Mitwirkung von Experten aus Wissenschaft und Praxis veranstaltete.

Angesichts der Belastung von Steuerzahlern zur Rettung von Geldhäusern bezeichnete Torsten Arnsfeld die verschärften Regeln zur Kreditvergabe als „sinnvoll, um unsere Volkswirtschaft zu schützen“. Der BWL-Professor, der den Finanztag zusammen mit seinen Kollegen Bernd-Joachim Kruth und Peter Seppelfricke organisiert hatte, betonte aber zugleich, dass es für heimische Banken „international schwieriger“ werde. „In den USA zum Beispiel ist die Umsetzung des Basel-III-Konzeptes gerade auf unbestimmte Zeit verschoben worden.“

Eingeengter Rahmen

Johannes Hartig, Chef der Sparkasse Osnabrück, wurde in seinem Vortrag vor den etwa 100 Teilnehmern sehr konkret. Er rechnete vor, dass sich allein aufgrund der durch die Basel-III-Regeln künftig erhöhten Kapitalquoten ein Bankkredit für ein mittelständisches Unternehmen um 40 Basispunkte verteuern werde. Bei einem Zinssatz von gegenwärtig beispielsweise 3,35 Prozent bedeute dies einen Anstieg auf künftig 3,75 Prozent.

Die neuen Regeln verringern nach Hartigs Darstellung auch die Kreditvergabemöglichkeiten für Banken. Aufgrund der derzeit noch geltenden Basel-II-Regeln könnten Geldhäuser bei einem zusätzlichen Eigenkapital von einer Million Euro neue Kredite im Volumen von 12,5 Millionen Euro vergeben. Künftig seien es nur noch 9,52 Millionen Euro. Die Konsequenz sei, „dass die Kreditvergabemöglichkeiten durch Basel III um 24 Prozent sinken“, erklärte der Sparkassen-Chef. Er kritisierte, dass die Basel-III-Regeln für alle 8000 europäischen Banken und Sparkassen gelten sollen – und nicht nur für international tätige Großbanken, die aus seiner Sicht die eigentlichen Verursacher der Finanzkrise sind.

Aus Sicht der Bundesbank beleuchtete Vorstandsmitgied Carl-Ludwig Thiele das Thema. Unserer Zeitung sagte er , die Basel -III-Regeln bedeuteten für die Banken und ihre Kunden zwar auf der einen Seite „einen höheren Risikoaufschlag, der Kredite verteuert. Andererseits gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Unternehmen und Privatpersonen nicht ausreichend Kredit erhalten.“

Wie Unternehmen auf die Herausforderungen infolge der Finanzkrise reagieren, machte Thomas Löhr deutlich. Der Finanzchef der Georgsmarienhütte-Unternehmensgruppe erklärte, die im Eigentum des früheren RWE-Chefs Jürgen Großmann befindliche Gruppe arbeite mit zwölf verschiedenen Hausbanken zusammen. „Vermeidung von Konzentrationsrisiken bei einzelnen Finanzierungspartnern“ nannte er das. Wichtig sei auch die Nutzung alternativer Finanzierungsformen. Dazu zählte Löhr etwa Unternehmensanleihen, Schuldscheindarlehen und Lieferantenkredite. Wichtig sei auch die Nutzung von Selbstfinanzierungsquellen wie Gewinnthesaurierung, stringentes Controlling bei Investitionen und eine Verbesserung des Working-Capital-Managements.