Fast zwei Millionen Euro Schlacht- und Molkereikonzerne profitieren von EU-Subventionen

Schweinehälften hängen in einem Schlachthof. Im vergangenen Jahr konnten Fleisch- und Molkereikonzerne EU-Subventionen erhalten, wenn sie Ware lagerten statt auf den Markt gaben. Foto: dpaSchweinehälften hängen in einem Schlachthof. Im vergangenen Jahr konnten Fleisch- und Molkereikonzerne EU-Subventionen erhalten, wenn sie Ware lagerten statt auf den Markt gaben. Foto: dpa

Osnabrück. Schlacht- und Molkereiunternehmen in Deutschland haben im vergangenen Krisenjahr auf dem Schweinefleisch- und Milchmarkt fast zwei Millionen Euro an EU-Agrarsubventionen erhalten. Die Grünen im Bundestag kritisieren das.

Das geht aus der Liste der Zahlungsempfänger für 2015 hervor. Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kritisierte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Es ist nicht akzeptabel, dass Bauern die Kosten tragen, während die Molkerei- und Fleischkonzerne noch an der Krise verdienen.“ (Weiterlesen: EU-Agrarsubventionen 2015: Die Top-Empfänger in der Region)

Ziel: Markt stabilisieren

Die Unternehmen profitierten aus Mitteln für die sogenannte private Lagerhaltung. Wer Milch- oder Fleischprodukte lagerte statt auf den Markt zu geben, konnte dafür EU-Mittel beantragen. Ziel der Maßnahme war laut EU-Kommission ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem europäischen Agrarmarkt zu erreichen. Die Preise für Schweinefleisch und Milch waren nach dem russischen Importverbot von Lebensmitteln aus der EU teils sehr stark gesunken. (Weiterlesen: Bauerntag: Schmidt sagt weitere Millionen-Hilfen zu )

Diese Unternehmen profitierten

Insgesamt nutzten das 15 Unternehmen aus Deutschland. Am stärksten profitierte der Schlachtkonzern Danish Crown mit Sitz in Essen, Niedersachsen. Das Unternehmen erhielt rund 777.000 Euro. Fast 400.000 Euro gingen an das Deutsche Molkereikontor (DMK). Auf Platz drei die „Tillman’s Convenience GmbH“ aus Weißenfels. Das Tochterunternehmen des Tönnies-Konzerns erhielt knapp 320.000 Euro.

Ostendorff sagte: „Die private Lagerhaltung ist, zumindest bei Schweinen, ein veraltetes nicht zielführendes Kriseninstrument. Hier wird viel Geld an die Falschen verteilt.“ Die EU-Kommission führt hingegen leichte Preiserholungen im Schweinebereich auch auf die Lagerhaltung zurück. „Gerechte Förderpolitik heißt Ausgleich von Marktnachteilen und Stärkung bäuerlicher Betriebe“, so der Grünen-Politiker. (Weiterlesen: EU-Agrarsubventionen 2015: Die Top-Empfänger in der Region)


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