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Querelen bei der Bahn Vize-Chef Kefer geht

Von dpa

Neuer Ärger um das Mammutprojekt Stuttgart 21: Bahn-Vorstand Volker Kefer, zuständig für Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik, gibt seinen Posten ab. Foto: dpaNeuer Ärger um das Mammutprojekt Stuttgart 21: Bahn-Vorstand Volker Kefer, zuständig für Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik, gibt seinen Posten ab. Foto: dpa

Berlin. Die Bahn kämpft gleich an mehreren Stellen mit Problemen. Wegen einer dieser konzerninternen Baustellen – Stuttgart 21 – räumt Vize-Bahnchef Kefer nun seinen Posten. Aber wie geht es weiter? Der Aufsichtsrat tagt an diesem Mittwoch.Und die Sorgenfalten werden tiefer.

Bei der Deutschen Bahn läuft es nicht rund. Gleich in mehreren Sparten gibt es Reformbedarf, auch wenn das Programm „Zukunft Bahn“ schon läuft. Im Aufsichtsrat wird an diesem Mittwoch über ein Sanierungskonzept für die Güterbahn-Tochter gerungen. Ob ein Beschluss zustande kommt, war zuletzt noch offen. Zweites großes Thema ist das Projekt Stuttgart 21 – ein unterirdischer Durchgangsbahnhof, der per Tunnelstrecke mit dem Landesflughafen und der geplanten Schnellbahnstrecke nach Ulm verbunden werden soll. Hier die Bahn-Baustellen im Überblick:

Gütergeschäft in der Verlustzone

Die Güterbahn DB Cargo ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Abgesehen von Gütern wie Eisenerz und Kohle sind viele Transporte kleinteilig, es mangelt an Effizienz bei Auslastung und Steuerung der Züge. So lief im vergangenen Jahr ein Verlust vor Zinsen und Steuern von 183 Millionen Euro auf. Zudem wurde der Wert des Gütergeschäfts mit einer Sonderabschreibung in Höhe von 1,3 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Das riss den gesamten Konzern in die Verlustzone.

Rettungsplan: Netz verkleinern

Der Plan der Geschäftsführung: Das Netz von rund 1500 Güterbahnhöfen in Deutschland soll um mehr als 200 verkleinert werden, das würde auch 2100 Arbeitsplätze kosten. Zusammen mit einer besseren Organisation will DB Cargo bis Ende 2018 wieder die Gewinnzone erreichen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat verlangen einen offensiveren Kurs, der sofort auf Wachstum setzt. In der Sitzung am Mittwoch soll ein Kompromiss gefunden werden.

Streit-Projekt Stuttgart 21: Noch einmal 600 Millionen Euro mehr?

Über das Projekt Stuttgart 21 ist Krach im Aufsichtsrat programmiert. Denn offensichtlich erst mit den Unterlagen, die die Kontrolleure vor 14 Tagen erhielten, wurde bekannt, wie knapp das Finanzpolster für den umstrittenen Tiefbahnhof und die Zubringer inzwischen geworden ist. Seit dem Kassensturz Ende 2012 sind nach Rechnung der Bahn mehr als 600 Millionen Euro an Kosten und Risiken, die wahrscheinlich zu Kosten werden, hinzugekommen. Angeblich sind alle Zusatzposten nicht vorauszusehen gewesen.

EVG-Chef Kirchner empört

Vize-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner, der Vorsitzende der Gewerkschaft EVG, zeigte sich empört. Noch vor drei Monaten habe es geheißen, alles sei bei Stuttgart 21 in Ordnung. Nun will er erfahren, wer im Vorstand wann was wusste.

Erst Rede und Antwort stehen – und dann gehen

Das wird am Mittwoch das für die Infrastruktur zuständige Mitglied Volker Kefer erklären müssen. Kefer räumt zwar nach Kritik an seiner Informationspolitik zu Stuttgart 21 den Posten, wie am Dienstagabend überraschend bekannt wurde. Kefer will aber noch so lange als Vorstand für Infrastruktur und Technik im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Mindestens ein nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied hatte zuvor Kefer und Grube in Zeitungen für die insgesamt schwierige Lage bei der Bahn kritisiert.

Neue Zahlen für den Personenverkehr

Über den Personenverkehr bekommen die Aufsichtsräte ebenfalls frische Zahlen auf den Tisch. Dabei zeigen sich zwei Tendenzen.

Fernverkehr wächst, Umsatz ebenfalls

Im Fernverkehr, den der Staatskonzern eigenverantwortlich betreibt, hat die Bahn Fahrgäste hinzugewonnen, womit sich der Trend aus dem Vorjahr verfestigt. Die Auslastung der ICE und IC ist demnach um acht Punkte auf 60 Prozent gestiegen, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Der Grund dafür ist das größere Angebot an 19-Euro-Tickets.

Der Bahn gelang trotz dieser indirekten Preissenkung, auch den Umsatz zu erhöhen. Allerdings drückten hohe Investitionen in Fahrzeuge und Kundenservice den Betriebsgewinn.

Regionalverkehr ein Sorgenkind

Der Regionalverkehr gehört mittlerweile auch zu den Sorgenkindern des Konzerns. Im vorigen Jahr hat er gut ein Fünftel zum Umsatz und sogar ein Drittel zum Gewinn vor Steuern und Zinsen beigetragen. Das ist in Gefahr, weil die Bahn in Ausschreibungen zunehmend Regionalstrecken an Wettbewerber verliert. Rund ein Viertel der Strecken in Deutschland betreibt bereits die Konkurrenz, Tendenz steigend.