Manager kaufen ihren Arbeitgeber KHP Vermögensverwaltung: Zurück in die Unabhängigkeit

Geschäftsführer und seit Ende 2015 auch Inhaber der KHP Vermögensverwaltung in Osnabrück: Manfred Stock (l.), Thomas Hans (M.), Wolfgang Pieper. Foto: Swaantje HehmannGeschäftsführer und seit Ende 2015 auch Inhaber der KHP Vermögensverwaltung in Osnabrück: Manfred Stock (l.), Thomas Hans (M.), Wolfgang Pieper. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. An Gutbetuchten, die ihr Geld lieber von unabhängigen Finanzmarktexperten verwalten lassen als von ihrer Bank, mangelt es der Region nicht. Gleich drei von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassene Vermögensverwalter arbeiten in Osnabrück: Die älteste, die KHP Vermögensverwaltung, wurde 1998 von der Deutschen Bank gekauft. Ende 2015 haben Gründer Herbert Knüppe und die Geschäftsführer das Unternehmen wieder übernommen.

Die Geschäftsführer Manfred Stock, Wolfgang Pieper und Thomas Hans gingen ins Risiko: „Bei dem Management Buy-out sind wir bewusst auch erhebliche persönliche Verpflichtungen eingegangen“, sagt Stock, der 2003 zu KHP kam. Die Deutsche Bank hatte ein Bieterverfahren eröffnet. Der neue Konzernchef John Cryan trimmt das Unternehmen auf sein Kerngeschäft zurück. Dazu gehört auch der Verkauf von Beteiligungen an Vermögensverwaltungshäusern wie KHP.

Neben den Osnabrücker Managern stieg auch eine Reihe solventer Kunden ein, dazu einige Familienunternehmer aus der Region. „Wir sind sicher, dass das Geschäftsmodell der unabhängigen Vermögensverwaltung besser denn je in die Zeit passt“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Pieper. „Die Menschen haben heute einen höheren Anspruch an die Transparenz als noch vor einigen Jahren.“ Der Schreck der Finanzkrise, in der weltweit Milliardenwerte vernichtet wurden, stecke vielen Vermögenden immer noch in den Knochen. Der Ruf der Banken habe damals stark gelitten, viel Vertrauen sei verloren gegangen.

Eine Milliarde Euro liegen in der Region bei Unabhängigen

Unabhängige Vermögensverwalter wie KHP betonen, sie seien anders: Im Unterschied zu Kundenberatern der Banken, die Provisionseinnahmen im Wesentlichen über Anlageprodukte des eigenen Institutes erwirtschaften müssten, sei klar: „Wir verwalten das Geld unserer Kunden gegen eine vorher vereinbarte Vermögensverwaltungsvergütung“, sagt Stock. Dabei liege das Vermögen nach wie vor in den Anlagedepots der Kunden bei den Banken. Unabhängige wie KHP handelten, mit einer Spezial-Vollmacht ausgestattet, selbstständig nach vorher vereinbarten Anlagerichtlinien.

95 Prozent der rund 400 KHP-Kunden leben in der Region, KHP verwaltet nach eigenen Angaben 250 Millionen Euro. Rund eine Milliarde Euro werden im Raum Osnabrück von Unabhängigen verwaltet, schätzen Branchenkenner.

Branche in Osnabrück „außergewöhnlich stark“ vertreten

Offenbar können die Geschäftsbanken mit den Unabhängigen leben – die Kundenkonten, von denen aus die Vermögensverwalter die Anlagetransaktionen tätigen, liegen nach wie vor bei ihnen. Provisionen indes entgehen den Banken, wenn Unternehmen wie KHP ins Spiel kommen. Man kennt sich. Die meisten Unabhängigen rekrutieren ihr Personal aus den Reihen der Geschäftsbanken. Die KHP-Geschäftsführer arbeiteten zuvor bei der Deutschen Bank, beim Bankhaus Hallbaum und bei der damaligen Dresdner Bank.

Mit drei Anbietern sei die Branche der Unabhängigen in Osnabrück „außergewöhnlich stark“ vertreten, sagt Michael Gillessen, der mit seinem Team bei der Bank Berenberg in Hamburg für die Zusammenarbeit mit unabhängigen Vermögensverwaltern verantwortlich ist: „Ich kenne keine vergleichbare Stadt in Deutschland mit so vielen unabhängigen Vermögensverwaltern.“ In Mönchengladbach mit knapp 260.000 Einwohnern etwa gebe es keinen einzigen. Eine Ursache sieht Gillessen in der starken Präsenz mittelständischer Familienunternehmen im Raum Osnabrück. „Diese Unternehmer haben Ansprüche, auf die KHP und die anderen Anbieter ihre Angebote genau zuschneiden.“ Dabei betrachteten sie eher Sparkassen, Volksbanken und Großbanken als Wettbewerber denn ihresgleichen.

Unruhige Märkte – auch für die Unabhängigen

Dennoch ist die Koexistenz mit den Banken friedlich. Ein Indiz: KHP darf auf die Finanzmarktdaten der Analyseabteilungen der Deutschen Bank und der schweizerischen UBS zugreifen. Und jeweils nachts überspielen die Banken die Salden der 400 Kunden in den Firmensitz in Osnabrück, wo KHP entscheidet, wie das Geld angelegt wird: in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Währungen, Rohstoffe, Edelmetalle und Indexfonds (ETFs)

Allerdings, in einem unterscheiden sich die Unabhängigen nicht von den Banken: Auch sie müssen das Geld ihrer Kunden derzeit unter Niedrigzinsbedingungen auf unruhigen Märkten anlegen. Die Schwankungsbreite der Aktienindices und der Rohstoffpreise und dazu die geopolitischen Risiken machten dies im Moment nicht leichter“, sagt Geschäftsführer Thomas Hans.


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