320 Millionen Dollar Preisgeld Chinesischer Milliardär überbietet den Nobelpreis

Von Mathias Peer

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Sein Chatprogramm WeChat (Logo rechts) machte den chinesischen Unternehmer Chen Yidan zum Milliardär. Nun will er einen internationalen Bildungspreis ausrufen, der sogar den Nobelpreis übertrumpft. Doch so uneigennützig scheint die Wohltäterschaft nicht zu sein. Foto: dpaSein Chatprogramm WeChat (Logo rechts) machte den chinesischen Unternehmer Chen Yidan zum Milliardär. Nun will er einen internationalen Bildungspreis ausrufen, der sogar den Nobelpreis übertrumpft. Doch so uneigennützig scheint die Wohltäterschaft nicht zu sein. Foto: dpa

Hongkong. Ein Internetunternehmer aus China ruft mit einer Spende von 320 Millionen Dollar einen internationalen Bildungspreis ins Leben. Die neue Großzügigkeit der Milliardäre aus Fernost stößt aber auf Skepsis.

Sein Name war lange Zeit nur Experten bekannt. Doch nun will Chen Yidan ins Rampenlicht. Im schwarzen Smoking tritt der Internetmilliardär auf die Festsaalbühne eines Hongkonger Fünf-Sterne-Hotels. „Vor drei Jahren habe ich einen Wunsch in meinem Tagebuch notiert“, sagt der 45-Jährige zu Beginn des Galadinners, zu dem er Dutzende Politiker, Professoren und Journalisten eingeladen hat. Er wolle mithilfe von besserer Bildung die Welt verändern. „Heute geht mein Traum in Erfüllung“, verkündet er stolz.

Höhere Preisgelder als beim Nobelpreis

Dem Publikum stellt der Mann, dessen Firma die in China erfolgreiche Nachrichten-App WeChat entwickelte, an diesem Abend Ende Mai ein ambitioniertes Projekt vor: Er will jährlich einen hoch dotierten internationalen Preis für Bildungsforscher vergeben. Dafür stellt er der nach ihm benannten Organisation Yidan Prize 320 Millionen Dollar (rund 280 Millionen Euro) zu Verfügung. Seine Mitarbeiter versprechen Preisgelder, die den Nobelpreis um ein Vielfaches übertreffen.

Motive werden angezweifelt

Chen Yidan, der die Höhe seines Gesamtvermögens nicht verraten will, reiht sich mit der Großspende in eine wachsende Gruppe extrem wohlhabender Chinesen ein, die sich mit ihrem Reichtum als globale Wohltäter einen Namen machen wollen. Sie spenden Millionenbeträge an Hilfsorganisationen, Universitäten oder Museen. Doch Experten zweifeln, ob die Motive der neuen Philanthropen aus Fernost wirklich so uneigennützig sind, wie es vordergründig scheint.

Aktive Wohltäterszene

Denn Chinas reiche Männer verfolgen im Westen auch erhebliche Geschäftsinteressen. Der Milliardär Chen Guangbiao, der in New York 100-Dollar-Noten an Bedürftige verteilte, hatte eine Zeit lang vor, mit der „New York Times“ die berühmteste Zeitung der Stadt zu kaufen. Der Milliardär Chen Feng, der ebenfalls zu den Aushängeschildern der chinesischen Wohltäterszene gehört, machte im April öffentlich, mit seinem Konzern HNA das Schweizer Catering-Unternehmen Gategroup übernehmen zu wollen.

Auch Geschäftsinteressen spielen eine Rolle

Chinas reichster Mann, der Tycoon Wang Jianlin, erwarb 2015 die ebenfalls aus der Schweiz stammende Sportmarketingfirma Infront. Im gleichen Jahr ermöglichte er mit einer Spende die Gründung eines des Harvard Global Institutes. Wang Jianlins Geschenke überschneiden sich mitunter mit seinen Investitionen. Anfang dieses Jahres kaufte er in den USA die „Jurrasic World“-Produktionsfirma Legendary Entertainment und wurde auf einen Schlag zu einer der mächtigsten Figuren in Hollywoods Filmgeschäft. Zuvor hatte er sich in der Branche mit einer 20-Millionen-Dollar-Spende an die für die Oscar-Vergabe zuständige Academy of Motion Picture Arts and Sciences bereits Freunde gemacht.

Geben und Nehmen

Geldgeschenke von Chinas Milliardären liefen meistens auf ein Geben und Neben hinaus, kommentierte der Wirtschaftsprofessor Oliver Rui von der China Europe International Business School diese Woche anlässlich der Vorstellung eines Uno-Berichts über die Spendenbereitschaft in China. „Für Spenden an staatliche Hilfsorganisationen erwarten sich die Geber im Gegenzug eine Bevorzugung durch die lokalen Behörden.“

Bildungspreisstifter Chen Yidan präsentiert sein Engagement in Hongkong als Projekt ohne Hintergedanken. Er sei inspiriert von seiner Großmutter, die Analphabetin war und dennoch alles dafür gegeben habe, ihren Kindern und Enkeln eine gute Bildung zu ermöglichen.

WeChat allgegenwärtig

So ganz ist die Initiative aber dennoch nicht von seinem Geschäft zu trennen. Die Preisjuroren und Journalisten empfängt er in den Büros der von ihm mitgegründeten Firma, deren Geschäftsführung er bis 2013 angehörte. Das Logo seiner App WeChat findet sich bei der Projektvorstellung auf jedem Festsaaltisch. Daneben steht die Aufforderung: „Folgen Sie uns!“


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