Georgsmarienhütte Holding Stahlkonzern GMH schreibt wieder schwarze Zahlen

Von Christian Schaudwet

Kernbetrieb der GMH-Gruppe: Arbeiter im Stahlwerk Georgsmarienhütte. Foto: Jörn MartensKernbetrieb der GMH-Gruppe: Arbeiter im Stahlwerk Georgsmarienhütte. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Stahlkonzern Georgsmarienhütte Holding (GMH) hat sich nach der Insolvenz seiner Offshore-Tochter Weserwind aus der Verlustzone gearbeitet. Unterm Strich steht ein Jahresüberschuss von 43 Millionen Euro.

Der Sanierungskurs des vor 15 Monaten angetretenen Konzernchefs Michael Süß zeigt offenbar Wirkung: Nach verlustreichen Jahren schreibt die Osnabrücker Stahlholding Georgsmarienhütte wieder schwarze Zahlen. Wie das Unternehmen mitteilte, erwirtschaftete es 2015 bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 43 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt knapp unter 26 Prozent.

Im Jahr davor hatte die Gruppe vor allem wegen der Misere der inzwischen insolventen Tochtergesellschaft Weserwind fast 90 Millionen Euro Verlust gemacht – bei einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro.

Bankenkonsortium gebildet

Zu ihren Verbindlichkeiten teilte die Gruppe mit, sie habe ihre Finanzierung von einzelnen Bankkrediten auf ein Konsortium aus mehreren Banken umgestellt. Im Herbst 2015 hatte es in einer Pflichtmitteilung der GMH geheißen, es bestehe Ungewissheit, ob vereinbarte Eigenmittel-Klauseln in Kreditverträgen eingehalten werden könnten.

Heute haben die Banken nach Angaben der Holding keine Zweifel mehr. „Alle involvierten Banken haben der GMH-Gruppe langfristig das fortgesetzte Vertrauen ausgesprochen“, heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Kosten gesenkt

Seine Rückkehr in die Gewinnzone führt der Konzern, der mehr als 30 Tochtergesellschaften umfasst, auf ein Kostensenkungsprogramm zurück, das unter anderem zu effizienterer Nutzung von Energie und Rohstoffen geführt habe. Personal sei nicht abgebaut worden, sagte GMH-Sprecherin Iris Wilckens: „Wir haben gute Produkte in der gesamten Unternehmensgruppe gemacht, gut gewirtschaftet und die Effizienz gesteigert.“

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Wesentlich entlastet haben dürften den Konzern die Aufgabe des Herstellers von Fundamenten für Offshore Windlagen Weserwind Anfang 2015 und der Verkauf der belgischen Tochter ESB, ebenfalls Anfang 2015. Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ verzichten Gesellschafter Jürgen Großmann und seine Kinder seit 2012 auf Ausschüttungen. Der Gewinn von 2015 solle im Unternehmen bleiben.

Schwieriges Marktumfeld

Wie die meisten europäischen Stahlhersteller leidet GMH unter einem Überangebot auf dem Weltmarkt, für das die EU und die Branche vor allem chinesische Produzenten verantwortlich machen. Das GMH-Management beurteile das laufende Geschäftsjahr daher als „herausfordernd“, heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Der Sparkurs könnte besonders für die Osnabrücker GMH-Tochter IAG Magnum mit 120 Beschäftigten Folgen haben. Deren Zukunft ist ungewiss. Nach Millionenverlusten hat die auf besonders große und schwere Maschinenteile spezialisierte IAG Magnum Mitte April ein Insolvenzschutzverfahren eingeleitet. Bis Mitte Juli hat sie Zeit, ihr Geschäftsmodell tragfähig zu machen. Das Management will den Betrieb unter anderem auf den Bau von Nuklearbehältern wie den Atommüll-„Castoren“ ausrichten.

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