Klare Brände aus Mettingen seit 1790 Brennerei C. Langemeyer: Dem Sekt des kleinen Mannes verschrieben

Von Hermann Pentermann

Traditionsreicher Unternehmer: der Kornbrenner Willibrord Langemeyer in Mettingen I Foto: Hermann PentermannTraditionsreicher Unternehmer: der Kornbrenner Willibrord Langemeyer in Mettingen I Foto: Hermann Pentermann

Mettingen. Willibrord Langemeyers Vater sprach gern vom Korn als dem Sekt des kleinen Mannes. Unter Leitung des Sohnes produziert das Familienunternehmen nun in achter Generation klare Brände.

Vor 226 Jahren begann Cornelius Langemeyer neben der Landwirtschaft mit dem Brennen von Spirituosen. Über die Generationen wurde aus dem Nebenerwerb das Hauptstandbein, die Brennerei C. Langemeyer in Mettingen bei Osnabrück. Aber: „Mit 40 Hektar Ackerland bildet die Landwirtschaft immer noch ein Teil der Firma und gehört einfach zu einer richtigen Brennerei dazu“ sagt Willibrord Langemeyer.

Für Peter Pilz, den ehemaligen Geschäftsführer des Kornbrennerverbandes ist das Unternehmen ein Musterbetrieb. Denn die Langemeyers verarbeiten Korn aus der Region zu hochwertigen Produkten. Die Schlempe, die von dem Korn übrig bleibt, ist ein eiweißreiches Kraftfutter für die Bullen und Schweinemast. So wird das Getreide komplett verwertet.

2013 wurde das staatliche Monopol für Branntwein aufgehoben. Das Monopol legte die Produktionsmengen für jeden Betrieb fest. Die Vermarktung regelte ebenfalls zentral die Behörde. Eine sichere Einnahmequelle für alle Betriebe. Seitdem müssen alle Brennereien selber für den Absatz sorgen. Innerhalb von 3 Jahren verringerte sich dadurch die Zahl der Brennereien von über 640 auf unter 20. Viele Traditionsfirmen brennen nicht mehr selber, sondern beziehen den Brand aus den großen industriellen Brennereien und verarbeiten ihn dann weiter.

Anders bei Firma Langemeyer. Bei ihr entstehen aus jährlich insgesamt 120000 Litern 86-prozentigem Roh-Alkohol 600000 Flaschen Spirituosen. „Die 120 000 Liter Roh-Alkohol werden mit Wasser, Säften und Gewürzen gemischt und veredelt, das die einzelnen Getränke mit unterschiedlichen Alkoholgehalten von 15 Prozent beim Fruchtsaftlikör bis hin zu 36 Prozent beim Weinbrand „Altes Tecklenburger Land“, sagt Langemeyer. Zum Umsatz macht er keine Angaben.

Bei Langemeyers änderte sich in den letzten drei Jahren wenig. Dagegen löste sich der Kornbrennerverband nach 130 Jahren auf. Als Nachfolgeorganisation wurde der Verband Deutscher Kornbrenner und mittelständischer Spirituosen- und Alkoholanbieter gegründet. Peter Pilz berät heute den neuen Verband. Seiner Meinung nach werden noch mehr Spirituosen-Anbieter vom Markt verschwinden. Für Langemeyers sieht er eine gute Zukunft: „Die gehen zwar den teuren Weg, weil sie noch selber Brennen, dafür stimmt die Qualität“, sagt er. Willibrord Langemeyer sei mit „Herzblut dabei“.

Mit neun Mitarbeitern in der Brennerei und der Landwirtschaft vermarktet er seine Schnäpse im Umkreis von 100 Kilometern. Als lokale Spezialitäten sind der Alte Wacholder, der Tüötten Weizenkorn, der Mettinger Kräuterwacholder sowie einige Fruchtsaftliköre auch in den Regalen der örtlichen Discounter zu finden.

Hinsichtlich der Unternehmensnachfolge ist Langemeyer zuversichtlich, dass seine beiden Töchter das Traditionsunternehmen weiterführen werden. Noch studiert die eine Betriebswirtschaftslehre und absolviert die andere eine Ausbildung beim Finanzamt.

Der Brenner selbst lernte das Gärungsgewerbe an der Technischen Universität Berlin, studierte noch Informatik in Paderborn und machte seine Kaufmannsausbildung an der Hochschule Osnabrück. Als Inhaber muss man eben alles machen können und immer dort einspringen, wo gerade eine Hand gebraucht wird.

Als die Band „Die Toten Hosen“ den Kümmelkorn Bommerlunder in ihrem Song „Eisgekühlter Bommerlunder, Bommerlunder eisgekühlt“ bekannt machten, verbreiteten sie eigentlich eine Unsitte: Klare Brände wie Korn, Wacholder und Aquavit müssten eiskalt genossen werden.

„So ein Quatsch“, sagt Langemeyer, „ein guter Korn kann warm getrunken werden. Bei Zimmertemperatur entfaltet sich erst der volle Geschmack. Kälte betäubt die Geschmacksnerven. Mit der Kälte wurde früher mindere Qualität versteckt.“

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