Ein Bild von Dirk Fisser
30.05.2016, 18:27 Uhr HILFSZUSAGEN FÜR MILCHVIEHHALTER

Nach dem Milchgipfel: Jetzt muss geliefert werden

Ein Kommentar von Dirk Fisser




Osnabrück. Die deutschen Milchbauern sollen als Entlastung wegen drastisch gesunkener Preise Nothilfen von mindestens 100 Millionen Euro bekommen. Jetzt ist die Branche in der Pflicht, Lösungen zu finden.

Die Krise des Milchmarktes ist mehr als die Geschichte von zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage. Sie zeigt exemplarisch auf, wie das blinde Vertrauen auf Wachstum einen an sich gesunden Wirtschaftszweig in existenzielle Not bringen kann. Und wie alle Beteiligten angesichts der Komplexität eines Weltmarktes heillos überfordert sind mit der Suche nach einer Lösung. Bislang stahl sich die Branche aus der Verantwortung, indem sie eben diese bei dem jeweils anderen suchte – beim Bauern, den Molkerein, der Politik, dem Handel, den Verbrauchern.

Nun springt der Steuerzahler als Bürge ein. Mindestens 100 Millionen Euro sollen Leid lindern und Zeit zum Luftholen lassen. Das Geld ist nicht nur Hilfspaket, sondern Verpflichtung: Die Branche steht in der Schuld, Antworten darauf zu geben, wie es weiter gehen soll, wie sie aus dem Tief herauskommen und sich krisenfester aufstellen will.

Ja, die Kapazitäten müssen gesenkt werden, aber wer nur fordert, die Milchwirtschaft solle sich auf den deutschen, ja vielleicht sogar nur den regionalen Markt vor dem Hoftor besinnen, verkennt den Exportanteil von 50 Prozent. Für diese einfache Lösung ist es längst zu spät, die Existenz der Branche ist an den Weltmarkt gekettet.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN