Strickwaren-Hersteller aus Hilter Rabe ist lieber Handelspartner als Modehändler



Hilter. Für die deutsche Modebranche haben Jahre schon mal besser angefangen. Das nasskalte Wetter der ersten Monate hat den Handel mit Frühjahrskleidung gehemmt. Der Damenmodehersteller Rabe in Hilter am Teutoburger Wald bildet da keine Ausnahme. Dennoch wächst das Familienunternehmen stetig.

Rabe-Geschäftsführer Jörg Weber sieht auch im „Gefühl von Unsicherheit angesichts der weltpolitischen Lage“ bei Konsumenten eine Ursache für den bisher eher verhaltenen Absatz. Dessen ungeachtet strebt er für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzplus zwischen fünf und zehn Prozent an. 2014/2015 erwirtschaftete Rabe 104,4 Millionen Euro (plus 4,8 Prozent), während andere Hersteller in der Region schrumpften.

Den Aufwärtstrend will das Unternehmen unter anderem mit eiserner Treue zu seinen Händlern er halten: „Wir versuchen, Partner der Händler zu sein“, sagt Weber – eigene Boutiquen betreibt Rabe nur zwei, in München und Regensburg. Statt selbst eine Ladenkette auszurollen, beliefern die Hilteraner im In- und Ausland rund 2800 Modehäuser, bei denen sie teils als „Shop in Shop“ mit eigener Marke auftreten. Dass die Händler mit Rabe-Produkten gut verdienen könnten, ist in Webers Augen einer der Haupt-Wettbewerbsvorteile von Rabe.

1920 in Sachsen gegründet

Beim Osnabrücker Modekaufhaus L+T kommt Rabe mit seiner Strategie gut an. Den ersten Strickwaren-Shop auf seinen Flächen richtete L+T für die Marke Rabe ein: „Rabe ist für uns ein sehr guter und zuverlässiger Partner“, sagt Monika Engelke, Abteilungsleiterin bei L+T.

Das Familienunternehmen, als Strickwarenfabrik 1920 in Sachsen gegründet, 1955 umgezogen ins Osnabrücker Land, beschäftigt heute 330 Menschen und peilt mit der Strick- und Jerseyware seiner Kernmarken Rabe und Thomas Rabe die Älteren in der weiblichen Mode-Kundschaft an. Vor drei Jahren ging Rabe mit der Marke Lecomte auf den Markt, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll. Vor allem mit Lecomte soll das Wachstum weitergehen.

Harter Verdrängungswettbewerb

Außer während der Nachwendezeit habe in der deutschen Modewirtschaft jahrzehntelang Verdrängungswettbewerb geherrscht, sagt Weber: „In dieser Branche muss man wachsen, wenn man überleben will.“ Weber sieht auch im Ausland noch Potenzial für Rabe-Marken. Bisher liegt der Exportanteil des Mittelständlers bei 33 Prozent – seine wichtigsten Auslandsmärkte sind Frankreich, die Benelux-Staaten sowie Mittel- und Osteuropa. Bis zu 50 Prozent Exportanteil hält Weber für möglich.

Diversifizierung ist dabei Gebot der Stunde: Wie viele Mittelständler zieht Rabe aus dem Zusammenbruch des griechischen Marktes und der Absatzkrise in Russland die Lehre, dass es ratsam ist, Risiko auf viele Märkte zu verteilen. Auch die Produktion hat Rabe verteilt – auf Ost- und Südosteuropa.

Ausstattung für TV-Moderatorinnen

Im stabilen Deutschland indes dürften schon viele Menschen einen Blick auf Rabe-Kleidung geworfen haben, ohne es zu wissen: Der Hersteller stattet Fernsehmoderatorinnen bei Sat1, Pro7, RTL und n-tv aus. Sport1-Moderatorin Laura Wontorra etwa tritt häufig in Outfits von Lecomte auf. Im Abspann der Sendungen werden die ausstattenden Modehersteller genannt.

„Unsere Kundinnen kaufen nichts, was sie nicht bereits draußen gesehen haben“, sagt Weber. Das „Draußen“ könne dann auch mal eine Fernsehsendung sein.

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