Strecken im Nordwesten bedroht Viele Nachtzugverbindungen stehen vor dem Aus

Von Christian Schaudwet

Bald Geschichte: ein Nachtzugabteil der Deutschen Bahn (Foto aus dem Jahr 1999). Die Bahn will den klassischen Nachtzugverkehr einstellen. Foto: dpaBald Geschichte: ein Nachtzugabteil der Deutschen Bahn (Foto aus dem Jahr 1999). Die Bahn will den klassischen Nachtzugverkehr einstellen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Deutsche Bahn (DB) will zum Ende des Jahres ihre klassischen Nachtzüge außer Dienst stellen. Noch hofft das Unternehmen, dass Bahngesellschaften aus Nachbarländern die Verbindungen übernehmen. Falls nicht, ist die nostalgische Fahrt im Schlaf- oder Liegewagen ab Nordwestdeutschland durch Europa bald Geschichte.

So fallen voraussichtlich die „City Night Line“-Verbindungen Köln-Warschau und Köln-Prag weg, die in Dortmund, Gütersloh, Bielefeld und Hannover Halt machen. Vorbei ist es dann auch mit dem Halt der Köln-Warschau-Variante in Minden. Ab Hamburg werden die Nachtzüge nach Zürich und München eingestellt – sie stoppen bisher auch in Hannover (Nachtzug-Streckennetz siehe hier).

Wenig Hoffnung auf Rettung

Einst war das nächtliche Reisen im Liegewagen vor allem bei jungen Menschen beliebt, die mit „Interrail“-Pässen Europa erkundeten. Fans dieser Reiseart sollten sich keine großen Hoffnungen mehr machen. Die DB spricht nach eigenen Angaben zwar mit der österreichischen Bahngesellschaft ÖBB und weiteren Bahngesellschaften über eine Übernahme von Verbindungen, aber die Chancen stehen nicht gut. Einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ zufolge hat die polnische Bahn PKP bereits abgesagt. Die tschechische Bahngesellschaft CD, die hochmoderne Schlafwagen im Fuhrpark hat, verhandelt demnach noch mit der ÖBB über eine Kooperation. Dabei geht es aber offenbar nur um tschechisch-österreichische Verbindungen.

Minusgeschäft für die Bahn

Die DB wirbt um Verständnis für die Einstellung ihrer „City Night Line“-Verbindungen, die vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ heftig kritisiert worden war: „Trotz intensiver Sanierungsbemühungen sieht sich die Deutsche Bahn in der Nachtzugsparte mit einem anhaltend hohen Defizit und einer stark negativen wirtschaftlichen Prognose auch für die kommenden Jahre konfrontiert“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Nachtzüge zu betreiben sei ein Nischengeschäft, mit dem man seit Jahren Verluste in zweistelliger Millionenhöhe erleide. Die Nachtzugflotte sei überaltert und bräuchte bei weiterem Betrieb hohe Investitionen.

Mehr Nacht-ICEs geplant

Als Hauptgründe für die wirtschaftlichen Probleme mit dem Nachtzugverkehr gelten in der Branche neben den hohen Betriebskosten die Konkurrenz von Billig-Fluglinien und das wachsende Angebot günstiger Busverbindungen.

Nachts überhaupt keine Passagiere mehr befördern will die DB allerdings auch nicht. Nach dem Wegfall der „City Night Line“ werde man die Anzahl der bisher schon fahrenden Nacht-ICEs erhöhen, besonders in den Sommermonaten, teilt das Unternehmen mit. Im grenzüberschreitenden Verkehr werde man zusätzlich Busse einsetzen.


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