Capiton und Ziylan übernehmen Schuhkette Reno: Neustart mit Finanzinvestor?


Osnabrück. Der Berliner Finanzinvestor Capiton hat den Bieterwettbewerb um die Hamm Reno Group (HR Group) für sich entschieden. Als Minderheitsgesellschafter soll die türkische Schuhhandelsgruppe Ziylan dem Osnabrücker Unternehmen neue Marktchancen eröffnen.

„Schuhe, die mich glücklich machen“ – mit diesem Slogan bewirbt Reno, die Einzelhandelskette der HR Group, ihr Sortiment. Künftig soll Reno-Fußbekleidung auch die Chefs von Capiton, Andreas Kogler und Manuel Hertweck, erfreuen: Wenn das Bundeskartellamt einwilligt, wird Capiton in einigen Wochen die Mehrheit an der HR Group erwerben. Zu welchem Kaufpreis, darüber schweigen sich alle Beteiligten aus.

Capiton (Fondsvolumen 1,1 Milliarden Euro) gilt als Mittelstandsexperte mit langem Atem und hat derzeit zwölf Beteiligungen im Portfolio, überwiegend hoch spezialisierte Hersteller von Investitionsgütern wie Medizintechnik, Messtechnik, Werkzeugmaschinen und Werkstoffen für die Industrie. Ein Dutzend ähnlicher Beteiligungen hat Capiton bereits weiterverkauft.

Neben Mitgliedern des HR-Managments und dem früheren Karstadt- und Tchibo-Vorstand Peter M. Wolf kommt als Minderheitsgesellschafter der größte türkische Schuhhändler Ziylan Group an Bord, der auch selbst Schuhe produziert. HR-Group-Chef und -Teilhaber Matthias Händle erwartet sich davon viel: Know-how-Zuwachs, eine bessere Basis für den Einkauf und die wechselseitige Nutzung von Markenrechten. „Der Verkauf ist insgesamt ein Gewinn für alle Seiten“, sagt Händle. Ziylan (5000 Mitarbeiter) betreibt 360 Schuhgeschäfte in der Türkei und expandiert nach Kasachstan, Aserbaidschan, Albanien, Georgien und in den Irak. Wie HR beliefert Ziylan als Großhändler auch andere Einzelhändler.

Die HR Group betreibt in Nordwestdeutschland Reno-Geschäfte in Osnabrück, Papenburg, Leer, Bremen, Bielefeld und Bünde. Sie ist besonders mit ihren rund 500 verbliebenen Filialen unter Druck geraten, nach wie vor werden Geschäfte geschlossen. So soll es zum 31. Mai den Reno-Laden im baden-württembergischen Horb treffen, wie örtliche Medien berichten.

Zugleich modernisiert die Kette aber Läden, denen sie mehr Chancen zumisst: Ihre Filiale im Berliner Einkaufszentrum „Eastgate“ etwa hat kürzlich eine edel-rustikale Holz-Ausstattung erhalten, die sich auffällig vom bisherigen Erscheinungsbild der Reno-Filialen abhebt.

HR hatte zuletzt „in Millionenhöhe“ in seine Online-Infrastruktur investiert, ist einer Umfrage zufolge bei Online-Schuhkäufern aber wesentlich weniger begehrt als beispielsweise Amazon, Ebay und Zalando. Zur künftigen strategischen Ausrichtung will sich das Unternehmen erst äußern, wenn das Bundeskartellamt der Übernahme durch Capiton und Ziylan zugestimmt hat.


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