Bahnausrüster Windhoff in Rheine Gut in der Praxis, an der Börse ein Zombie

Qualitäts-Bahntechnik aus Rheine:
              
               Windhoff produziert unter anderem Schleif- und Arbeitswagen für die Schiene. Foto: dpaQualitäts-Bahntechnik aus Rheine: Windhoff produziert unter anderem Schleif- und Arbeitswagen für die Schiene. Foto: dpa

Rheine. Wenn ein Schienennetzbetreiber seine Gleise abschleifen lässt, dann ist es wahrscheinlich, dass es mit einem Schleifwagen der Firma Windhoff aus Rheine geschieht. Der Bahnausrüster steht in der Branche für Qualität. Für die die Windhoff-Aktie gilt das nicht.

Schleifwagen sind nur eines von vielen Produkten, mit denen Windhoff erfolgreich ist. Weniger erfolgreich verlief die kurze Börsenkarriere des Unternehmens. Aktien kosten derzeit um die vier Cent das Stück. Sie sind an den Börsen in Frankfurt und Düsseldorf gelistet, haben aber mit dem Geschäft von Windhoff nichts mehr zu tun. Die Aktien fristen ihr Dasein als leere Hülle, Mantel genannt. Das ist an der Börse nicht Ungewöhnliches. Es gibt viele solcher Börsenzombies. Diese Entstehen meist nach Unternehmenspleiten oder Übernahmen, die in eine Umwandlung der übernommenen Kapitalgesellschaft in eine GmbH münden.

2001 Insolvenzantrag gestellt

Mit der ehemaligen Windhoff AG ist beides passiert. Das Unternehmen hatte nach verlustreichen Jahren im Januar 2001 Insolvenzantrag gestellt. Schon das Jahr 1996 war ein Krisenjahr gewesen. Die Süddeutsche Zeitung hatte damals „gravierende Managementfehler und zum Teil öffentlich ausgetragene Differenzen zwischen den Großaktionären“ ausgemacht.

Im März 2002 übernahm die Georgsmarienhütte Holding GmbH (GMH) die Bereiche Schienenfahrzeuge, Bahn- und Anlagentechnik von Windhoff. Seitdem wird das Unternehmen unter dem Namen Windhoff Bahn- und Anlagentechnik GmbH geführt. Die Rheiner haben sich auf Spezialprodukte in diesem Bereich konzentriert, stellen also keine herkömmlichen Lokomotiven oder Waggons her, sondern Fahrzeuge, die mithilfe verschiedener Module „spezialisiert“ werden. Container, Kräne, Arbeitsbühnen und vieles mehr lassen sich je nach Zweck anpassen und erweitern. So entstehen Lösch- und Rettungsfahrzeuge, Trägerfahrzeuge für Krane, Arbeitsbühnen, Kabeltrommeln und sogenannte „Sozialcontainer“, in denen Arbeiter auf mobilen Baustellen untergebracht werden können.

Unternehmen wurde 1889 gegründet

Im Bereich Bahntechnik rüstet Windhoff Werkstätten von Bahn- und Nahverkehrsbetrieben aus, liefert unter anderem Hebeanlagen, Arbeitsbühnen, Drehscheiben, Drehgestellmessstände, Drehgestellwechsler, Radlastwaagen, Radsatzwechsel und Schiebebühnen.

Die Bahntechnik hat eine lange Tradition bei Windhoff. Der Ingenieur Rudolf Windhoff gründete die „Rheiner Maschinenfabrik“ im Jahr 1889. Das junge Unternehmen belieferte die vielen Textilunternehmen im Münsterland. Kurz darauf kamen die Eisenbahngesellschaften als Kunden hinzu, damals eine wahre Boombranche.

Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg

Die beiden Weltkriege waren keine gute Zeit für den Konzern. Tiefpunkt der Unternehmensgeschichte: ein Bombenangriff, der den Standort Rheine am 5. Oktober 1944 komplett zerstörte. Nach dem Krieg gelangen der Windhoff AG gelangen der Neustart und Wachstum über die Wirtschaftswunderjahre hinaus. Der Börsengang folgte am 12. Oktober 1993. Anleger konnten die Aktien damals für 375 D-Mark (191,73 Euro) kaufen.


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