Eier-Code bald auch auf Kekspackung? Käfigeier in Lebensmitteln: Forderung nach Kennzeichnung



Osnabrück. Käfighaltung von Legehennen ist in der Europäischen Union verboten. Und doch finden Käfigeier ihren Weg in europäische Supermärkte: Als gekochte und vorgefärbte Eier. Oder weiterverarbeitet in Keksen, Kuchen, Likören oder Mayonnaise. Eine Kennzeichnungspflicht besteht nicht. Doch die Forderung danach wird immer lauter.

  • Trotz Verbot der Käfighaltung in Europa werden immer noch Produkte mit verarbeiteten Käfigeiern in der EU verkauft
  • Tierschützer, Politiker und Eierproduzenten fordern eine verpflichtende Kennzeichnung
  • Der größte Eierzertifizierer Europas will den Eier-Code auch auf Lebensmittelverpackungen übertragen
  • Die Lebensmittelindustrie macht sich für eine Freiwilligkeit stark und warnt vor Wettbewerbsverzerrung

Weniger als ein Din-A4-Blatt Platz bleibt den Legehennen in den oftmals übereinandergestapelten Käfigen. Legebatterie hat sich als Kampfbegriff für die kostengünstige aber wenig tiergerechte Form der Eierproduktion eingebürgert. Seit 2012 ist die Käfighaltung innerhalb der Europäischen Union verboten. Käfige gibt es zwar immer noch in Form der sogenannten Kleingruppenhaltung, bei der den Hennen etwas mehr Platz bleibt. Doch ab 2025 ist auch damit in Deutschland Schluss.

„Versteckte Käfigeier“, wie es Friedrich-Otto Ripke vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) nennt, gibt es aber nach wie vor in so gut wie jedem Supermarkt. „Das darf nicht sein“, findet der Vorsitzende des Vereins, dem EU-weit 2300 Legebetriebe mit etwa 76 Millionen Legehennen angeschlossen sind. Jahresproduktion: nach eigenen Angaben etwa 22 Milliarden Eier. Fast jedes frische Ei aus Öko-, Freiland-, oder Bodenhaltung in einem Supermarkt stammt aus einem KAT-Betrieb. Über einen entsprechenden und mittlerweile gesetzlich verpflichtenden Code lässt sich die Herkunft des Eies nachvollziehen. (Weiterlesen: Das bedeutet der Code auf dem (Oster-)Ei)

Grüne sprechen von Tierquälerei

So eine Kennzeichnung gibt es für weiterverarbeitete Eier bislang nicht. Dem Verbraucher fehlt damit die Möglichkeit, sich gegen Käfigeier zu entscheiden. Doch die Allianz derjenigen, die sich für eine Kennzeichnungspflicht stark machen, ist breit. Im Bundesrat wird beispielsweise auf Betreiben grüner Länderagrarminister derzeit beraten, ob die Länderkammer die Bundesregierung zur Einführung einer Kennzeichnungspflicht auffordern sollte. „Eier aus Käfighaltung bedeuten Tierquälerei und werden nicht mehr akzeptiert“, sagte dazu etwa Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel (Grüne).

Den Tierschutzbund weiß er hinter sich. Der verweist in einer Mitteilung zu Ostern darauf, dass gerade jetzt viele der vorgefärbten Eier in Supermärkten aus Käfighaltung stammen, wenn dies nicht anders gekennzeichnet sei. „Der Deutsche Tierschutzbund appelliert daher an alle Verbraucher, auf solche Produkte zu verzichten.“ (Weiterlesen: Mit der Spitze nach unten: Eier richtig lagern)

Produzenten pro Kennzeichnung

Und selbst von Seiten der Produzenten kommt Unterstützung für den Grünen-Antrag. Günter Scheper vom Bundesverband Deutsches Ei sagt, der Kunde lege Wert auf Eier aus Deutschland. „Um diesem Verbraucherwunsch Rechnung zu tragen, wünscht sich die deutsche Eierwirtschaft eine ausgeweitete Kennzeichnung der deutschen Herkunft“, so Scheper.

Der Eier-Zertifizierer KAT jedenfalls stünde bereit, sein Kennzeichnungssystem auf weiterverarbeitete Lebensmittel zu übertragen. „Unser Ziel: Möglichst bald soll das KAT-Logo auf die Lebensmittelverpackungen. Schrittweise kann dann der Eier-Code auf Keks- oder Nudeltüten etabliert werden.“ So könne der Verbraucher die Herkunft der Eier bis zum jeweiligen Betrieb rückverfolgen, sagt Vorsitzender Ripke. Was also jeder Verbraucher als Aufdruck auf der Eierschale kennt, könnte demnächst auch auf Lebensmittelverpackung zu finden sein. „Dazu planen wir Gespräche mit den Lebensmittelproduzenten.“

„Coppenrath und Wiese“ verzichtet auf Käfigeier

Einige verzichten bereits freiwillig auf die potenziell billigeren Eier auf Käfighaltung. Tortenproduzent „Coppenrath und Wiese“ erklärt auf seiner Internetseite, nur Eier aus Bodenhaltung zu verwenden. Andere tun sich da schwerer. Der weltweit drittgrößte Lebensmittelproduzent Mondelez aus Illinois verkündete im Januar, dass er bis 2020 komplett auf Käfigeier verzichten und nur noch Eier aus Bodenhaltung verarbeiten wolle. In den USA.

In Europa, wo die Käfighaltung ja eigentlich bereits verboten ist, genehmigte sich der Konzern eine Frist bis 2025. Eine solche Verpflichtung benötige Zeit, „sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung“, versucht ein Sprecher zu begründen. In bekannten Mondelez-Marken wie Milka oder Toblerone würden in Europa bereits jetzt keine Käfigeier mehr verwendet. Ab Anfang 2016 sei dann auch für „Miracle Whip“ oder Kraft Salat-Mayonnaise die Umstellung auf Eier aus Bodenhaltung geplant. Welche Produkte weiter Eier auf Käfighaltung beinhalten, teilt der Sprecher nicht mit.

Branchenverband warnt

Der Spitzenverband der Branche, der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), setzt weiter auf Freiwilligkeit und spricht auf Anfrage von einem „Instrument zur wettbewerblichen Positionierung der Anbieter im Markt“. Sprich: Wer auf Käfigeier verzichtet, kann damit werben. Eine nationale Kennzeichnungspflicht führe zudem zwangsläufig zu Wettbewerbsverzerrungen, wenn diese Auflage für ausländische Produzenten nicht gelte und die somit Geld sparten. „Ferner wäre die europarechtliche Zulässigkeit eines solchen Alleingangs fraglich“, teilt ein BLL-Sprecher mit.

Laut KAT dürfte die Zahl der Lebensmittel mit Käfigeiern aber zunehmen. Seit Anfang des Jahres gilt ein Freihandelsabkommen mit der Ukraine. Hier ist die Käfighaltung der Legehennen noch erlaubt. 3560 Tonnen Eier und Eierprodukte aus den Legebatterien wurden bereits 2015 in die EU importiert. Durch das Abkommen dürfte die Zahl weiter zunehmen, vermutet Ripke. „Wir sollten jetzt alles tun, damit Käfigeier nicht über die Hintertür wieder in unsere Lebensmittel gelangen“, sagt er.


Trotz aller Liebe der Deutschen zum heimischen Ei ist die Branche auch stark von Importen geprägt: 6,22 Milliarden Schaleneier, also etwa die Hälfte der heimischen Produktion, kamen 2015 als Importe nach Deutschland. Der Löwenanteil davon, rund 4,32 Milliarden Eier, kam aus den Niederlanden. Der östliche Nachbar Polen schickte immerhin noch 1,11 Milliarden Eier über die Grenze. Im Gegenzug gingen 2015 etwa 1,67 Milliarden deutsche Eier in den Export, mehr als die Hälfte davon (0,91 Milliarden) zum Hauptimporteur - den Niederlanden. (dpa)

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