Vornbäumen Stahlseile Seile aus Bad Iburg halten Schiffe und retten Leben

Seilproduktion in Bad Iburg: Vornbäumen Stahlseile will sich die USA als Exportmarkt vornehmen. Foto: VornbäumenSeilproduktion in Bad Iburg: Vornbäumen Stahlseile will sich die USA als Exportmarkt vornehmen. Foto: Vornbäumen

  Bad Iburg.  Die dicksten Seile halten Schiffe und Ölbohrplattformen an Ort und Stelle, die feinsten Drähte können als Medizinprodukt Menschenleben retten: Vornbäumen Stahlseile aus Bad Iburg ist einer der letzten Hersteller seiner Art in Deutschland – und behauptet sich mit hoher Flexibilität und einer breiten Produktpalette am international umkämpften Markt.

So misst der dünnste bei Vornbäumen verarbeitete Draht nur 0,02 Millimeter im Durchmesser, ein Drittel eines Haares. Die wuchtigen Sechs-Zentimeter-Trosse halten dagegen Brücken zusammen, heben Lasten an Kränen oder sichern eben Schiffe an Ort und Stelle.

Branche stark geschrumpft

Die Branche ist in den vergangenen Jahrzehnten zumindest in Deutschland stark geschrumpft. Von gut 50 Seilereien in den 1970er-Jahren sind bis heute keine zehn übrig geblieben. Zwei davon sitzen in Bad Iburg: Vornbäumen und das Drahtseilwerk Tepe. Man kennt sich. „Wir sind der letzte Allrounder“, sagt Geschäftsführer Carsten Stefanowski. Das Unternehmen ist so breit aufgestellt, dass viele Produktgruppen einen Umsatzanteil von unter fünf Prozent ausmachen. Vornbäumen lebt vom Erfolg in vielen Nischen, produziert Aufzugsseile, Seile für Steinsägen und Bremsseile für Autohersteller. Das Massengeschäft hingegen liege längst in der Hand von Herstellern aus Niedriglohnländern. „Wenn es um Langlebigkeit und Qualität geht, kaufen aber auch die Chinesen unsere Produkte“, sagt er.

Exportquote 65 Prozent

Zwei Drittel der Produktion geht ins Ausland. Nachfrage kommt unter anderem durch die Nähe zu den Häfen in den Niederlanden und Belgien und aus der Schweiz. Aus der Alpenrepublik erhält das Unternehmen unter anderem Aufträge für Seilbahnseile und Produkte für die Forstindustrie. „Ein starker Markt für uns“, sagt der Geschäftsführer.

Während sich Importeure Standardware auf Lager legten, könne Vornbäumen in weniger als drei Wochen ein individuelles Seil durchs Werk bekommen. „Wir wollen damit werben, dass wir so schnell sind wie kein anderer“, sagt der Unternehmer. Das soll künftig in noch kürzerer Zeit gelingen, weshalb er in schneller laufende Maschinen investiert. Die Fertigungstiefe liege bei 98 Prozent. Stefanowski: „Wir machen fast alles selbst.“

Ableger in Sachsen-Anhalt

Das betrifft auch die Produktionsanlagen: Das Unternehmen leistet sich eine eigene Abteilung für den Maschinenbau, hat alle Abläufe auf dem Betriebsgelände im Iburger Stadtkern selbst in der Hand. „Darauf legt die Gesellschaft Wert“, betont der Unternehmenslenker.

Am Firmensitz in Bad Iburg arbeiten 165 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende. „Wir versuchen dann auszubilden, wenn wir Chancen auf eine Weiterbeschäftigung sehen“, sagt Stefanowski. Weitere 18 Mitarbeiter beschäftigt Vornbäumen in der Spiralen-Produktion am Standort Allstedt bei Halle (Saale). Der jährliche Umsatz liegt bei 25 Millionen Euro. Stefanowski leitet das 1889 gegründete Familienunternehmen als Geschäftsführender Gesellschafter in vierter Generation.

USA im Fokus

Künftig soll sich das Unternehmen noch mehr auf Spezialprodukte konzentrieren, weitere Nischen besetzen. „Das müssen wir unbedingt tun, wenn wir weiterhin hier produzieren wollen“, sagt er. Zudem hat er die USA im Blick – dorthin hat Vornbäumen bislang keine Kontakte, mangels großer Wettbewerber sieht der Unternehmenslenker dort aber ein großes Potenzial.

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