Trends der Cebit 2016 Biohacking: Dieser Chip geht unter die Haut

Von Christian Ströhl


Hannover. Mensch und Technik verschmelzen: Das Unternehmen „Digiwell“ aus Hamburg implantiert auf der Cebit live Computerchips. Doch wofür ist das gut? Wir haben mit Firmenchef Patrick Kramer gesprochen.

Einen Türschlüssel braucht Patrick Kramer nicht, ebenso wenig einen Autoschlüssel oder Visitenkarten. Der Geschäftsführer der Hamburger Firma „Digiwell“ trägt einen kleinen Chip unter der Haut, der all diese Funktionen übernimmt. Auf der Cebit sorgt seine Firma für großes Aufsehen, da sie mutigen Besuchern solche Chips live implantiert.

80 sogenannte „NFC-Chips“ (Near-Field-Communication“, deutsch: Nahfeldkommunikation) hatte „Digiwell“ zum Start der Cebit im Gepäck – fünf seien noch übrig. Kramers Vision ist das „Internet of us“, also den Menschen selbst ins Internet zu bringen. „Dafür stellen wir Implantate vor und chippen auch Besucher“, sagt er.

Wozu das Ganze?

„Die Anwendungsbereiche sind überall da, wo ich mich identifizieren muss: Bei Mitarbeiterausweisen, im Fitnessstudio, beim Öffnen der Haustür. Außerdem habe ich meine Visitenkarten darauf gespeichert, auf die ich mit dem Handy via NFC zugreifen kann“, sagt Kramer. 888 Byte, also deutlich weniger als auf einem gängigen USB-Stick, passen auf den Chip.

Ein Unternehmer aus Hamburg, der namentlich nicht genannt werden möchte, ließ sich ein solches Implantat einsetzen. Ob es weh tat, als Kramers Mitarbeiter ihm die dicke Nadel in die linke Hand schob? „Ja, natürlich“, sagt er. Trotzdem lächelt der Mann. „Wir haben in unserer Firma eine Sicherheitstür. Dafür lade ich mir Zuhause die Daten per Handy auf den Chip und spare mir zukünftig die Zutrittskarte“, sagt er. Mit einem dicken Pflaster auf der Hand verlässt er Kramers Stand.

Smarte Implantate

Die Schmerzen und das Pflaster tun dem Trubel bei „Digiwell“ aber keinen Abbruch. „Das Medienecho ist unglaublich. Wir werden geradezu überrollt – nicht nur von deutschen Medien, sondern auch von internationalen“, sagt Kramer. So hätte sich ein Redakteur eines russischen TV-Senders etwa live im Fernsehen chippen lassen, erinnert sich Kramer. Auch Al Jazeera oder CNBC hätten seinen Stand besucht.

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„Wir sind eigentlich auf die Cebit gekommen, um die nächste Generation von Chips vorzustellen – eine neue Art von Implantat“, sagt Kramer. Dieses Implantat sei dünner und nicht mehr zu sehen und zu spüren. „Bei mir kommt es nach der Cebit in den Mittelfinger“, sagt Kramer.

Mensch wird Cyborg

Was klingt wie Science-Fiction, ist längst Realität. Der Mensch wird zum Cyborg und verschmilzt mit der Maschine. Kramer bedient mit seinen Produkten einen Trend der Cebit – „Biohacking“ – und wurde vom Veranstalter dementsprechend als eines der Highlights angekündigt. Auch der Leiter des schwedischen Biohacker-Verbands, Hannes Sjoblad, warb auf der Veranstaltung für den Einsatz digitaler Implantate im Alltag. Mit Hinweis auf einen Schlüsselbund meinte er: „Diese Technologie hat sich seit den Römern nicht geändert.“

Er selbst habe einen implantierten Chip im Finger, der Türen öffne. Bio-Implantate seien weitaus klarer und eindeutiger als etwa biometrische Daten. „Es gibt dem menschlichen Körper neue Fähigkeiten“, meinte Sjoblad. Zahnärzte würden lediglich Plomben statt intelligente Chips implantieren. „Das sind Top-Immobilien“, meinte er mit Hinweis auf seine Zähne.