Leere Stände und große Geschäfte Cebit 2016: Regionale Aussteller ziehen Zwischenbilanz



Hannover. Auf der Cebit 2016 präsentieren sich dem Fachpublikum über 3300 Aussteller – darunter auch 24 aus Osnabrück und dem Emsland. Zum Bergfest der Messe ist die Stimmung bei den Unternehmen unterschiedlich. Während die einen das große Geschäft mit SAP und Toyota wittern, blicken die anderen auf leere Stände.

Ein Blaumann mit Meyer-Werft-Emblem auf der Brust sticht erwartungsgemäß aus den grau-schwarzen Anzügen, die das Erscheinungsbild der Messebesucher bestimmen, heraus. Die Schweißer-Kleidung passt nicht ins B2B-Gerangel auf dem Messegelände. Florian Maaß, der Träger des Blaumanns und Hilfswissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), klärt auf: „Es handelt sich um einen Sensoranzug, der Rückmeldung zu körperlicher Aktivität liefert.“

Sensoranzug beugt Verletzungen vor

Maaß öffnet den Blaumann und zeigt auf die 19 Sensoren im Innenfutter. Die damit erfassten Daten erzeugen auf einem Monitor eine Art Skelett. Bewegt Maaß den Arm, bewegt sich sein virtuelles Abbild. „In körperlich anstrengenden Berufen bilden stark belastende Bewegungsabläufe ein erhebliches Risiko für Berufskrankheiten“, erklärt der Hilfswissenschaftler. Der Anzug und die dazugehörige Software zeichnen die Bewegungen, etwa die eines Schweißers, auf. Auf Basis der Daten könne dann ein Betriebsarzt den Arbeiter auf die falschen Bewegungen hinweisen. Unterstützend liefert der Anzug selbst über kleine Motoren Rückmeldung über problematische Bewegungsabläufe, sagt Maaß.

Fast zwei Jahre laufe das Projekt des DFKI bereits. Die Fachhochschule Osnabrück ist an der Entwicklung beteiligt, die Meyer Werft unterstützt das Projekt finanziell – und verfolgt wohl auch eigene Interessen. „Die wenigsten Leute wollen heute noch körperlich anspruchsvolle Berufe erlernen“, sagt Maaß. Darum könne der Anzug dazu dienen, „qualifiziertes und älteres Personal länger im Betrieb zu halten“.

Digitalisierung ist überall

Apropos Personal: Wenige Worte hört man so häufig auf der Cebit wie Personal. Es geht um Personalmanagement, -wesen, -planung und -effizienz. Unter dem Motto der Cebit „d!conomy“ - übrigens demselben wie im vergangenen Jahr – vereinen sich 2016 auch das Marketing-, Finanz- und eben Personalwesen.

Lingener vereinfachen Personalwesen

Eine Firma, die sich im Bereich Human Resources (Personalwesen) spezialisiert hat, ist „Computer und Software – Anita Rakers“ aus Lingen. Mitarbeiter André Kohmäscher erklärt: „Unsere Software soll Prozesse im Personalwesen vereinfachen.“ Das könne etwa die Abrechnung, das Zeitmanagement oder die Personalwirtschaft betreffen. „Die Resonanz ist bislang gut“, sagt Kohmäscher. Seitdem die Cebit eine Fachmesse ist, seien die Kontakte qualitativ besser.

Die Firma „MSoft“ aus Dissen steuert in eine ähnliche Richtung, wie das Lingener Unternehmen. „MSoft“ bietet kaufmännische Software an, erklärt Partnermanager Mike Schmidt. Optimierung und Dokumentierung von Arbeitsprozessen stünden im Vordergrund.

Der gläserne Arbeiter?

Ein Beispiel der Applikation „Time4“: ein Dachdecker erhält einen Auftrag vom Chef bereits am Vorabend, weil sich der Einsatzort in 20 Kilometer Entfernung befindet. In der App findet der Arbeiter die notwendigen Materialien, die Adresse und mögliche Ansprechpartner. Am Tag darauf startet der Dachdecker eine halbe Stunde früher zur Arbeit, holt noch zwei Kollegen ab und dreht nach einer halben Stunde Arbeit wieder um, weil das Wetter nicht mitspielt. All das dokumentiert er per App und der Chef weiß umgehend Bescheid. „Das Produkt ist ein voller Erfolg“, sagt Schmidt. Dennoch sei es eine „verhaltene Cebit“. Er wünsche sich mehr Zulauf.

Toyota und SAP wollen Produkte aus Osnabrück

Anders sieht es am Stand von „Salt and Pepper Software“ aus Osnabrück aus. Dort verabschiedeten Geschäftsführer Timo Seggelmann und Ludger Ahlers gerade Vertreter von Toyota. Vorher zeigte sich SAP interessiert an ihren Produkten. Die Firma, die zur „Salt and Pepper-Gruppe“ gehört, präsentiert auf der Cebit zum einen Programme zur Effizienzsteigerung in Unternehmen. Zum anderen zeigen Seggelmann und sein Team, wie Virtuelle Realität in Produktentwicklung Einzug halten könnte. Mit ihrer „Lösung“ sollen Ingenieure aus China und Deutschland zeitgleich an einem Produkt arbeiten, es weiterentwickeln und an die Gepflogenheiten des jeweiligen Landes anpassen können. „Die Resonanz ist super – wir sind sehr zufrieden“, sagt Seggelmann.

Fördergelder finden „leicht gemacht“

Ob „Salt and Pepper“ dabei noch auf Fördergelder angewiesen ist, verriet Seggelmann nicht. Falls ja, könnte er bei Kay-Detlev Brose aus Osnabrück nachfragen, der seinen Stand nur ein paar Meter entfernt von Seggelmanns Team aufgebaut hat. „Brose Wissensmanagement“ präsentiert sich auf der Cebit als Ansprechpartner für gewerbliche und private Unternehmen sowie kommunale Einrichtungen, die Fördergelder beantragen wollen. Brose bietet ein Programm zur Fördermittel-Analyse an.

Warum das Ganze? „Bei Fördergeldern gibt es eine so hohe Änderungsgeschwindigkeit – dagegen ist das Steuerrecht statisch“, sagt Brose. Die Übersicht ginge bei bis zu 5000 verschiedenen Fördermöglichkeiten in Deutschland schlicht verloren. Oft wissen Unternehmen gar nicht, dass ihnen Fördergelder zustehen, ergänzt Brose. Kunden wie RWE würden bereits auf sein Produkt vertrauen. Bei der diesjährigen Cebit sei die Resonanz „ok“, sagt Brose. Nicht mehr, und nicht weniger.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN