Zwang zum Sparen Niedersachsens Sparkassen vor weiteren Einschnitten

86 Geschäftsstellen geschlossen, 811 Mitarbeiter weniger: Die Sparkassen in Niedersachsen befanden sich im Jahr 2015 auf dem Rückzug. Foto: dpa86 Geschäftsstellen geschlossen, 811 Mitarbeiter weniger: Die Sparkassen in Niedersachsen befanden sich im Jahr 2015 auf dem Rückzug. Foto: dpa

Hannover. 86 Geschäftsstellen geschlossen, 811 Mitarbeiter weniger: Die Sparkassen in Niedersachsen sind auf dem Rückzug. Die Kreditinstitute sehen sich zum Sparen gezwungen.

Trotz spürbarer Einschnitte spricht Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen, von einem zufriedenstellenden Jahr 2015. Für die 46 Geldhäuser zwischen Nordsee und Weserbergland hätte es schlimmer kommen können. Wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank schrumpfen die Einnahmen aus dem Kreditgeschäft zusehends, es ist Kern des Geschäftsmodells der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Die zunehmende Regulierung der Banken treibt derweil die Kosten. Wegen eines guten Geschäfts mit der Vergabe neuer Kredite hätten sich die düsteren Prognosen für 2015 schließlich nicht bewahrheitet, so Mang. Das Kreditvolumen stieg um 2,6 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro.

„Definitiv schlechtere Zeiten nach 2016“

Gleichzeitig warnte er am Dienstag: „Nach 2016 werden wir definitiv schlechtere Zeiten haben.“ Grund dafür: Die sogenannte Zinsmarge, die derzeit noch 2,2 Prozent beträgt, werde in diesem Jahr auf knapp über zwei Prozent und in den Folgejahren weiter schrumpfen. „Das steht definitiv so fest.“ Die Zinsmarge ist die Differenz aus Einnahmen durch die Kreditvergabe und den Kosten für Zinsen auf Einlagen der Kunden. Sie ist Haupteinnahmequelle.

Wegen der Niedrigzinsen legen die Kunden ihr Geld seltener an. Termingelder gingen 2015 um 30 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück, Eigenemissionen wie Sparkassenbriefe um 21 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Stattdessen liegt das Geld auf der hohen Kante: Sichteinlagen stiegen um 9,4 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro.

Filialen auf dem Prüfstand

Trotz der Schwarzmalerei: Die niedersächsischen Sparkassen kamen 2015 auf ein Betriebsergebnis (vor Bewertung) von 920 Millionen Euro. Das sind zehn Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Damit werde eine Reserve für die kommenden Jahre geschaffen, sagte Mang, „die wir auch definitiv benötigen werden“.

Schon jetzt bereiten sich die Sparkassen auf die drohenden schlechten Zeiten vor. Wegen sinkender Einnahmen, aber auch wegen des zunehmenden Online-Bankings prüfen sie alle Kosten. So macht die Sparkasse Osnabrück derzeit 17 ihrer 58 Filialen dicht. Damit folgt sie dem Trend. 2015 sind landesweit 86 der 1101 Zweigstellen geschlossen worden. Die Mitarbeiterzahl ist um 811 auf 22.759 gesunken.

Fusionen stehen bevor

Weitere Einschnitte stehen laut Mang bevor. So gibt es in Niedersachsen noch 59 Filialen, die lediglich mit einem Angestellten besetzt sind. Diese würden zumeist in reine Automatenstandorte umgebaut. Der weitere Personalabbau erfolge ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Geringere Kosten und effizientere Strukturen erhoffen sich einige Institute durch Fusionen. So haben sich die Sparkassen Hameln und Weserbergland Anfang 2016 zusammengetan. Zwischen den Sparkassen Peine, Hildesheim und Goslar laufen die Gespräche. Wegen des Bevölkerungsschwunds in Südniedersachsen seien Zusammenschlüsse der sechs Geldhäuser zwischen Südharz und der Region Weserbergland denkbar. „Wer mit wem und wann ist noch völlig unklar, da ist noch nichts angegangen“, betonte Verbandsgeschäftsführer Günter Distelrath.

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