Exportmeister aus Lengerich Windmöller & Hölscher investiert 30 Millionen Euro

Maschinen für die Produktion von Folien und Co.: Windmöller & Hölscher-Mitarbeiter Ercan Tezcan bei der Inbetriebnahme. Foto: Thomas ErnstingMaschinen für die Produktion von Folien und Co.: Windmöller & Hölscher-Mitarbeiter Ercan Tezcan bei der Inbetriebnahme. Foto: Thomas Ernsting

Lengerich. In den Außenwänden klaffen haushohe Löcher, Kunststoffplanen halten den Regen fern. Der Firmensitz von Windmöller & Hölscher in Lengerich ist eine Großbaustelle. Das Unternehmen, das Maschinen zur Produktion von Verpackungsmaterial herstellt, macht sich fit fürs Jubiläumsjahr. 2019 wird es 150 Jahre alt. Bis dahin investiert der Mittelständler aus dem Tecklenburger Land mehr als 30 Millionen Euro in die Standorte in Lengerich.

Entstanden sind seit dem Baustart im Jahr 2014 bereits neue Schauräume, in denen Kunden die bis zu 20 Meter hohen Anlagen im Betrieb erleben können. Sie produzieren und bedrucken etwa Folien, Beutel und Säcke aus Papier und Kunststoff. Auch ein neues Bürogebäude ist fertig. Weitere Büros und zusätzliche Schauräume sollen noch entstehen. Der Firmensitz soll so für die nächsten 30 bis 40 Jahre gerüstet sein.

Firma sieht sich als Weltmarktführer

Noch in den Gründungsjahren hat sich Windmöller & Hölscher vom Verpackungshersteller zum Maschinenlieferanten gewandelt. Jürgen Vutz, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht die Firma mit ihrem Leistungsspektrum als Weltmarktführer. Etwa acht Prozent des Umsatzes gibt sie jährlich für Forschung und Entwicklung aus, um diese Stellung zu behaupten. Nach einer Statistik des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist das doppelt so viel wie bei Firmen vergleichbarer Größe.

Die Verpackungsmaterialien, die die Maschinen produzieren, sind oft Hightech-Produkte. Bis zu neun Folienschichten sorgen dafür, dass zum Beispiel Käse im Ladenregal geruchsdicht sowie vor Feuchtigkeit und UV-Strahlen geschützt verpackt ist – jede Schicht erfüllt dabei eine eigene Aufgabe. „Mit unseren Produkten tragen wir dazu bei, dass mehr vom Acker auf dem Tisch landet“, sagt Vutz.

Produktion sehr gut ausgelastet

Mit 1900 Mitarbeitern in Lengerich ist Windmöller & Hölscher im Tecklenburger Land fest verwurzelt – mit einem Exportanteil von 93 Prozent aber global aufgestellt. Aktuell sei die Produktion sehr gut ausgelastet. Der Auftragsbestand reiche sechs bis neun Monate in die Zukunft. „Der Auftragseingang bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau“, sagt Vutz. „Wir kompensieren Rückgänge in Krisenregionen durch unser international breit aufgestelltes Geschäft.“ Zuletzt sei die Nachfrage nach Maschinen für die Produktion von Folien und Co. in Südeuropa stark angestiegen. „Nach langer Zurückhaltung“, sagt er.

Weltweit kommt die Unternehmensgruppe auf gut 2500 Mitarbeiter, Tendenz seit Jahren steigend. Ebenso der Umsatz: Dieser wuchs 2015 um 60 Millionen auf 720 Millionen Euro. Das Ziel fürs Jubiläumsjahr 2019 liegt bei 850 Millionen Euro. Nachfahren der Gründer arbeiten heute in vierter Generation im Familienunternehmen.

Chancen im Iran und in Asien

Optimistisch blickt Manager Vutz auch auf das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. „Wir hoffen auf große neue Chancen in der Region, in der wir traditionell stark aufgestellt sind“, sagt er. „Im Iran wollen wir jetzt das aufholen, was wir in den vergangenen Jahren verpasst haben.“

Großes Potenzial sieht er zudem in Asien. Dort betragen die Pro-Kopf-Ausgaben für flexibles Verpackungsmaterial derzeit gut 40 Euro im Jahr, sagt Vutz. In Industrieländern liege der Wert zehn- mal so hoch. „Die Chinesen wollen Produkte nach westlichen Qualitätsmaßstäben haben, wir sehen dort ein hohes Entwicklungspotenzial“, sagt der Geschäftsführer.

Mit dem Betriebsklima scheint es bei Windmöller & Hölscher zu stimmen: Das legt zumindest das jährliche Ranking der „besten Arbeitgeber“ mit mehr als 500 Mitarbeitern der Wochenzeitschrift „Focus“ nahe. Das Unternehmen aus Lengerich hat es bei der jüngsten Auswertung in die Spitzengruppe der mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer geschafft – und landete dort auf Rang 27.

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