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19.01.2016, 19:45 Uhr KOMMENTAR ZUR MILCHKRISE

Milchwirtschaft in der Krise: Wachstum um jeden Preis

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Die Milchbauern kurbeln mitten in der Krise die Milchproduktion an. Foto: dpaDie Milchbauern kurbeln mitten in der Krise die Milchproduktion an. Foto: dpa

 Berlin. Die Milchpreise sind seit Monaten im Keller. Doch Mitten in der Krise nimmt die Milchproduktion zu. Die Branche setzt auf Wachstum um jeden Preis und riskiert damit auch einen Akzeptanzverlust.

Je länger die aktuelle Krise dauert, desto mehr wird sie einen Trend beschleunigen: Kleine Betriebe geben die Milchviehhaltung auf, wohingegen die größeren immer weiter wachsen, um unter den Bedingungen des Weltmarktes mithalten zu können. Das heißt: immer mehr Kühe auf immer weniger Betrieben.

Massentierhaltung

Unweigerlich wird sich damit auch die Frage nach den Produktionsbedingungen in der Milchwirtschaft stellen und der Vorwurf der Massentierhaltung lauter werden. Schon jetzt trifft das Bild von den glücklichen Kühen auf der Weide in vielen Fällen nicht mehr zu. Die Milchwirtschaft steuert auf ein Akzeptanzproblem zu, das aus der Fleischwirtschaft lange bekannt ist.

Naivität oder Kalkül?

Abgesehen davon ist es doch erstaunlich, dass die Branche über keinerlei Instrumente im Kampf gegen die Krise verfügt. Das mag man naiv nennen. Es könnte aber auch marktwirtschaftliches Kalkül sein: Sicher ist, dass der Preis wieder steigen wird. Unsicher ist nur, wie viele Betriebe diese Krise überleben. Das Sterben der Kleinen jedenfalls muss die Großen nicht stören, die es sich eher leisten können, eine Niedrigpreisphase auszusitzen. So oder so: Die Wachstumsorientierung der Branche ist bedingungslos.

Mitleid aber ist nur bedingt angebracht, schließlich ist ein Teil der weltmarktorientierten Molkereien genossenschaftlich organisiert und damit in der Hand der Landwirte selbst.


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