Trotz niedriger Preise steigt Produktion Milchproduktion steigt an: Mit Vollgas durch die Krise

Auf den Bauernhöfen in Deutschland wird derzeit mehr Milch produziert als noch vor einem Jahr. Und das, obwohl die Milchpreise im Keller sind. Foto: dpaAuf den Bauernhöfen in Deutschland wird derzeit mehr Milch produziert als noch vor einem Jahr. Und das, obwohl die Milchpreise im Keller sind. Foto: dpa

 Berlin. Trotz der anhaltend niedrigen Preise für Milch nimmt die Produktion in Europa weiter zu. Während das Plus an Milchmenge in Deutschland noch moderat ausfällt, verzeichnen andere EU-Länder sogar zweistellige Wachstumsraten. Was weiter im Keller bleibt, sind die Milchpreise selbst.

Für das erste Halbjahr 2016 zeichne sich keine Besserung ab, so Peter Stahl, Vorsitzender beim Milchindustrie-Verband (MIV), am Dienstag auf der Grünen Woche in Berlin. Der Verband vertritt Molkereien und andere Unternehmen, die Milchprodukte herstellen. Im vergangenen Jahr hätten Landwirte im Schnitt 29 Cent für den Liter Milch erhalten, rechnete Stahl vor.

Norddeutsche Bauern besonder betroffen

Ein „unbefriedigender Preis“, wie der Verbandsvorsitzende einräumte. Man sei sich der angespannten Lage auf den Bauernhöfen bewusst, versicherte er. Regional sei die Situation sogar noch schlechter: In Norddeutschland etwa habe der Jahresschnitt bei lediglich 25 bis 26 Cent gelegen. (Weiterlesen: Was der niedrige Milchpreis mit den Bauern macht)

China und Russland schuld

Laut Stahl hänge das damit zusammen, wie sich Molkereien positioniert hätten. Unternehmen mit starken Eigenmarken hätten mehr an Landwirte auszahlen können als Betriebe, die für den Export produzieren. Eine schwächere Nachfrage aus China und das Importverbot europäischer Agrarprodukte nach Russland hatten im vergangenen Jahr für ein Überangebot gesorgt, der Milchpreis ging in den Keller.

„Der deutsche Markt hat sich stabil entwickelt. Wir rechnen angesichts der vielen Flüchtlinge sogar mit steigender Nachfrage“, sagte Stahl. Den Milchbauern half das im vergangenen Jahr allerdings nicht.

Milchwirtschaft rechnet mit Wachstum

Der Verband hält an der Exportorientierung fest. Der Milchkonsum werde sich weltweit in den kommenden 30 Jahren verdoppeln, sagte der Verbandschef. Darauf gelte es sich einzustellen.

Warum zieht mitten in der Krise die Milchproduktion an? Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Menge laut MIV derzeit um vier Prozent höher aus. Frank Feuerriegel, Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft Niedersachsen verweist auf die Milchquote, die bis 2015 die Produktion nach oben hin gedeckelt hat: Vor genau einem Jahr rückte das Ende der Quote im April immer näher. Um keine Strafzahlungen zu riskieren, hätten Bauern auf die Produktionsbremse getreten. Dieser Effekt bleibe in diesem Jahr mangels Quote aus. (Weiterlesen: Milchquote: Bauern müssen 309 Millionen Euro Strafe zahlen)  

Ausgleich für Produktionsdrosselung?

Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und selbst Milchviehhalter, verweist zudem darauf, dass viele Bauern versuchen, die geringeren Einnahmen durch ein Plus an Produktion auszugleichen.

Ilchmann sieht immer mehr seiner Berufskollegen in der Existenz bedroht. Er fordert darum finanzielle Anreize für Landwirte, die Milchproduktion zu drosseln. „Am besten von staatlicher Seite aus. Wenn das nicht gelingt, dann sollten die Molkereien selbst einen Beitrag leisten.“ Mit FrieslandCampina gibt es tatsächlich ein Unternehmen, das Bauern dafür entlohnt, wenn sie weniger Milch anliefern. Hintergrund sind hier allerdings Kapazitätsengpässe, weil die Produktionsanlagen umgebaut werden.

Der Milchindustrieverband sieht darin allerdings erst einmal kein Modell für die gesamte Branche. Und auch gegen staatliche Eingriffe sprachen sich die Vertreter am Dienstag aus.

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