Mögliche Kooperation Steigt Zulieferer Magna bei VW Osnabrück ein?

Steht das VW-Werk Osnabrück vor einem Verkauf an den österreichischen Autozulieferer Magna? Entsprechende Gespräche hat es jedenfalls gegeben. Foto: Michael HehmannSteht das VW-Werk Osnabrück vor einem Verkauf an den österreichischen Autozulieferer Magna? Entsprechende Gespräche hat es jedenfalls gegeben. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Magna statt Volkswagen? Steht das VW-Werk Osnabrück vor einem Verkauf an den österreichischen Autozulieferer? Dieses Szenario wurde zuletzt offenbar konkret. Über den Jahreswechsel habe es sich zwar zerschlagen, heißt es in Werkskreisen. Vom Tisch ist der Name Magna aber nicht.

Es habe konkrete Gespräche, auch einen Besuch einer Magna-Delegation in Osnabrück gegeben. Im Raum standen nach Informationen unserer Redaktion verschiedene Szenarien: von einer Minderheitsbeteiligung am Osnabrücker VW-Werk über die Übernahme einzelner Abteilungen bis hin zum Komplettverkauf. Die Mitarbeiter seien über die Gespräche mit Magna bereits Ende Dezember vor Beginn der Werksferien informiert worden.

Zumindest die vollständige Übernahme durch Magna sei aber kein Thema mehr, heißt es im Umfeld des Werkes. Hinter den Kulissen würden beide Seiten aber weiterhin miteinander reden. Im Gespräch sei derzeit eine Kooperation mit dem österreichischen Konzern, um die Osnabrücker Autofabrik besser auszulasten.

„Prüfung möglicher Partnerschaften“

Offiziell geben sich dazu beide Seiten wortkarg. Ein Volkswagen-Sprecher betont auf Anfrage, man sei grundsätzlich an einer Auslastung der Produktion an den Standorten interessiert. „Hierfür steht die enge Zusammenarbeit innerhalb des Konzernverbundes ebenso wie eine Prüfung möglicher Partnerschaften.“ Zu konkreten Plänen will er sich jedoch nicht äußern. Ein Magna-Sprecher sagte, das Unternehmen beziehe keine Stellung zu Spekulationen im Markt.

Ein Verkauf des Werkes scheint jedenfalls ausgeschlossen. In der niedersächsischen Staatskanzlei hieß es am Mittwoch, Ministerpräsident Stephan Weil geht weiterhin davon aus, dass der Bestand des Werkes im VW-Konzern nicht infrage steht. Der SPD-Politiker gehört dem Aufsichtsrat des Autoherstellers an. Das sieht auch der Konzernbetriebsrat so: „Osnabrück gehört zu Volkswagen und wird auch weiterhin zu VW gehören“, sagt der Sprecher der Arbeitnehmervertretung, Gunnar Kilian.

Die Gewerkschaft IG Metall zeigt sich jedenfalls offen für eine mögliche Kooperation beider Unternehmen: „Zu ordentlichen Bedingungen und unter dem Dach von VW Osnabrück bauen wir gerne Autos für Dritte“, sagt Stephan Soldanski von der IG Metall Osnabrück.

Mehrmarken-Werk, Mehrmarken-Hersteller

Das Volkswagen-Werk in Osnabrück ist als jüngster europäischer Standort des Konzerns als Mehrmarkenfabrik ausgerichtet. Zurzeit produzieren die Mitarbeiter Modelle für VW und Porsche. Entwickelt wird aber auch für andere Konzernmarken wie Audi. Magna ist sowohl Zulieferer für die Automobilhersteller als auch Produzent: Im Auftrag fertigt die weltweit agierende Unternehmensgruppe derzeit die G-Klasse für Mercedes und zwei Mini-Modelle für BMW.

Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Werks fallen in eine Zeit, in der VW alles auf den Prüfstand stellen muss: Im Zuge der Affäre um manipulierte Abgaswerte drohen Strafen in Milliardenhöhe. Zudem scheinen die Absatzzahlen infolge des Imageschadens zu sinken – jedenfalls sind die Werksferien zwischen Weihnachten und Neujahr diesmal deutlich ausgeweitet worden.

Zudem hat das Werk Osnabrück seit der Übernahme durch VW im Jahr 2010 nie seine theoretische Kapazität von 100.000 Fahrzeugen im Jahr erreicht. Eine langfristige Perspektive für den Standort gibt es bis heute nicht.

Magna hatte schon einmal Interesse

Im Zuge des Insolvenzverfahrens des früheren Autoherstellers Karmann gab es schon einmal Interesse von Seiten Magnas an Fertigungskapazitäten in Osnabrück. 2010 wollte der Konzern die Produktion von Fahrzeugdächern übernehmen, scheiterte aber am Einspruch des Bundeskartellamtes. Den Zuschlag für diese Sparte bekam anschließend Valmet Automotive. Dieses Unternehmen verlagert derzeit die Produktion ins polnische Zary – es verbleibt eine Entwicklungsabteilung in Osnabrück.

In wenigen Wochen soll in Osnabrück die Produktion des VW Tiguan starten: Während am Konzernsitz in Wolfsburg bereits seit einigen Tagen das Nachfolgemodell vom Band läuft, sollen die Mitarbeiter des ehemaligen Karmann-Werkes die sogenannte Auslaufproduktion von mehreren Zehntausend Fahrzeugen abwickeln.

Alle Hintergründe zum VW-Werk Osnabrück auf unserer Themenseite: www.noz.de/vw


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