Ibbenbüren folgt in drei Jahren Drittletzte Steinkohlen-Zeche schließt in Marl

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Marl/Ibbenbüren.  Eine Ära ist an diesem Freitag in Marl am Rande des Ruhrgebiets zu Ende gegangen: Die Zeche Auguste Victoria schließt nach 116 Jahren. Es ist das drittletzte Steinkohlen-Bergwerk in Deutschland. Ende 2018 folgen die Zechen in Bottrop und Ibbenbüren.

Einst bot das Bergwerk in Marl bis zu 11 000 Menschen einen Arbeitsplatz, zuletzt waren es noch 1000. Die Hälfte von ihnen soll ab 1. Januar kommenden Jahres mit dem Rückbau beginnen – dann sollen Maschinen von unter Tage ans Licht geholt und verkauft werden.

Zur offiziellen Verabschiedung kamen am Freitag unter anderen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis. Sie nahmen um 14 Uhr die letzten aus fahrenden Bergleute am Schacht in Empfang und begleiteten sie zum Veranstaltungszelt. Kraft erhielt das symbolische letzte Stück Steinkohle.

Ausstieg aus dem Steinkohlen-Bergbau

Die Zechenschließung ist Teil des Ausstiegs aus dem hoch subventionierten deutschen Steinkohleabbau bis Ende 2018. Bundesweit gibt es nun noch zwei aktive Zechen: Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren im nördlichen Münsterland. Sie werden einigen der Bergleute aus Marl zunächst eine neue Arbeitsstätte bieten – bis auch sie im Dezember 2018 schließen müssen. Seit diesem Jahr sinkt bereits die Fördermenge.

Die Steinkohleförderung lebt in Deutschland von Subventionen, zuletzt 1,5 Milliarden Euro: Hohe Sicherheitsstandards in den mehr als 1000 Meter tiefen Bergwerken machen die heimische Kohle deutlich teurer als Importe etwa aus Australien – dort wird der Brennstoff kostengünstig im Tagebau abgetragen. 2011 hat die EU Deutschland verordnet, die staatliche Unterstützung für den Zechenbetreiber RAG einzustellen.

Die Stadt Marl will das demnächst leer stehende Zechengelände für Logistik oder gemischte Gewerbebetriebe vermarkten und so mittelfristig 1000 neue Stellen ansiedeln. Ähnliches plant schon heute die Stabsstelle „Kohlekonversion“ der Stadt Ibbenbüren. Es geht um Ideen für die Zukunft der bisherigen Bergbau-Flächen in der Region. So könnten auf den Abbau-Halden Wanderwege und Mountainbike-Strecken entstehen.

Reportage: Aus für Zeche Ibbenbüren: Hier endet das Kohlezeitalter

Bergleute werden von RAG bereits seit 1995 nicht mehr ausgebildet. So können die meisten von den Zechenschließungen Betroffenen in den Vorruhestand gehen. Für das übrige Personal aus Verwaltung und Technik gibt es je nach Standort unterschiedliche Perspektiven, sagte Bodo Risch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen, kürzlich unserer Redaktion: Während die Wirtschaft in der Zechenstadt Marl schwächelt, liegt die Arbeitslosigkeit in Ibbenbüren bei fünf Prozent – dort umwirbt die regionale Wirtschaft bereits jetzt die Fachkräfte.

Bergleute zu Fußballspiel eingeladen

Am Abend erwartete der FC Schalke 04 die Bergleute zum Spiel gegen die TSG Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga: Der von Bergarbeitern gegründete Club hatte die Kumpel eingeladen. „Die Förderung von Kohle ist ein riesiger Teil der Geschichte des Ruhrgebiets und gleichzeitig auch der unseres Vereins“, sagte Finanzvorstand Peter Peters.

Gleichzeitig endete die Kohle-Ära in Großbritannien. Dort hat am Freitag das letzte Bergwerk dichtgemacht. Zum letzten Mal kehrten die Kumpel in der Zeche Kellingley in Nordengland aus der Tiefe zurück. Rund 450 Bergleute arbeiteten zuletzt in der 30 Kilometer südlich von York gelegenen Grube. (Mit dpa, epd)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN