Komplettangebot für Gastronomen Hase, der Restaurant-Ausrüster


Osnabrück. Mit dem Liefern von Gläsern für Gasthäuser fing es vor knapp 100 Jahren bei Hase + Co. an. Feines Glas nebst Tischdekor stellt das Unternehmen auch heute noch zur Verfügung. Ebenso ist der Name des Firmengründers als Aushängeschild geblieben. Doch Georg Hase würde seinen Betrieb wohl nicht mehr wiedererkennen.

Die ursprüngliche Geschäftsidee von 1919 hat vor allem Gerhard Trentmann weiterentwickelt. Als Schüler heuerte er erst beim „alten Hasen“ als Botenjunge an, dann absolvierte er in dem Osnabrücker Traditionsunternehmen eine kaufmännische Lehre. In den 1960er-Jahren hatte Trentmann dann die zündende Idee: Er erweiterte das Sortiment um Großküchentechnik. Das Geschäft boomte. Schnell folgten eine Planungsabteilung und ein Kundendienst.

Zu Hause in Restaurants und Kantinen

„Heute ist Hase + Co. ein auf den Foodservice-Markt ausgerichtetes Handels- und Dienstleistungsunternehmen“, sagt Geschäftsführer Philipp Trentmann. „Überall dort, wo Menschen außer Haus essen und trinken, kommen wir ins Spiel.“ Kunden sind Restaurants, Raststätten, Imbisse und Discos sowie Kantinen, Kioske und Krankenhäuser. Ihnen bietet das Unternehmen ein Rundumpaket. „Vom Reißbrett bis zur Endmontage vor Ort hat der Kunde nur einen Ansprechpartner“, sagt Trentmann über seine Strategie.

Ähnlich wie in der Automobilbranche setzt er auf Partner, die zuliefern. Die Konstruktionszeichnungen werden von Innenarchitekten erledigt. Industriepartner übernehmen die Produktion der Küchengeräte. Erst den Einbau beim Kunden und den Servicedienst managt dann Hase + Co.

Das Beraten und der Aufbau der Küchentechnik sind jedoch nur ein Bereich. Angeboten wird ebenfalls ein „Gedeckter Tisch“ mit auch mietweise zu vergebendem Besteck, Glas und Porzellan. Im Bereich „Küchenzubehör“ liefert die Firma alles vom Vorlegebesteck bis zum Rührbesen.

Materialmix beim Innenausbau

Die vierte Firmensparte ist der Innenausbau. „Das hat sich entwickelt, weil die Investitionen der Kunden immer mehr vorne beim Gast stattfanden“, sagt Geschäftsführer Trentmann. Dabei geht es etwa bei einer Speiseausgabe darum, kalten Edelstahl mit warmen Materialien wie etwa Holz zu vereinen. Geliefert werden aber auch Tische, Sitzgruppen bis hin zu Böden und Wänden. „Wir bewegen uns ständig an der gesamten Wertschöpfungskette unserer Kunden entlang“, sagt er.

Wer nur einzelne Bausteine aus der Angebotspalette haben will, könne die einzeln buchen. Ein Beispiel: Ist nur Beratung gewünscht, ist man aufgrund der langjährigen Erfahrung am Markt auch gerne mal Sparringspartner, sagt Trentmann. Für Ratsuchende vermittle Hase + Co. über das eigene Netzwerk schon einmal Gespräche bei Mitbewerbern, sofern sich beide Seiten damit nicht die Butter vom Brot nehmen. „Auch damit verdienen wir Geld“, sagt der Chef.

Mehr Dienstleistungen rund ums Restaurant

Ganz sicher ist für den 36-Jährigen, dass die Dienstleistungsangebote in Zukunft die Hälfte des Firmenumsatzes ausmachen werden. Ein waches Auge dafür hatte vor 15 Jahren schon sein Vater. Er sah, dass sich mit einem Lieblingsgetränk der Deutschen, dem Kaffee, ein satter Mehrwert erzielen ließ: Hohe Margen waren und sind zu generieren, wenn die gewöhnliche Wachmachertasse mit Milch, Schaum und besonderen Bohnen zum Latte macchiato geadelt wird.

Nebenbei etwas Beratung in diesem Bereich anbieten und hier und da eine Maschine verkaufen funktionierte jedoch nicht, erzählt Philipp Trentmann. Kaffee und seine Zubereitung seien eine hochkomplexe Angelegenheit. Bei Hase + Co. entstand in der Folge eine Kaffee-Systemberatung mit eigens ausgebildeten Fachkräften. Sie verkaufen Vollautomaten an Vorstandsetagen genauso wie an das Eiscafé um die Ecke – und erzielen damit zweistellige Wachstumsraten, erzählt der Unternehmer. „Dort begeistern wir über den handwerklichen Vorgang, den die Maschine bietet.“ Zwei Millionen Euro und damit knapp zehn Prozent vom Gesamtumsatz werden in der Sparte die Kaffee-Systemberatung aktuell erwirtschaftet.

25,2 Millionen Euro Umsatz

Hase + Co. erwirtschaftete an den Standorten Osnabrück, Leipzig und Münster mit 135 Mitarbeitern zuletzt 25,2 Millionen Euro Jahresumsatz. Mit gut 100 Mitbewerbern teilt sich das Unternehmen den deutschen Gastronomiemarkt. Die Firma zählt sich selbst zu den großen fünf der Branche. Sie erlebt derzeit einen starken Konzentrationsprozess. Ausgelöst wurde die Fusionswelle vielfach durch die ungeregelte Nachfolge in den Firmen. Bei Hase + Co ist diese Frage längst geregelt. Im Jahr 2005 führte Gerhard Trentmann seinen Sohn Philipp in das Geschäft ein. Seit Dezember 2008 ist er neben seinem Vater auch als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer tätig.

Trend geht zur Systemgastronomie

Unterdessen widmet sich das Unternehmen auch der Zukunft der Gastronomie. In der sogenannten Neudenker-Akademie informiert Hase + Co. etwa über Innovationen in der Küchentechnik. Bei Trainingseinheiten werde auch an morgen gedacht, wenn etwa der Fachkräftemangel bei Köchen in den Blick komme. „Denn wenn wir etwas verkaufen wollen, wo keiner mehr ist, wird’s schwierig“, sagt Philipp Trentmann. So zeigt der Duisburger Selfmade-Koch Stefan Cammann („Faktorei“) in der Akademie, wie mit Kombidämpfern und Schnellkühlern mit wenig Personal hochgelobtes Essen gelingen kann.

Die individuelle Küche klassischer Restaurants könne viel von der Systemgastronomie lernen, meint Trentmann: „Sie ist deshalb so erfolgreich, weil dort der Küchenprozess genau durchdekliniert und extrem an der Systemsicherheit gearbeitet wurde.“ Wenn zudem ausgebildete Systemgastronomen oder Bäckereifachverkäuferinnen in die Küche eingebunden sind, könnte das den Fachkräftemangel in der Branche lindern, ist sich Trentmann sicher.

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