Landtechnik-Messe in Hannover Agritechnica 2015: Hersteller aus der Region trotzen Marktflaute

Größer, stärker, vernetzt: Neuheiten auf der Landtechnik-Messe Agritechnica. Foto: dpaGrößer, stärker, vernetzt: Neuheiten auf der Landtechnik-Messe Agritechnica. Foto: dpa

Hannover. Der Vorhang geht auf, es erscheint ein grau-rotes XXL-Gefährt. „Taurus 2803“ heißt die gigantische Maschine vom Güllespezialisten Kotte aus Rieste im Osnabrücker Land, die gerade auf der Landtechnik-Leitmesse Agritechnica Premiere feiert. Sie soll bis zu 28.000 Liter Gülle aufs Feld bringen können.

Das Fahrzeug ist der erste Selbstfahrer der Firma mit 110 Mitarbeitern. Vor zehn Jahren wäre so ein Produkt nicht infrage gekommen, sagt Geschäftsführer Stefan Kotte. Aber: „Die Bedingungen ändern sich, und jetzt ist der Markt reif für dieses Produkt.“

Die Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Vor allem große Agrarunternehmen und Lohnunternehmer steigern ihre Effizienz durch größere und digital vernetzte Maschinen. So sollen beim neuen Kotte-Gülleselbstfahrer ein Tablet-Computer und ein Joystick ausreichen, um ihn zu steuern.

Mehr Aussteller aus dem Ausland

Auf der Landtechnik-Leitmesse Agritechnica zeigen 2900 Aussteller aus 52 Ländern bis Samstag ihre Neuheiten, davon 1619 aus dem Ausland. Im Vergleich zur letzten Messe 2013 ist die Beteiligung aus dem Ausland um sieben Prozent gestiegen. Stark vertreten sind Italien (399), Niederlande (113), Türkei (112) und Frankreich (103). Mit 100 Ausstellern folgt China auf Platz fünf. Der Veranstalter, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), erwartet mehr als 400 000 Besucher.

Die Rahmenbedingungen sind schwierig: Preise für Milch und Fleisch sind nach einem Hoch teils stark gefallen, Hintergrund ist ein Überangebot etwa wegen des russischen Importverbots im Zuge der Ukraine-Krise. Gleichzeitig ist die Pacht von Ackerflächen teurer geworden. „Das ist natürlich etwas, was die Stimmung in der Landwirtschaft nicht euphorisch werden lässt“, sagte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer unserer Redaktion. Gleichzeitig gibt es gesellschaftliche Diskussionen wie über die Tierhaltung oder die Belastung von Böden und Grundwasser mit Nährstoffen.

Kein gutes Jahr für die Branche

Die Probleme wirken sich weltweit auf die Nachfrage nach Landmaschinen aus: Für die Branche wird 2015 kein gutes Jahr. Der Verband VDMA Landtechnik erwartet unter den deutschen Herstellern einen Umsatzrückgang um zehn Prozent auf sieben Milliarden Euro – nachdem die Erlöse schon 2014 um acht Prozent geschrumpft waren. Weltweit werde das Volumen von 100 auf 90 Milliarden Euro sinken.

Dennoch sei das Investitionsklima grundsätzlich gut, sagt DLG-Präsident Bartmer: „Die Stimmung der Landwirte ist besser als angenommen.“ Der Ausblick für die Agrarmärkte sei wegen der wachsenden Weltbevölkerung positiv. 

Ausgezeichnete Innovationen

Hersteller aus dem Nordwesten bewerten die Lage unterschiedlich. Stefan Kotte erwartet einen Umsatzrückgang zwischen 10 und 15 Prozent. 2014 hatte seine Firma mit 45 Millionen Euro Umsatz einen Rekord erreicht.  „Bedarf und Nachfrage nach moderner Technik sind da“, sagt Christian Dreyer, Geschäftsführer der Amazonenwerke aus Hasbergen bei Osnabrück. Vor allem große Betriebe investierten kontinuierlich. Das mag an Innovationen wie dieser liegen: „AmaSpot“ nennt sich ein System des Herstellers, das Unkraut erkennt und nur an diesen Stellen Pflanzenschutzmittel versprüht. Der Herbizid-Einsatz sinke so um bis zu 80 Prozent. Dafür und für zwei weitere Neuheiten erhielt Amazone von der DLG jeweils eine Silbermedaille.

Eine Goldmedaille war der DLG ein sogenannter Pellet-Vollernter der Maschinenfabrik Bernard Krone aus dem Emsland  wert. „Premos 5000“ heißt das Gerät, das auf dem Feld Stroh zu Pellets presst, die als Einstreu, Tierfutter oder Brennstoff in Heizungen dienen.


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