Landtechnik-Sparte trotzt Krise Werlte: Krone investiert 50 Millionen Euro in Fahrzeugwerk



Spelle. Den Umsatzeinbruch der deutschen Landtechnik-Hersteller hat die Maschinenfabrik Bernard Krone bislang nicht zu spüren bekommen. Im Gegenteil: Die Emsländer konnten ihr Geschäft weiter ausbauen. Die Nutzfahrzeug-Sparte wächst ebenfalls – und wird für 50 Millionen Euro vollständig modernisiert.

Von Alexander Klay und Thomas Pertz

Nachdem die Maschinenfabrik in Spelle in den vergangenen viereinhalb Jahren für 40 Millionen Euro von Grund auf modernisiert worden ist, ist nun die Nutzfahrzeug-Sparte in Werlte an der Reihe. Unternehmenslenker Bernard Krone will „den kompletten Standort einmal vernünftig überplanen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Für den „Masterplan Werlte“ nimmt das Unternehmen bis 2020 bis zu 50 Millionen Euro in die Hand. „Wir wollen ganz besonders in die Produktqualität investieren“, sagt er. So werde etwa die Lackieranlage modifiziert.

Zudem bestätigte bestätigte Krone-Geschäftsführer Alfons Veer, dass der Landtechnik-Fachbetrieb Krone (LVD) in Bawinkel ein neues Logistikzentrum bauen wolle. Geschäftsführerin ist Dorothee Renzelmann , die Schwester von Bernard Krone. Einen neuen Standort errichte der LVD außerdem an der Autobahn bei Twist.

„Entwicklungen gut verkraftet“

Unterdessen entwickelt sich das Geschäft der deutschen Landtechnik-Hersteller wegen Ukraine-Krise, Absatzproblemen in Südamerika und niedrigen Preise für Schweinefleisch und Milch in Europa schlecht: Für die Branche wird 2015 kein gutes Jahr. Der Verband VDMA Landtechnik erwartet einen Umsatzrückgang um zehn Prozent auf sieben Milliarden Euro – nachdem die Erlöse schon im vergangenen Jahr um acht Prozent geschrumpft sind.

Der Futterernte-Spezialist Krone hat die Probleme auf den Agrarmärkten zwar ebenfalls zu spüren bekommen. Unterm Strich ist der Umsatz der Maschinenfabrik mit Sitz in Spelle aber sogar gewachsen. Dieser stieg im zurückliegenden Geschäftsjahr 2014/15 (bis 31. Juli) um 6 auf 554 Millionen Euro. „Insgesamt haben wir die Entwicklungen gut verkraftet“, sagt Geschäftsführer Veer. Für das laufende Jahr erwartet er entgegen des Trends nur einen kleinen Rückgang um 8 Millionen Euro. Als Grund nennt er eine „durchaus hohe Investitionszurückhaltung“ bei Landwirten und Lohnunternehmern.

Absatz in Russland und Ukraine eingebrochen

Zu spüren bekommen hat das Unternehmen vor allem die Ukraine-Krise. Der Absatz in Russland und der Ukraine sei um 40 Millionen Euro gesunken. Warum die Maschinenfabrik dennoch besser dasteht als andere Hersteller, erklärt Firmenlenker Bernard Krone mit der fortschreitenden Internationalisierung. Im Fokus liege der Absatz in landwirtschaftlich geprägten Regionen der USA. In den Bundesstaaten Kalifornien und Wisconsin betreiben die Emsländer inzwischen vier Vertriebsstandorte. Ein fünfter in Idaho ist geplant. In Nordamerika sieht Krone großes Potenzial: „Der Umsatzanteil kann in einigen Jahren auf Augenhöhe mit dem deutschen Markt liegen“, sagt er. Derzeit steht der Absatz in dieser Region für 21 Prozent des Umsatzes, Deutschland für 28 Prozent.

Bald Marktführer?

Der Umsatz des Fahrzeugwerks Bernard Krone stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 6 Millionen auf 1,084 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite der Krone-Gruppe liegt bei 3,1 Prozent (Vorjahr: 4,0). Mit einem Marktanteil von 18,7 Prozent, gemessen an Zulassungszahlen in Deutschland, stehe das Unternehmen kurz vor der Marktführerschaft. Bereits zum Jahresanfang hat die Nutzfahrzeug-Sparte die ausstehenden Anteile am 2013 eröffneten Standorts im türkischen Tire (bei Izmir) übernommen. Krone ist nun alleiniger Eigentümer des Werks.

Die Maschinenfabrik beschäftigt aktuell 1792 Mitarbeiter (davon 1618 in Spelle), das Fahrzeugwerk 1202 (846 in Werlte). Die übergeordnete Holding kommt auf 103 Mitarbeiter.

Umsatzwachstum geplant

Was die Entwicklung anbelangt, blickten Krone und Veer optimistisch in die Zukunft. Für das kommende Jahr wird für die gesamte Krone-Gruppe (Maschinenfabrik und Fahrzeugwerk) ein Anstieg des Umsatzes von 1,638 auf 1,707 Milliarden Euro erwartet. Auf der am 10. November beginnenden Landwirtschafts-Leitmesse Agritechnica wird sich das Unternehmen mit einem neu konzipierten Stand präsentieren. Für einen mobilen Pelletvollernter ist Krone bereits vorab mit einer Goldmedaille der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ausgezeichnet worden.

Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region Osnabrück-Emsland unter www.noz.de/regionale-wirtschaft


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN