Auch Burger King liefert nach Hause McDonald‘s-Lieferservice: Bis zu 200 Bestellungen am Tag

Möchte auf seinen Lieferdienst nicht mehr verzichten: Christian Eckstein, einer der größten McDonald’s-Filialbetreiber Deutschlands. Foto: Michael GründelMöchte auf seinen Lieferdienst nicht mehr verzichten: Christian Eckstein, einer der größten McDonald’s-Filialbetreiber Deutschlands. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der bundesweit einmalige McDonald’s-Lieferservice in Osnabrück hat sich etabliert. Filialbetreiber Christian Eckstein zählt bis zu 200 Bestellungen am Tag. Auch Burger King und Pizza Hut arbeiten am Ausbau ihrer Bringdienste.

  • Zwei Jahre nach dem ersten Testlauf hat sich der McDonald‘s-Lieferservice in Osnabrück etabliert
  • Rivale Burger King will einen bundesweiten Bringdienst aufbauen
  • Auch Pizza Hut hat den Markt der Lieferdienste für sich entdeckt

Das Interesse war riesengroß, als Christian Eckstein, einer der größten Fast-Food-Unternehmer Deutschlands, vor zwei Jahren in Osnabrück mit einem Lieferdienst experimentierte. 1700-Mal klingelte bei der bis dahin einmaligen Aktion des McDonald’s-Filialbetreibers das Telefon, 400 Bestellungen konnte sein Team damals abarbeiten. Weitere Testläufe folgten, inzwischen ist der „McHome“-Lieferservice im Dauerbetrieb. 70 bis 200 Bestellungen gehen täglich im Schnitt ein.

An diesem Freitagnachmittag, an dem Eckstein über sein Geschäft spricht, entwickelt sich die Nachfrage eher in Richtung der größeren Zahl. Draußen regnet es seit Stunden in Bindfäden. Schon um 16 Uhr füllen die Mitarbeiter eine Transporttasche nach der anderen mit Burgern, Pommes, Getränken. Manchmal stehen drei gleichzeitig auf dem Tresen. „Es gibt Stammkunden, die bestellen jeden Tag“, sagt er. Ganz vorne in der Statistik stünden Chicken McNuggets und Cheeseburger. Fast Food auf dem Sofa kostet ein Viertel mehr als im Restaurant.

Kein bundesweiter Lieferservice

Eckstein betreibt 22 Restaurants zwischen Rheine, Osnabrück und den Vorstädten Bremens. Er ist er der drittgrößte Partner des US-Konzerns in der Bundesrepublik. Am Umsatz gemessen, stehe er sogar auf Platz zwei, sagt er. Jeden Trend hat er im Blick, sein Lieferservice wird in der Branche viel diskutiert.

Auch im McDonald’s-Hauptquartier in München. Die Konzernvertreter betrachteten den Feldversuch ihres selbstständigen Filialbetreibers aus Sorge um die eigenen Qualitätsstandards zunächst skeptisch, inzwischen wohlwollend. „Wir verfolgen die lokale Aktion unseres Franchise-Nehmers in Osnabrück mit großem Interesse“, sagt ein Sprecher. Der Osnabrücker Burgerbote werde jedoch zunächst ein Einzelfall bleiben. „Aktuell ist keine bundesweite Einführung eines Lieferdienstes geplant“, lässt der Sprecher wissen.

Eckstein möchte seinen Lieferdienst nicht mehr missen. Der Alltag laufe reibungslos, sagt er. Für die Grundauslastung sind drei bis vier Autos eines lokalen Fahrdienstes in der Stadt unterwegs. Bis zu zehn eigene Mitarbeiter setzen sich in Spitzenzeiten zusätzlich hinters Steuer. Wie viel Umsatz er mit dem Bringdienst macht, will der Unternehmer nicht sagen. Nur so viel: Er ist zufrieden.

Burger King will Bringdienst ausbauen

Inzwischen sind seine Burgertaxis nicht mehr allein auf der Straße. Seit Frühjahr 2015 testet der Rivale Burger King einen Lieferservice in Deutschland. Anders als bei McDonald’s läuft das Experiment hochoffiziell in acht Restaurants im Osten und Süden.

Offenbar mit Erfolg. Burger-King-Deutschlandchef Andreas Bork lässt sich überschwänglich zitieren: „Die Entscheidung, die Testphase abzuschließen und den Lieferservice deutschlandweit auszurollen, fiel uns angesichts des großen Erfolges leicht.“ Innerhalb von 24 Monaten, so der im Sommer verkündete Plan, werde dieser bundesweit etabliert. Etwa 200 der 700 Restaurants kämen dafür infrage. Bis heute, Ende Oktober, hat sich jedoch nichts getan.

Burgerketten wittern Millionengeschäft

Mit den Bringdiensten werden offenbar hohe Erwartungen verbunden. Branchenkenner sehen darin ein Umsatzpotenzial im unteren dreistelligen Millionenbereich. Ein Hoffnungsschimmer für die Fast-Food-Ketten: Mit Wachstum tun sie sich in Deutschland seit Jahren schwer. 2014 sackte der Burger-King-Umsatz nach einem Hygieneskandal bei einem Lizenznehmer um 50 Millionen Euro auf 830 Millionen Euro ab. Platzhirsch McDonald’s hält sich mit Erlösen von knapp über drei Milliarden Euro weiterhin an der Spitze, kämpft seit 2012 aber ebenfalls mit Rückgängen.

Beim Lieferservice strebt Burger King die Marktführerschaft an, heißt es in offiziellen Mitteilungen. Das Ziel ist hochgesteckt. Nicht nur Zigtausende lokale und regionale Pizzalieferanten sind dabei zu überrunden, sondern auch die bundesweiten Lieferdienst-Größen wie Joey’s Pizza. 2014 kam Joey’s in Deutschland auf einen Umsatz von 135 Millionen Euro. Genaue Zahlen, wie groß der Markt der Essens-Bringdienste ist, gibt es nicht – das Statistische Bundesamt erhebt dazu keine Daten. Die Branche entwickele sich mit ihren Zigtausenden Anbietern äußerst dynamisch, sagt eine Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

Auch Pizza Hut baut Bringdienst aus

Apropos Pizza: Auch die Kette Pizza Hut entdeckt momentan den Lieferdienst für sich, schätzt diesen Bereich als „durchaus lukrativ“ ein, sagt Jennifer Chur, Marketing-Managerin des Lieferdienstes von Pizza Hut. In bislang sieben Städten bringt das Unternehmen Pizza nach Hause. Angestrebt werde ein „Wachstum mit Bedacht“, sagt Chur. Zum Jahresende soll es den „Delivery“-Service an neun Orten geben. In Osnabrück hat der lokale Lizenznehmer davon unabhängig einen eigenen Lieferservice auf die Beine gestellt.

Das Pommes-Problem

Während Pizzataxis eigentlich nur schnell sein müssen, damit die Speisen nicht kalt ankommen, haben die Burger-Ketten ein Pommes-Problem. In den geschlossenen Warmhalteboxen bildet sich Wasserdampf, und der lässt die Fritten weich und wabbelig werden. McDonald’s-Mann Eckstein meint: „Auch im Lieferservice sind knusprige Pommes möglich – wenn du alles richtig machst.“ In der Türkei, wo der US-Konzern rund 40 Prozent seines Umsatzes mit dem Lieferdienst macht, fand er die einfache Lösung: Durch zwei Metallösen in den Seitenwänden der Taschen soll Luft strömen und der Dampf entweichen. Kalt würden die Speisen dadurch nicht. „Auf den kurzen Strecken ist der Temperaturabfall marginal“, sagt er.

Zusätzlich hat Eckstein Regeln aufgestellt. Die Pommes dürfen nicht direkt aus der Fritteuse in die Transportbox – sie müssen erst einmal ausdampfen. Burger King hat das Pommes-Problem nach eigenen Angaben durch spezielle Produktverpackungen gelöst.

Lieferando kooperiert mit McDonald‘s-Mann

Die großen Namen, die derzeit das Liefergeschäft aufmischen, haben auch Online-Dienstleister im Blick. Unternehmen wie Pizza.de, Lieferheld und Lieferando sehen sich als Bestellplattform für jeweils rund 10.000 Bringdienste in Deutschland. Lieferando hat sich kürzlich die Zusammenarbeit mit Christian Eckstein in Osnabrück gesichert. Geschäftsführer Jörg Gerbig findet es „toll, einen so großen Namen auf unserer Plattform zu haben“, sagt er. „Wir hoffen, dass wir die Kooperation ausbauen können.“ Im Schnitt bestellten die Kunden für etwa 20 Euro. Für das Vermitteln der Bestellungen bekommen die Online-Plattformen um die zehn Prozent Provision.

Auch Filialbetreiber Eckstein gibt sich zufrieden. „Wir erschließen uns damit einen völlig neuen Kundenkreis“, sagt er – plötzlich haben diejenigen McDonald’s im Blick, die sich bislang nur Pizza nach Hause liefern ließen.

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