100 zusätzliche Arbeitsplätze Coppenrath&Wiese geht mit Oetker auf den Weltmarkt

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Geschäftsführer Andreas Wallmeier vor der Produktionsstätte des Torten-Imperiums in Mettingen. Foto: Michael GründelGeschäftsführer Andreas Wallmeier vor der Produktionsstätte des Torten-Imperiums in Mettingen. Foto: Michael Gründel

Mettingen. Dr. Oetker hat Wort gehalten. Nach der Übernahme der Konditorei Coppenrath&Wiese bleibt der Tortenbäcker eigenständig. Die befürchtete Verlagerung von Verwaltungsaufgaben von Osnabrück nach Bielefeld gebe es nicht, sagt Geschäftsführer Andreas Wallmeier.

Im Gegenteil: Die Mitarbeiterzahl von 2200 werde für eine neue Produktionslinie noch aufgestockt. „Sie können jeden einzelnen Bereich anschauen und werden keinen Punkt finden, wo Personal verlagert worden ist“, sagt Wallmeier.

Nicht einmal eine Flagge des Bielefelder Lebensmittelgiganten weht bei Coppenrath&Wiese. Ein Detail macht den Unterschied: Das Unternehmen ist seit Juli eine Kommanditgesellschaft, statt einer „GmbH & Co. KG“. „Wir haben die volle und klare Eigenständigkeit“, sagt der 51-Jährige. Seit neun Jahren leitet er die Firma.

Direkter Draht nach Bielefeld

Zu den neuen Hausherren aus Bielefeld hat er engen Kontakt. Statt wie üblich über die Oetker-Lebensmittelsparte wird der Tortenbäcker über einen Beirat gesteuert. Der ist mit Richard Oetker als Vorsitzendem und Konzern-Finanzchef Albert Christmann prominent besetzt. „Damit haben wir einen sehr direkten Draht, um Entscheidungen zu treffen“, sagt Wallmeier. (Weiterlesen: Coppenrath & Wiese bleibt nach Übernahme eigenständig)

Eine dieser Entscheidungen lautet: Synergien mit der Oetker-Welt nutzen. Das betreffe nicht das Personal, versichert der Geschäftsführer. Es geht um den Vertrieb: Der weltweit aufgestellte Konzern soll dem Osnabrücker Tortenbäcker zu globalem Wachstum verhelfen.

„Eine urdeutsche Marke“

Das soll so funktionieren: In Ländern, in denen es die Tiefkühltorten und -brötchen noch nicht gibt, werde Oetker die Produkte unter der dortigen, regionalen Marke in den Handel bringen. „Coppenrath&Wiese ist eine urdeutsche Marke“, sagt Wallmeier, „im Ausland funktioniert das schlecht.“ Aktuell würden Chancen der Produkte in den verschiedenen Ländern analysiert.

Denkbar seien etwa Spanien, Italien, Frankreich, der Benelux-Raum und Kanada. Ein Meeting mit Oetker-Vertriebsmanagern sei noch für Oktober angesetzt. Eigene Produktionsstandorte im Ausland kämen zunächst nicht infrage, sagt der 51-Jährige: „Wir denken mittelfristig an Mettingen.“

Mehr Geld für die Mitarbeiter

Dort und in der Verwaltung in Osnabrück kehrt nach dem monatelangen Geschachere um das hochprofitable Unternehmen wieder Routine ein. Wallmeier sagt, er sei „hochzufrieden mit dem, was wir mit Oetker abgestimmt haben“. Zum ersten Mal seit langer Zeit gebe es wieder konkrete Pläne für die strategische Geschäftsentwicklung. Und für die Mitarbeiter gibt es seit September 2,6 Prozent mehr Geld, in einem Jahr folgt ein Nachschlag von 2,3 Prozent.

Für Investitionen gab es schnell die Freigabe aus Bielefeld. 16 Millionen Euro steckt Coppenrath&Wiese in Mettingen in eine neue Produktionslinie für den britischen Markt. Dabei gehe es um Backwaren und Desserts, die gekühlt und nicht tiefgefroren verkauft werden. Die Testproduktion beginne Mitte 2016. 50 Arbeitsplätze sollen hier entstehen, weitere 50 neue Stellen in anderen Bereichen. Ob für das geplante Wachstum weitere Investitionen nötig sind, werde Anfang 2016 diskutiert.

Konstruktive Gespräche mit Oetker

„Alles das, was die Firma schon lange machen wollte, wird jetzt angegangen“, lobt Betriebsratschef Karl-Heinz Hukriede. Er habe in den vergangenen Monaten mehrere Gespräche mit Konzernchef Richard Oetker führen könnten, die allesamt „sehr konstruktiv“ waren, wie er sagt. Alle Versprechen seien eingehalten worden. „Es ist wieder Ruhe im Betrieb eingekehrt.“

Auf den Umsatz hat sich der Verkauf des Unternehmens von der Familie Coppenrath an die Oetkers Wallmeier zufolge nicht ausgewirkt. 2014 lag der Umsatz bei 375 Millionen Euro. Dieses Jahr liege das Ziel bei 400 Millionen Euro, danach werde ein Plus von jährlich 3,5 Prozent angestrebt. (Weiterlesen: Oetker-Produkte bald bei Coppenrath & Wiese im Werksverkauf?)


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