Windpark „Riffgrund I“ wird eingeweiht Mit den Windrädern kommen Arbeitsplätze

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Windparkbau in der Nordsee: Mit einem sogenannten Errichterschiff wurden die Anlagen für „Borkum Riffgrund I“ vor Borkum aufgestellt. Foto: Dong EnergyWindparkbau in der Nordsee: Mit einem sogenannten Errichterschiff wurden die Anlagen für „Borkum Riffgrund I“ vor Borkum aufgestellt. Foto: Dong Energy

Norden. Mit der Offshore-Windenergie kommen die Arbeitsplätze. Wenn an diesem Freitag 38 Kilometer vor Borkum in der Nordsee der Windpark „Riffgrund I“ eingeweiht wird, bedeutet das für das kleine Küstenstädtchen Norden den Start in ein neues Zeitalter.

Der teilstaatliche dänische Energiekonzern Dong Energy hat in dem Städtchen, das für die Fähren nach Norderney und Juist bekannt ist, 80 Arbeitsplätze geschaffen. Norden wird so zum heimlichen Gewinner der Energiewende. Im Bereich Offshore-Service sind bislang 250 Arbeitsplätze entstanden, sagt Wirtschaftsförderer Jan-Berndt Swyter. In der sonst durch Tourismus und Einzelhandel geprägten Stadt entstehen plötzlich gut bezahlte Jobs für Hochqualifizierte. „Das schafft Perspektiven für junge Leute“, sagt er.

Seit Februar liefert das erste Windrad von „Borkum Riffgrund 1“ grünen Strom aus der Nordsee. An diesem Freitag wird Prinz Joachim zu Dänemark den kompletten Park mit 78 Turbinen in Betrieb nehmen. An guten Tagen sollen sie bis zu 312 Megawatt leisten, Strom für gut 320.000 Haushalte.

Bei fast jedem Wetter raus in die Nordsee

Der Windpark in der Nordsee kostet 1,25 Milliarden Euro. 15 Millionen Euro hat Dong an Land in die Betriebszentrale in Norden-Norddeich investiert. Die Servicetechniker, die hier seit einigen Monaten tätig sind, betreten Neuland – für sie gibt es bislang keine Ausbildung. Sie fahren täglich raus in die Nordsee, um die Windräder in Schuss zu halten – bei fast jedem Wetter.

In ihrem früheren Leben waren sie Mechaniker und Elektriker. Wie Lars Warda. Er hat für die Nordseewerke in Emden gearbeitet. Die ehemalige Werft versuchte sich bis zu ihrer Pleite als Zulieferer für die Offshore-Industrie. Seit Januar 2014 arbeitet er bei Dong. „Für mich ist alles gut gelaufen“, sagt der Konstruktionsmechaniker. Mit ihm kamen zwei weitere Kollegen aus Emden. Seine neue Stelle dürfte sicher sein: „RiffgrundI“ ist auf mindestens 25 Jahre Betrieb ausgelegt.

Offshore-Windenergie macht Sprung nach vorn

In diesem Jahr macht die Offshore-Windenergie vor der deutschen Küste einen Sprung nach vorn. Nach jahrelangen rechtlichen und finanziellen Querelen steigt die Zahl der fertiggestellten Windparks von fünf auf 13. Weil der Wind über Nord- und Ostsee stärker bläst als an Land, sollen die Offshore-Windräder doppelt so viel Strom liefern. 2016 und 2017 sollen laut Stiftung Offshore-Windenergie sechs weitere Parks fertig werden.

Von der jungen Industrie wollen viele profitieren: Bremerhaven, Cuxhaven, Emden – alle hegten große Pläne. Warum sich die Dänen für Norddeich entschieden? In dem Küstenort habe alles gepasst, sagt Dong-Sprecherin Iris Franco Fratini. Die Nähe zum Windpark, ein Helikopter-Landeplatz, direkter Zugang zur Kaje, offener Empfang im Rathaus. Der erste Kontakt kam im Jahr 2011 zustande. „Die Stadt wollte erst einmal verstehen, was wir hier überhaupt vorhaben“, sagt Franco Fratini. Im Sommer 2015 wurde die neue Betriebszentrale eingeweiht.

Rettungshubschrauber braucht 20 Minuten

Dort arbeitet Christel Siebens. Die Ostfriesin ist Teamleiterin. Sie war bei VW in Emden, dann Geschäftsleiterin im Einzelhandel. Nun hält sie bei Dong die Servicetruppe zusammen, spricht von „ihren Jungs“. Die 44-Jährige ist die erste Frau bei dem dänischen Energiekonzern in einer solchen Position. Sie weiß, wie herausfordernd die Arbeit draußen in der Nordsee ist. Die Techniker fahren bei einem Wellengang von bis zu 1,5 Metern raus zu den Windrädern. Ob sie den Schritt vom Boot auf die Anlagen setzen, müsse jeder selbst entscheiden. „Wir wollen hier keine Cowboys“, sagt sie. Bei Unfällen ist Hilfe fern. Bis der Rettungshubschrauber die 54 Kilometer bis zum Windpark in der Nordsee zurückgelegt hat, dauert es 20 Minuten.

Hoffnung auf 400 Arbeitsplätze

„Borkum Riffgrund I“ ist nur der Auftakt der Investitionen der Dänen in Deutschland. Bereits im Bau befindet sich nördlich von Norderney der Windpark „Gode Wind“, der mit seinen 97 Anlagen ab kommendem Jahr 600.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Und die Verträge für ein weiteres Projekt, „Borkum Riffgrund II“, sind unterzeichnet. Für die Stadt Norden bedeutet das weitere Arbeitsplätze – Wirtschaftsförderer Swyter schätzt, die Branche werde in seiner Stadt in wenigen Jahren 400 Menschen beschäftigen.

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