Nach Vorwürfen von Leiharbeitern Adidas in Rieste: Probleme sollen behoben sein

Nach schweren Vorwürfen von Leiharbeitern im Adidas-Logistikzentrum Rieste versichert der Konzern, dass Probleme bei der Inbetriebnahme behoben seien. Foto: Michael GründelNach schweren Vorwürfen von Leiharbeitern im Adidas-Logistikzentrum Rieste versichert der Konzern, dass Probleme bei der Inbetriebnahme behoben seien. Foto: Michael Gründel

Rieste. Schwere Vorwürfe hatten Zeitarbeiter des Adidas-Logistikzentrums in Rieste im Osnabrücker Land im Frühjahr gegen den Sportartikelhersteller erhoben. Der Konzern gesteht ein, dass es Probleme bei der Inbetriebnahme des Standortes gab – und versichert jetzt gegenüber unserer Redaktion, dass diese behoben seien.

Ärger gab es damals etwa wegen plötzlich ausfallender Schichten. Leiharbeiter berichteten unserer Redaktion von einer zermürbenden Dauerrufbereitschaft. „Wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht so weit, das selber stabil zu planen“, sagt Sven Künnemann, Leiter des Warenlagers, unserer Redaktion. Dass eine Schicht erst kurz vor Dienstantritt abgesagt werde, komme nicht mehr vor. „Wir haben uns und unsere Anlage besser kennengelernt und können besser reagieren“, sagt er. Zudem seien die Arbeitszeiten begrenzt worden. Erschöpfte Leiharbeiter hatten im Frühjahr über endlose Einsätze ohne freien Tag geklagt. „Wir haben immer die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten. Inzwischen haben jedoch auch gelernt, besser im Voraus zu planen“, versichert Künnemann. Vier Wochen im Voraus seien die Regel.. (Weiterlesen: Rieste: Widersprüche im Umgang mit Leiharbeitern bei Adidas)

Probleme bei der Kommunikation

Viele der Vorwürfe seien durch mangelnde Kommunikation mit den Mitarbeitern entstanden, heißt es heute. Unterschiedliche Erwartungshaltungen der Leiharbeiter seien damals nicht erkannt worden. In Rieste arbeitet Adidas mit den Personaldienstleistern Manpower und Olympia zusammen: Eine Firma ist im Kern für Zeitarbeiter aus der Region zuständig, die andere für Personal vornehmlich aus Polen. Der einen Gruppe gehe es um einen wohnortnahen Arbeitsplatz und die Hoffnung auf einen Wechsel in die Stammbelegschaft – der anderen in der Fremde meist um möglichst viel Arbeit in kurzer Zeit. „Wir mussten lernen, die richtige Ansprache zu treffen“, sagt Künnemann.

Die Arbeitsprozesse hat Adidas seit Bekanntwerden der Vorwürfe von unabhängigen Gutachtern untersuchen lassen. Diese hätten vor Ende August ihre Arbeit in Rieste beendet. Der Abschlussbericht werde derzeit erstellt.

Generell habe sich Adidas zum Ziel gesetzt, den Anteil an Leiharbeitern außerhalb von Spitzen zu Sommerbeginn und in der Weihnachtszeit zu begrenzen. Mehr Mitarbeiter sollen in die Stammbelegschaft wechseln, die direkt beim Sportartikelhersteller beschäftigt ist.

Seit dem Frühjahr seien Künnemann zufolge weitere 70 Mitarbeiter fest eingestellt worden. Inzwischen umfasse die direkt bei Adidas beschäftigte Belegschaft 351 Mitarbeiter. Damit sei das Lager für das nahende Weihnachtsgeschäft gut aufgestellt. Hinzu kämen aktuell 322 Leiharbeiter. Im kommenden Jahr werde die Stammbelegschaft weiter aufgestockt. Noch im Mai, kurz vor der Hauptsaison, kamen 281 Festangestellte auf 583 Leiharbeiter.

Erweiterung möglich

Unterdessen steigt die Auslastung des Logistikzentrums, das für den westeuropäischen Raum zuständig ist. An einem Rekordtag zu Beginn dieser Sommersaison seien in Rieste rund 800.000 Teile versandt worden. Damit sei der Standort für Adidas „das entscheidende Drehkreuz“ für die Logistik des Konzerns, sagt Vorstandsmitglied Roland Auschel im Gespräch mit unserer Redaktion. Er besuchte den 2013 eröffneten Standort kürzlich zum ersten Mal.

Direktgeschäft mit Privatkunden wächst

Durchschnittlich verlassen derzeit 300.000 Schuhe, Hosen oder T-Shirts den Standort am Tag. Diese gehen an Großabnehmer wie Onlinehändler Zalando oder kleine Sportgeschäfte. In der Zahl enthalten sind etwa 15.000 Pakete für private Kunden, die direkt bei Adidas bestellt haben.

Dieser Bereich entwickele sich Auschel zufolge „extrem dynamisch“. Soll heißen: Immer mehr Kunden kaufen im Adidas-Onlineshop ein. Der Manager spricht von 60 bis 70 Prozent Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Für 2015 erwartet er in diesem Bereich einen weltweiten Umsatz von mindestens 500 Millionen Euro. Bis 2020 soll sich die Zahl vervierfachen. Auschel: „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung.“

Die Kapazitätsgrenze des Logistikstandorts sei noch nicht erreicht. Eine spätere Erweiterung sei aber denkbar. „Wir sind sehr froh, dass wir hier einen Standort haben, der sich auf der grünen Wiese weiter entwickeln kann“, sagt der Manager. Den Platz dafür habe sich Adidas von vornherein gesichert.

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